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Was der SNB-Entscheid für den Tourismus bedeutet

Durch die Aufgabe des Euro-Mindestkurses geraten auch die Schweizer Feriendestinationen unter Druck. Jetzt ist die Branche gefordert.

1. Januar 2002: Der Euro kommt drei Jahre nach seiner Einführung als Buchgeld in zwölf EU-Ländern als Bargeld in Umlauf. Sein Wert schwankt 2002 zwischen 1.45 und 1.48 Franken.
1. Januar 2002: Der Euro kommt drei Jahre nach seiner Einführung als Buchgeld in zwölf EU-Ländern als Bargeld in Umlauf. Sein Wert schwankt 2002 zwischen 1.45 und 1.48 Franken.
Joerg Sarbach, Keystone
2010: Die Schuldenkrise in Griechenland und anderen Euroländern lässt den Euro im Jahresverlauf von 1.50 auf 1.25 Franken sinken. Die SNB versucht, den Euro- und Dollarkurs mit massiven Käufen zu stützen.
2010: Die Schuldenkrise in Griechenland und anderen Euroländern lässt den Euro im Jahresverlauf von 1.50 auf 1.25 Franken sinken. Die SNB versucht, den Euro- und Dollarkurs mit massiven Käufen zu stützen.
Louisa Gouliamaki, AFP
15. Januar 2015: SNB-Präsident Thomas Jordan teilt mit, dass die SNB den Euromindestkurs per sofort aufhebt. Zudem erhöht sie den Negativzins auf den Girokonten um 0,5 Prozent auf –0,75 Prozent.
15. Januar 2015: SNB-Präsident Thomas Jordan teilt mit, dass die SNB den Euromindestkurs per sofort aufhebt. Zudem erhöht sie den Negativzins auf den Girokonten um 0,5 Prozent auf –0,75 Prozent.
Walter Bieri, Keystone
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Die Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank SNB trifft den Bündner Tourismus in besonderem Masse. Mit seinem überdurchschnittlichen Anteil an Gästen aus dem Euro-Raum sei Graubünden stärker betroffen, als andere Regionen, teilten Touristiker mit.

Mit dem Entscheid der SNB hätten sich die bereits schwierigen Rahmenbedingungen für die Exportindustrie Tourismus nochmals verschärft, hiess es in einer gemeinsamen Mitteilung mehrerer Bündner Tourismusdirektoren und der Marketingorganisation Graubünden Ferien.

«Wir haben keine Wahl wie die übrige Exportindustrie, welche wenigstens von günstigeren Importen bei den Rohstoffen profitieren oder allenfalls die Produktion ins Euro-Ausland verlagern kann», wird der Unterengadiner Tourismusdirektor Urs Wohler zitiert.

Mit der neuen Situation ist die Bündner Tourismusbranche nun gemäss einhelliger Meinung der Touristiker gefordert, noch mehr auf Qualität, Angebot und Leistung zu setzen. Zudem heisse es nun für die Tourismusakteure, noch mehr zusammenzurücken, noch stärker zu kooperieren und neue, nicht Euro-abhängige Märkte ins Auge zu fassen.

Tessiner Tourismus und Handwerk unter Druck

Unter der Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses wird im Südkanton laut dem Tourismusverbund «Ticino Turismo» besonders das Tourismus- und Gastgewerbe leiden. Die Tessiner Sektion der Gewerkschaft Unia befürchtet dagegen verschärfte Konkurrenz durch italienische Subunternehmer.

Das Tessin galt schon bisher als teures Reiseland, nun sei es auf einen Schlag 15 Prozent teurer geworden, sagte Omar Gisler, Sprecher von Ticino Turismo. Damit sei das Tessin im Preiskampf mit Italien, besonders in der Region um den Lago Maggiore, noch stärker unter Druck geraten.

«Es wird in Zukunft sicherlich nicht einfacher werden, Gäste aus Deutschland unserem wichtigsten Auslandsmarkt - zu einem Schweiz-Besuch zu begeistern». Er hoffe aber, dass Schweizer Gäste dem Tessin auch in Zukunft die Treue halten würden.

Die Befürchtungen der Unia Tessin kreisen um die zahlreichen italienischen Subunternehmer, die unter anderem auf Tessiner Baustellen aktiv sind. Sollten Franken und Euro weiterhin im Verhältnis 1:1 zu einander stehen, dann bestünde die Möglichkeit, dass Subunternehmer Aufträge auch zu niedrigeren Tarifen als den bisherigen annehmen würden, sagte ein Unia-Sprecher. Der Druck auf Schweizer Löhne würde damit steigen und das Tessiner Handwerk in Bedrängnis geraten.

SDA

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