«Wer jetzt ein gutes Objekt findet, sollte zuschlagen»

Zweitwohnungen sind in vielen Ferienorten billiger geworden. Der Immobilienberater Edward Derksen sagt, was das für die betroffenen Destinationen heisst. Und für die Kunden.

Lieber preiswert und bodenständig als luxuriös: Das Bündner Maiensässdorf Aclas am Heinzenberg. (Archivbild)

Lieber preiswert und bodenständig als luxuriös: Das Bündner Maiensässdorf Aclas am Heinzenberg. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Franziska Kohler@tagesanzeiger

Neue Daten zeigen, dass die Preise für Wohneigentum in vielen Schweizer Tourismusgemeinden gesunken sind. Sie verkaufen Immobilien in solchen Orten. Stellen Sie den Druck auf die Preise auch fest? Ja, wir beobachten diese Entwicklung auch. Das Angebot an Zweitwohnungen ist im Moment sehr gross, es sind viele neue Objekte auf den Markt gekommen. Das liegt aber nicht nur an der Zweitwohnungsinitiative. Es ist auch ein demografischer Wandel im Gang, der zu einer geringeren Nachfrage nach Ferienwohnungen führt.

Können Sie diesen Wandel beschreiben? Viele unserer Kunden wollen heute flexibler sein als früher. Sie wollen nicht mehr an eine Immobilie und damit einen Ort gebunden sein, sondern verschiedene Destinationen besuchen. Es kommen auch viele Objekte von älteren Eigentümern auf den Markt, deren Kinder die Wohnung nicht übernehmen wollen. Und auch die Immobilien selbst werden älter. Die Besitzer müssten in den Unterhalt investieren und entscheiden sich stattdessen, zu verkaufen.

Welche Orte haben am meisten mit diesen Veränderungen zu kämpfen? Im Tessin kann man das sehr gut beobachten. Hier kommen viele Objekte von Italienern auf den Markt, die sich zum Verkauf entscheiden. Das liegt auch am automatischen Informationsaustausch zwischen der Schweiz und Italien, der nächstes Jahr in Kraft tritt. Italiener müssen die Immobilien, die sie in der Schweiz besitzen, ab diesem Zeitpunkt klar deklarieren. Gefordert sind auch alle tief gelegenen Wintersportgebiete, die immer mehr mit der Schneesicherheit zu kämpfen haben. Die höher gelegenen Orte – St. Moritz, Zermatt, Arosa, Lenzerheide oder Davos – haben nicht viel zu befürchten.

Infografik: Immobilienpreise in Tourismusregionen Grafik vergrössern

Werden die Preise an den betroffenen Orten noch weiter sinken? Ich denke, die Talsohle ist noch nicht überall erreicht. Das liegt auch daran, dass die Verkäufer teilweise immer noch zu hohe Preisvorstellungen haben – einige liegen bis zu 30 Prozent über dem, was auf dem Markt realistisch ist. Die Angebots- und Nachfragepreise werden sich an einigen Orten noch annähern.

Was raten Sie denen, die sich schon immer eine Ferienwohnung wünschten, sich bis jetzt aber keine leisten konnten? Wer jetzt ein gutes Objekt zu einem vernünftigen Preis findet, sollte zuschlagen. Der Markt ist durch die vielen Online-Vergleichsportale sehr transparent geworden, Käufer können den Wert einer Immobilie gut einschätzen. Ausserdem hat sich die Nachfrage verändert.

Inwiefern? Wir beobachten, dass jetzt eher preiswertere und kleinere Objekte gefragt sind. 3,5-Zimmer-Wohnungen sind im Moment sehr gesucht, früher waren es eher grössere Luxusobjekte. Die Nachfrage ist bodenständiger geworden. Man verzichtet lieber auf den einen oder anderen Quadratmeter und legt sich eine preiswertere Immobilie zu, die sich in fünf oder zehn Jahren relativ einfach wieder verkaufen lässt.

Was ist Ihre Prognose für die Zukunft? Ist es denkbar, dass die Preise wieder so stark zulegen wie vor einigen Jahren? Die Preise werden vielleicht nicht mehr so stark steigen wie früher. An Hotspots wie Ascona, Lugano, Gstaad, St. Moritz, Davos, Klosters und Zermatt werden sie aber auf jeden Fall wieder anziehen.

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baz.ch/Newsnet

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