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Studie: 30 Prozent der Kunden ziehen Gelder aus der Schweiz ab

Die Steuerabkommen mit anderen Ländern wird die Schweizer Banken hart treffen. Laut einer Studie fliessen wegen solcher Deals 47 Milliarden Franken ab. Die Folge sind Ertragseinbussen von rund 1,1 Milliarden.

30 Prozent der wohlhabenden Kunden werden ihre Gelder aus der Schweiz abziehen: Dunkle Wolken hängen über dem Zürcher Paradeplatz, wo die Hauptgebäude der UBS und der Credit Suisse stehen.
30 Prozent der wohlhabenden Kunden werden ihre Gelder aus der Schweiz abziehen: Dunkle Wolken hängen über dem Zürcher Paradeplatz, wo die Hauptgebäude der UBS und der Credit Suisse stehen.
Keystone

Das Steuerparadies Schweiz verliert durch das geplante Steuerabkommen mit Deutschland drastisch an Reiz. Das dürften die eidgenössischen Banken in den nächsten Jahren schmerzhaft zu spüren bekommen, wie aus einer Studie der Strategieberatungsfirma Booz hervorgeht.

Die Experten rechnen damit, dass bis zu dreissig Prozent der wohlhabenden Kunden ihre in der Schweiz geparkten Schwarzgelder bis Ende 2012 abziehen und anderweitig anlegen werden. Insgesamt sollen Bundesbürger rund 126 Milliarden Franken (103 Milliarden Euro) auf Schweizer Konten vor dem deutschen Fiskus versteckt haben. Zusammen mit den im Steuerabkommen vereinbarten Einmalzahlungen auf Altgelder dürften damit nach Schätzung der Experten rund 36 Milliarden Franken an Vermögen aus der Schweiz abfliessen.

Unter Berücksichtigung eines ähnlichen Abkommens mit Grossbritannien erwarten die Experten sogar Einbussen von bis zu 47 Milliarden Franken. Für die Schweizer Banken habe dies drastische Konsequenzen, denn es bedeute auch einen Ertragsrückgang von rund 1,1 Milliarden Franken, heisst es in der Untersuchung. Ähnliche Steuerabkommen mit anderen westeuropäischen Ländern könnte diese Zahlen sogar verdoppeln.

Die Schweiz hat Zukunft

Doch nicht nur der Abfluss der Schwarzgeld-Milliarden drückt auf die Gewinne. Mit der Entkriminalisierung der angelegten Gelder dürften auch die bislang ungewöhnlich hohen Gewinnspannen der Schweizer Banken unter Druck geraten, heisst es in der Untersuchung. Die Experten rechnen deshalb mit einer beschleunigten Konsolidierung im Schweizer Bankensektor und einem fundamentalen Strukturwandel der eidgenössischen Finanzbranche.

Gewinner könnten ausgerechnet die deutschen Banken sein. Sie hätten dadurch gute Aussichten sich mit spezifischen Geschäftsmodellen in der Schweiz stärker positionieren zu können, glauben die Experten. Deutsche Banken mit Schweizer Niederlassungen könnten ihren Kunden in Zukunft offen die Möglichkeit anbieten, Gelder ausserhalb Deutschlands anzulegen.

Steuerkriminelle bleiben anonym und straffrei

Trotz aller aktuellen Probleme wird die Schweiz nach Einschätzung der Experten auch künftig in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung weltweit eine führende Rolle spielen. Denn sie biete Stabilität, Unabhängigkeit, ein zuverlässiges Rechtssystem und guten Service.

Das Abkommen sieht vor, dass deutsches Schwarzgeld in der Schweiz rückwirkend pauschal mit bis zu 34 Prozent besteuert wird. Auf Kapitalerträge soll eine Abgeltungsteuer fällig werden. Das Schweizer Bankgeheimnis bleibt jedoch erhalten. Vor allem die SPD lehnt das Abkommen ab und will es im Bundesrat blockieren. Nach ihrer Ansicht läuft es darauf hinaus, dass Steuerkriminelle straffrei und anonym bleiben können.

dapd/wid

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