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Verunsicherung und Gewinnmitnahmen an den Börsen

Der Schweizer Aktienmarkt ist erneut mit klar tieferen Kursen aus der Sitzung gegangen. Die Kurse haben damit die zweite Woche in Folge nachgegeben. Auch an der Wallstreet fielen die Börsenbarometer.

Die am Donnerstag vergangener Woche eingeleitete Korrektur blieb mit den jüngsten Verlusten nicht nur ein Strohfeuer, sondern hat sich mittlerweile zu einem siebentägigen Abwärtstrend ausgeweitet. Der Swiss Market Index (SMI) verlor am Freitag 0,93 Prozent auf 7947,01 Punkte. Im Wochenvergleich ergab sich ein Minus von 2,7 Prozent. Der breite Swiss Performance Index (SPI) verlor 0,78 Prozent auf 7495,05 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln standen 18 im Minus, 10 im Plus und 2 unverändert.

Insgesamt scheint die Stimmung aber eingetrübt. Begleitet von den Sorgen um ein baldiges Ende der extrem lockeren Geldpolitik der US-Notenbank ist die Nervosität und damit auch die Volatilität an den Märkten gestiegen. Andererseits wird in Marktkreisen auch die Meinung vertreten, dass sich der Markt lediglich eine «gesunde Korrektur» geleistet habe.

Abgaben bei Nestlé, Novartis und Roche

Die grössten Verluste erlitten Adecco (-2,6 Prozent) und Nestlé (-1,9 Prozent). Händler führten die Abgaben in Nestlé auf Umstellungen in den Aktienindizes von MSCI zurück. In diesem Zusammenhang müssten sich indexorientierte Marktteilnehmer bis Handelsende von gut 1 Millionen Titeln trennen, hiess es.

Aber auch Roche (-1,4 Prozent) und Novartis (-0,7 Prozent) belasteten den Gesamtmarkt merklich. Zu Novartis gab es im Tagesverlauf positive Produktenachrichten. So hat der vorberatenden Ausschusses der Europäischen Arzneimittelbehörde das Augenheilmedikament Lucentis für eine weitere Indikation zur Zulassung empfohlen, ebenso gab die Behörde zu Glivec eine positive Empfehlung ab.

Gehaltene Finanzwerte

Roche stehen allerdings trotz der jüngsten Korrektur noch immer gut 30 Prozent über dem Schlussstand von Ende 2012 und Novartis notieren rund 20 Prozent höher als damals.

Klare Abgaben verzeichneten zum Schluss auch SGS (-1,7 Prozent), Syngenta (-1,4 Prozent) oder Transocean (-1,4 Prozent). Besser hielten sich die Finanzwerte, von denen CS (+1,5 Prozent), Julius Bär, Swiss Re (je +0,4 Prozent) und UBS (+0,3 Prozent) im positiven Bereich schlossen. Barclays hat die Einstufung von UBS mit «Overweight» bestätigt und das Kursziel etwas erhöht.

Gewinnmitnahmen an der Wall Street

Die Wallstreet ist am Freitag mit deutlichen Verlusten aus dem Handel gegangen. Viele Anleger wollten kurz vor Handelsschluss ihre Positionen zum Monatsende bereinigen, erklärten Analysten das Minus. «Sie denken sich, warum nicht ein paar Gewinne einstreichen nach der ordentlichen Rally diesen Monat und in diesem Jahr», sagte Joe Saluzzi von Themis Trading.

Den Mai beendeten die US-Aktienmärkte dennoch den siebten Monat in Folge mit Kursgewinnen. Damit widersprachen sie der alten Börsenweisheit «Sell in May and go away» («Verkauf im Mai und verabschiede dich»). Der Mai gilt traditionell als schwacher Börsenmonat. Zuvor hatten sich die Börsianer über weite Strecken des Tages zunächst ein munteres Pingpong-Spiel geliefert. Während die einen Gewinne mitnahmen, gingen andere nach jedem Kursrückgang auf Schnäppchenjagd.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 1,4 Prozent tiefer mit 15'116 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 verlor ebenfalls 1,4 Prozent auf 1630 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq fiel ein Prozent auf 3455 Stellen. Auf Wochensicht betrug das Minus für den Dow 1,2 Prozent, für den S&P 1,1 Prozent und für die Nasdaq 0,1 Prozent. Dagegen rückte der Dow im Monatsvergleich 1,9 Prozent vor, der S&P gewann 2,1 Prozent und die Nasdaq 3,8 Prozent. Der S&P 500 legte zudem mit einem Plus von über 14 Prozent seit Januar den besten Jahresstart seit 1997 hin.

Konsumausgaben gingen zurück

Die Frage, wann die US-Notenbank ihre Konjunkturhilfen zurückfahren wird, sorgt dennoch unter den Investoren für grosse Unsicherheit. Gemischte Konjunkturdaten deuteten darauf hin, dass die Fed den Geldhahn noch eine Weile offen lassen wird: So gingen die Konsumausgaben im April überraschend erstmals seit knapp einem Jahr zurück.

«Die Daten bestätigen, dass die Fed noch weit davon entfernt ist, die Zinsen zur Kontrolle der Inflation erhöhen zu müssen», erklärte Tim Ghriskey von der Solaris Group. Dagegen spricht der Konjunkturindex der Chicagoer Einkaufsmanager, der im Mai unerwartet auf 58,7 Punkte von 49 Zählern im Vormonat kletterte. Damit stieg die Stimmung der US-Verbraucher auf den höchsten Stand seit Juli 2007.

Ideales Marktumfeld

Das Umfeld sei für die Aktien im Grunde ideal, sagte Kristina Hooper, Chef-Portfoliostrategin bei Allianz Global Investors in New York. Die Wirtschaft erhole sich zwar, aber nicht so stark, dass die US-Notenbank Fed die Zügel in ihrer Geldpolitik bald anziehen werde.

Die Fed kauft derzeit Anleihen und Immobilienpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar monatlich, um damit die heimische Konjunktur anzukurbeln. Sie will damit so lange fortfahren, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent von derzeit 7,5 Prozent gefallen ist. In den vergangenen Wochen hatten einige Fed-Vertreter allerdings laut darüber nachgedacht, die Käufe zu drosseln, sollte sich die US-Konjunktur deutlich erholen.

SDA/rub

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