Warum es sich lohnt, wenn möglichst viele Mieter reklamieren

In Zürich fordern die Mieter besonders oft einen tieferen Zins ein. Das zahlt sich aus, wie die Entwicklung der Mietpreise zeigt.

Je mehr Senkungsbegehren eingereicht werden, desto stärker fallen die Preise, sagt der Mieterverband.

Je mehr Senkungsbegehren eingereicht werden, desto stärker fallen die Preise, sagt der Mieterverband.

(Bild: Keystone)

Franziska Kohler@tagesanzeiger

Viele Vermieter werden in Kürze Post von ihren Mietern bekommen. Denn der Referenzzinssatz ist wieder gesunken: von 1,75 auf 1,5 Prozent. Die Mieter können nun darauf hoffen, dass ihr Zins angepasst wird – sofern sie ein Senkungsbegehren abschicken. Der Mieterverband appelliert an seine Mitglieder, das unbedingt zu tun.

Laut dem Mieterverband Zürich hat es nämlich messbare Konsequenzen. «Je grösser die Zahl der im Juni abgeschickten Senkungsbegehren ist, umso stärker wird der Mietpreisindex in den nächsten sechs bis neun Monaten fallen», schreibt der Verband in einer Mitteilung. Das habe die Erfahrung gezeigt, sagt Sprecher Walter Angst. Der Mietpreisindex misst die Entwicklung der Mieten für 1- bis 6-Zimmer-Wohnungen in der Stadt Zürich.

Jeder vierte Mietzins angepasst

Zum letzten Mal gesunken ist der Referenzzinssatz im Juni 2015. Bis im Juni 2016 wurde in der Stadt Zürich laut Angst jeder vierte Mietzins angepasst. In der gesamten Schweiz war es nur jeder Fünfte. Der Unterschied dürfte auch dadurch zustande kommen, dass die Mieter in städtischen Gebieten viel öfter ein Senkungsbegehren abschicken. Das hat laut Angst einen Einfluss auf den Mietpreisindex: «In der Stadt Zürich verläuft die Indexkurve seit der Zinswende im Jahr 2009 flacher als in der gesamten Schweiz.» Allein nach dem Juni 2015 sei der Zürcher Index aufgrund der Zinssenkungen von 101,8 auf 101 Punkte zurückgegangen.

Der Index setzt sich aus den Preisen von neu vermieteten Wohnungen und den Bestandesmieten zusammen. «Bei den Neuvermietungen verzeichnen wir im Durchschnitt nach wie vor ein Preiswachstum», sagt Angst. Der Rückgang des Indexes müsse deshalb mit den gesunkenen Bestandesmieten zusammenhängen. Auch der grosse Anteil gemeinnütziger Vermieter spiele eine Rolle: Sie gaben die letzte Referenzzinssatz-Senkung zu 60 Prozent weiter.

(Klicken zum Vergrössern; Quelle: Mieterverband Zürich)

Der Druck nach unten steigt

Der gesunkene Zinssatz habe den Zürcher Index sicher nach unten gedrückt, bestätigt Robert Weinert von der Immobilienberatungsfirma Wüest Partner. «Ich glaube aber nicht, dass er der einzige Einflussfaktor war.» Denn auch bei den neu vermieten Wohnungen gingen die Preise nun langsam zurück: Per Ende 2016 sind sie seit dem Höchststand 2014 gemäss Zahlen von Wüest Partner um 2,3 Prozent gesunken. Das liege vor allem an den vielen zusätzlichen Wohnungen, die in den letzten Jahren gebaut worden seien.

Wüest Partner rechnet damit, dass die Preise in der Stadt Zürich weiter leicht sinken. Denn während das Bevölkerungswachstum stabil bleibe, sei die Bautätigkeit immer noch sehr hoch. Der nochmals tiefere Referenzzinssatz könnte den Druck nach unten laut Weinert verstärken: «Je mehr Bestandesmieten nun gesenkt werden, desto mehr Mieter werden in ihren Wohnungen bleiben, statt sich eine neue zu suchen. Weil es keinen finanziellen Anreiz für einen Umzug gibt.» Allerdings: Zum neuen Mieterparadies wird Zürich trotz allem nicht. «Im Vergleich zu anderen Städten wie Bern oder Basel ist das Preisniveau hier immer noch sehr hoch», sagt Weinert.

baz.ch/Newsnet

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