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Wein-Freunde setzen zum Prosit an

2015 soll ein ausgezeichneter Weinjahrgang werden – der Wärme sei Dank. Was brauchts jetzt noch zum absoluten Spitzenwein? 5 Fragen und Antworten dazu.

Man erwartet einen ausgezeichneten Jahrgang 2015: Ein Winzer bei der Ernte von Chasselas-Trauben.
Man erwartet einen ausgezeichneten Jahrgang 2015: Ein Winzer bei der Ernte von Chasselas-Trauben.
Keystone

«Es darf mit einer sehr guten Traubenqualität gerechnet werden», heisst es bei Agroscope, dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung. Dessen Weinbau-Forschungszentrum in Pully untersucht seit 1925 systematisch die Rebsorte Chasselas im Genferseegebiet. Wegen des warmen Frühlings und der ausserordentlichen Hitzeperiode im Juli hat der Reifeprozess schon am 28. Juli eingesetzt, etwa zwei Wochen vor dem langjährigen Durchschnitt. Das ist der fünftfrüheste Reifezeitpunkt seit 1925 und erst das zwölfte Mal, dass dies bereits im Juli geschieht. Laut Agroscope waren die zwölf frühreifen Weinjahrgänge jeweils ausgezeichnet.

Welche Weinsorten werden dieses Jahr besonders gut?

«Bleiben die Wetterbedingungen in den nächsten Wochen weiterhin sonnig und trocken, wirkt sich das auf alle Weinsorten aus», sagt Urs Brunner. Er arbeitet als Kellermeister für die Forschungsgruppe Weinbau an der Zürcher Hochschule der Angewandten Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil. Brunner erwartet bei roten Sorten wie Blauburgunder und Gamaret einen sehr guten Jahrgang. «Bei den Weissweinen dürften vor allem Chasselas, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Kerner gut herauskommen.» Die ZHAW unterhält auf der Halbinsel Au am Zürichsee einen eigenen Rebberg und stellt pro Jahr rund 20'000 Flaschen Wein her – unter anderem die genannten Sorten.

Welche Voraussetzungen braucht es für einen Spitzenjahrgang?

Die Rebe liebt Wärme und relativ trockene Bedingungen. «Wenn das Wetter kurz vor der Lese schön und trocken ist, gibt das den Trauben nochmals einen wichtigen Qualitätsschub», sagt Brunner. Ab dem Farbumschlag, also wenn die Farbe der Trauben von Grün auf Blau wechselt, dauere es noch etwa sechs Wochen bis zur Ernte. Laut Agroscope beträgt der durchschnittliche Zuckergehalt der Trauben jeweils am 20. September 160 Gramm pro Liter, bei den zwölf frühreifsten Jahrgängen lag er bei 185 Gramm pro Liter.

Was könnte den Weinjahrgang 2015 noch verderben?

Schlechtes Wetter vor der Lese verderbe den Wein zwar nicht gerade, so Urs Brunner, doch es verlangsame besonders bei den Rotweintrauben eine weitere Einlagerung von Zucker. «Die meist etwas früher reifen Weissweinsorten können auch mit weniger Zucker eine gute Qualität erreichen. Weil hier die Säure eine grössere Rolle spielt als bei Rotweintrauben, war 2014 wegen des nasskalten Sommers eher ein Weissweinjahr.» Eine weitere Gefahr sind Pilze und Fäulnis, die bei warmem, regnerischem Wetter Hochkonjunktur haben. Zudem gefährden Wespen, Kirschessigfliegen oder Vogelfrass die Früchte. Auch Hagel sei ein Problem: «Man denke daran, wie letztes Jahr Rebberge in der Region Genf von Hagel zerstört wurden.» In der Waadt werden zudem etwa 10 Prozent der Ernte von Schäden betroffen sein, die vermutlich von einem Pilzschutzmittel des deutschen Bayer-Konzerns verursacht wurden. Dieses wurde im Sommer 2014 mancherorts gegen Graufäule eingesetzt. Nun haben diverse Reben deformierte Blätter und missgebildete Traubenbeeren. Der Zusammenhang mit dem Pilzschutzmittel ist laut Agroscope noch nicht abschliessend bestätigt, doch vieles deute in diese Richtung. Dank der verschonten 90 Prozent der Reben rechnet der Kanton Waadt jedoch insgesamt mit einem guten Jahrgang.

Welche Weinjahrgänge waren auch sehr gut?

Bei der Diskussion um die besten Weinjahrgänge teilen sich die Meinungen. «Das hängt jeweils vom Geschmack der Konsumenten ab», sagt Thomas Vaterlaus, Chefredaktor des Weinmagazins «Vinum». «Wer schwerere Weine bevorzugt, mag eher diejenigen aus Hitzejahren wie 2003 oder 2011 und – falls sich die Prognosen bewahrheiten – von 2015.» Leichtere, bekömmliche Weine seien bei den Jahrgängen mit kühleren Sommern wie 2013 und 2014 zu finden. «Zucker und damit der Alkoholgehalt sind nicht allein entscheidend, damit man von guter Qualität sprechen kann», relativiert Vaterlaus. Auch der Anteil von Säure und anderen Stoffen müsse stimmen.

Ab wann kann man Wein des Jahrgangs 2015 trinken?

Aufgrund des schönen Wetters dürfte die Ernte der Chasselas-Reben in Pully dieses Jahr bereits Ende September stattfinden anstatt wie sonst erst um den 8. Oktober, wie Agroscope mitteilt. Für die übrigen Sorten rechnet man mit Anfang Oktober. In den Trinkgenuss komme man bei vielen Schweizer Weinen frühestens ab nächstem März. «Die Topweine kommen aber eher Anfang 2017 in den Handel, weil sie vorher noch liegen und zur Ruhe kommen müssen», sagt Vaterlaus. Laut Kellermeister Brunner dürften sämtliche Schweizer Weinregionen von den derzeit guten Wetterbedingungen profitieren.

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