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«Wir erleben wirklich dramatische Zeiten»

Die europäischen Finanzmärkte befinden sich nach Einschätzung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in einer dramatischen Krise. Er fordert einen «Quantensprung» in der staatlichen Kontrolle.

«Es kann extrem schnell gehen»: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.
«Es kann extrem schnell gehen»: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.
Keystone

Man befinde sich «zweifelsohne» noch immer «in der schwierigsten Situation seit dem Zweiten Weltkrieg, vielleicht sogar seit dem Ersten», sagte Trichet dem «Spiegel» nach einer Vorabmeldung vom Samstag. «Wir erlebten und erleben wirklich dramatische Zeiten», wurde der Präsident der Europäischen Zentralbank weiter zitiert.

Im Markt bestehe «immer die Gefahr einer Ansteckung», erklärte er. «Und es kann extrem schnell gehen, manchmal innerhalb weniger Stunden.» Die Situation des Euro-Raums Ende vergangener Woche verglich er mit der Zeit kurz nach Beginn der Finanzkrise: «Die Märkte funktionierten nicht mehr, es war fast wie nach der Lehman-Pleite im September 2008.»

Wirksame Sanktionen verlangt

Der EZB-Präsident fordert «einen Quantensprung in der gegenseitigen Überwachung der Wirtschaftspolitik in Europa». Es brauche «wirksame Sanktionen bei Verstössen gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt», wie er dem Blatt sagte. Die EU-Regierungschefs hätten am vorvergangenen Freitag umfangreiche Sparprogramme zugesagt. «Sie haben sich verpflichtet, die Konsolidierung der Haushalte zu beschleunigen. Sie wissen, was auf dem Spiel steht», meinte Trichet.

Zugleich verteidigte er die Unabhängigkeit seiner Institution vehement: «Mitnichten haben wir den Staats- und Regierungschefs nachgegeben. Bei unserer Entscheidungsfindung fliesst allein unsere eigene Beurteilung der Situation ein. Wir hören nicht auf die 'Empfehlungen' der Regierungen, Märkte und Tarifparteien», sagte der EZB-Präsident zu der umstrittenen Entscheidung der EZB, erstmals Anleihen bedrängter EU-Staaten aufzukaufen. Nicht die EZB sei schwach gewesen, sondern die Regierungen mit ihren hohen Schulden. Eine inflationäre Wirkung dieser Massnahmen bestritt er. «Wir schöpfen die zusätzliche Liquidität wieder vollständig ab, jeden einzelnen Euro», versprach Trichet.

Der EZB-Präsident trat zudem dem Eindruck entgegen, dass sich die Geldpolitik geändert habe: «Wir haben nie eine Sekunde gezögert, die notwendigen Entscheidungen zu treffen, um Preisstabilität zu gewährleisten.»

ddp/bru

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