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Trumps zerrüttetes Verhältnis zu den Ökonomen

Rechte und linke Ökonomen sind gewöhnlich im Dauerstreit. Doch der neue US-Präsident sorgt für eine ungewohnte Einigkeit. Selbst Republikaner halten seine Pläne für verfehlt.

Auch der einstige Chefökonom von George W. Bush hält nicht viel von Donald Trumps Plänen: Gregory Mankiw (M.) – 2003 mit Bushs damaligem Finanzminister John Snow (l.) und Arbeitsministerin Elaine Chao (r.).
Auch der einstige Chefökonom von George W. Bush hält nicht viel von Donald Trumps Plänen: Gregory Mankiw (M.) – 2003 mit Bushs damaligem Finanzminister John Snow (l.) und Arbeitsministerin Elaine Chao (r.).

Donald Trump mag Ökonomen nicht. Und sie mögen ihn nicht. Dass jene Stars der Zunft, die für demokratische Präsidenten gearbeitet haben, an den Ideen des neuen Amtsinhabers kaum ein gutes Haar lassen, könnte man allenfalls noch als deren Parteilichkeit abtun. So kritisiert Joseph Stiglitz (einst Chefökonom von Bill Clinton und Nobelpreisträger) oder Larry Summers (Finanzminister unter Clinton und Wirtschaftsberater von Barack Obama) die Pläne von Donald Trump bei jeder Gelegenheit. Dasselbe gilt für links stehende Ökonomen wie Paul Krugman (ebenfalls Nobelpreisträger) oder Bradford DeLong.

Doch altgediente Grössen von republikanischer Seite kommen mit Trump auch nicht klar. Überaus deutlich wird das in einem Beitrag von Gregory Mankiw, einst Chefökonom unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush, in der «New York Times». Mankiw ist hierzulande auch bekannt als Autor des meistverwendeten Lehrbuches zur Einführung in die Volkswirtschaftslehre auf Hochschulstufe. Der Titel seines Beitrags lautete: «Was der Präsident von professionellen Ökonomen lernen kann». Gleich zu Beginn stellt er fest, dass der neue Präsident keine Lust hat («is averse»), mit Ökonomen zu sprechen. Selbst wenn ihm das andere empfehlen. Trump soll sich doch zumindest an sein eigenes ökonomisches Beraterteam wenden, meint Mankiw, jene im sogenannten Council of Economic Advisors. Schliesslich sei er dazu auch per Gesetz verpflichtet, mahnt der republikanische Ökonom. Darauf zählt Mankiw gleich eine Reihe von Punkten auf, bei denen der neue Präsident aus ökonomischer Sicht daneben liegt.

Fehleinschätzung zur Lage der Nation

Der erste betrifft seine Einschätzung zur Lage der US-Wirtschaft. Seine Behauptung, er habe von seinem Vorgänger ein Schlamassel übernommen, sei komplett falsch, schreibt Mankiw. Für frühere Präsidenten hätte das deutlich mehr zugetroffen, so etwa für Barack Obama, der gleich auf dem Höhepunkt der Finanzkrise sein Amt angetreten hat. Die Arbeitslosigkeit ist in den USA sogar aussergewöhnlich tief. Sie weiter durch Nachfragemassnahmen nach unten zu drücken, würde entweder zu einer Inflation führen oder noch wahrscheinlicher zu einem scharfen Anstieg der Leitzinsen durch die US-Notenbank, die per Gesetz einen starken Anstieg der Inflation verhindern muss.

Der zweite Punkt betrifft die Behauptung von Trump, er wolle für ein deutlich höheres Wachstum der US-Wirtschaft sorgen. Mankiw gesteht ein, dass das Wachstum im Vergleich zu früher deutlich geringer sei. Aber das gehe auf Faktoren zurück, an denen der neue Präsident wenig ändern könne. Einer davon ist die Demografie. Die Alterung der Gesellschaft hat zur Folge, dass der Anteil der Beschäftigten in der Volkswirtschaft laufend zurückgeht. Ein weiterer Grund sei ein nur noch geringes Produktivitätswachstum, was sich aber weltweit zeige. Offenbar seien grosse Ideen, die die Produktivität anheizten, heute einfach schwieriger zu finden. Natürlich würden Weiterbildung und Steueranreize sowie eine bessere Regulierung hier helfen, wenn man es richtig mache. Aber man sollte sich hier nicht zu viel erwarten und schon gar nicht auf die Schnelle, schreibt Mankiw.

Den Währungskurs vergessen

Drittens kritisiert Mankiw auch Trumps Einschätzung dazu, warum die Löhne in den USA vor allem für die Mittel- und die Unterschicht (im Unterschied zur Oberschicht) stagnieren. Anders als vom Präsidenten behauptet, gehe das nicht hauptsächlich auf für die USA schlechte Handelsabkommen zurück, sondern vielmehr auf die technologische Entwicklung. Deshalb kann eine Einschränkung des Freihandels die alten Löhne nicht wieder zurückbringen. Schliesslich hat der Versuch, die Importe einzuschränken und die Exporte zu befördern, letztlich eine Aufwertung des Dollar zur Folge, was sich schon im Verhältnis zum mexikanischen Peso gezeigt hat. Doch ein teurerer Dollar schadet der Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft und setzt die Beschäftigung in den USA weiter unter Druck.

Vor allem diesen letzten Punkt betonen auch andere den Republikanern nahestehende Ökonomen, so etwa Kenneth Rogoff. In einem Beitrag für die Plattform Project Syndicate stellt er fest, eine Dollaraufwertung als Folge einer protektionistischen Politik (etwa der Idee einer Steuer, die Importeure bestraft und Exporteure belohnt) würde zu einem massiven Vermögensverlust der Amerikaner auf all ihren ausländischen Guthaben führen. Ausserdem seien auch viele Exporteure auf importierte Vorprodukte angewiesen, die in Dollar bezahlt werden müssen. Die Währungsaufwertung und die höhere Steuer würde laut Rogoff zu einer deutlichen Verteuerung dieser Produkte führen.

Die neue Gemeinsamkeit der Ökonomen

Linke und rechte Ökonomen, Anhänger der Republikaner und jene der Demokraten: Sie schenken sich in der Regel nichts. Die Debatten zwischen diesen Lagern sind oft gehässig. Doch in Bezug auf Donald Trump zeigt die Ökonomenzunft eine ungewohnte Einigkeit. Das ist aus zwei Gründen wenig verwunderlich: weil der Präsident von Ökonomen generell wenig hält und weil seine Vorstellungen und Pläne nicht komplexere und umstrittene ökonomische Fragen betreffen, sondern fundamentale Punkte, die selbst unter den professionellen Ökonomen praktisch unbestritten sind, auch wenn sie sonst ideologisch noch so weit auseinanderliegen. Das zeigen die von Gregory Mankiw beschriebenen Beispiele.

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