«Wir werden keine Sklaven des 21. Jahrhunderts»

In Griechenland haben die Angestellten der öffentlichen Dienste aus Protest gegen Sparmassnahmen die Arbeit niedergelegt. Im ganzen Land gingen Zehntausende auf die Strasse. Vereinzelt gab es Ausschreitungen.

Gegen höhere Steuern und niedrigere Löhne: Demonstranten im Zentrum Athens.(20. Februar 2013)

Gegen höhere Steuern und niedrigere Löhne: Demonstranten im Zentrum Athens.(20. Februar 2013)

(Bild: Reuters)

Die griechischen Gewerkschaften reagieren mit ihrem ersten Generalstreik des Jahres auf neue Sparmassnahmen der Regierung. Im ganzen Land gehen Zehntausende Menschen auf die Strassen und protestieren gegen die Krisenpolitik. Prognosen zufolge dürfte die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten auf 30 Prozent steigen.

Aus Protest gegen die Sparpolitik der Regierung sind in der griechischen Hauptstadt Athen Zehntausende Menschen auf die Strassen gegangen. Auch in anderen Grossstädten wurde demonstriert. Laut Polizeiangaben kam es zu vereinzelten Zusammenstössen zwischen Maskierten und den Sicherheitskräften. Ein Generalstreik der grossen Gewerkschaften des Landes legte zudem das öffentliche Leben in Griechenland weitgehend lahm.

Lehrer, Beamte sowie Eisenbahner legen für 24 Stunden die Arbeit. In den Spitälern wird nur ein Notdienst aufrechterhalten. Wegen Arbeitsniederlegungen der Angestellten der zivilen Luftfahrt kommt es zu Behinderungen und Verspätungen im Flugverkehr. Erhebliche Probleme gibt es auch bei der Küstenschifffahrt.

Zehntausende auf den Strassen

In zwei grossen Gruppen zogen die Demonstranten Fahnen schwenkend vor das Parlamentsgebäude in Athen. «Wir werden keine Sklaven des 21. Jahrhunderts», stand auf Spruchbändern. Die Polizei teilte mit, rund 40’000 Menschen hätten sich an den Protesten beteiligt. Auch in Thessaloniki im Norden des Landes gingen rund 17’000 Menschen auf die Strassen.

«Wir protestieren gegen die (gesenkten) Pensionen, gegen Steuererhöhungen, gegen die hohen Lebenshaltungskosten», sagte ein pensionierter Arbeiter. «Die Regierung will die Löhne noch weiter senken und die Gewerkschaften zerschlagen», sagte ein Luftfahrtingenieur.

Die Zeit der Toleranz sei vorbei, sagte Ilias Iliopoulos, Generalsekretär von ADEDY, einer Gewerkschaft von Angestellten des öffentlichen Dienstes. Die Zeit einer grösseren Konfrontation mit der Regierung sei gekommen, sagte er.

Vereinzelte Ausschreitungen

Die Polizei berichtete von vereinzelten Ausschreitungen. Demnach bewarfen Jugendliche die Sicherheitskräfte mit Steinen und Brandbomben; die Polizei setzte Tränengas ein. Rund 3000 Polizisten waren in Athen im Einsatz. Bereits bei früheren Protesten war es teilweise zu heftigen Zusammenstössen gekommen.

Die Arbeitslosigkeit im krisengeplagten Griechenland dürfte in diesem Jahr Prognosen zufolge auf den besorgniserregenden Wert von 30 Prozent steigen. Die Wirtschaftsleistung des Landes wird zudem voraussichtlich um weitere 4,1 Prozent sinken. Seit dem Beginn der Krise 2008 ist die griechische Wirtschaft um 25 Prozent geschrumpft.

kpn/sda

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