Zum Hauptinhalt springen

Standard & Poor's stuft auch Spanien herab

Die Krise der Eurozone hat sich massiv verschärft. Nach Griechenland und Portugal stufte die Ratingagentur Standard & Poor's auch Spanien herab. Die Börsen gingen auf Talfahrt.

Spanien schwächelt: Werbeplakat in Form eines Stiers in Nordspanien.
Spanien schwächelt: Werbeplakat in Form eines Stiers in Nordspanien.
Reuters

Die Finanzbewerter senkten die Bewertung der spanischen Staatsanleihen um eine Note von «AA+» auf «AA». Eine weitere Herabstufung Spaniens sei möglich, hiess es bei Standard & Poor's. Der negative Ausblick spiegle, dass sich die Haushaltslage aufgrund des länger andauernden schwachen Wachstums im Land schlechter als erwartet entwickle. «Wir erwarten eine längere Periode langsamen Wachstums als wir bis anhin angenommen hatten», erklärte S&P-Analyst Marko Mrsnik. Er prognostiziert Spanien bis 2016 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von nur noch 0,7 Prozent nachdem er zuvor noch 1 Prozent erwartet hatte.

Damit wächst die Angst vor einem Dominoeffekt, der auch noch andere schwächelnde Mitglieder der Eurozone in Schwierigkeiten bringen könnte. Bundeskanzlerin Angela Merkel versicherte, dass Deutschland seinen Verpflichtungen für die Stabilität des Euro-Raumes nachkomme.

Börsen auf Talfahrt

Der Euro gab binnen Sekunden nach Bekanntwerden der Nachricht deutlich nach, die Aktienmärkte gingen auf Talfahrt, nachdem sie sich zuvor am Nachmittag nach dem morgendlichen Schock noch erholt hatten. Die Börse in Madrid schloss nach der Mitteilung von Standard & Poor's mit 2,99 Prozent im Minus. Der Deutsche Aktienindex Dax schloss mit einem Minus von 1,22 Prozent bei 6084 Punkten.

Auch der Schweizer Aktienmarkt hat mit erheblichen Verlusten geschlossen. Mit der Schlussauktion sackten die Notierungen markant ab. Dominantes Thema im Tageshandel waren noch die Schuldenprobleme Griechenlands und Portugals, die bereits am Vortag von S&P zurückgestuft worden waren. Die Ausweitung der Schuldenproblematik in Südeuropa könnte nicht nur zu Abschreibungen bei involvierten Finanzinstituten führen, sondern auch die konjunkturelle Erholung in der Eurozone bremsen, hiess es im Handel.

Der SMI schloss 1,37 Prozent tiefer auf 6576,39 Punkten. Der breite Swiss Performance Index (SPI) büsste 1,44 Prozent auf 5828,57 Zähler ein.

Finanzwerte unter Druck

Beim Schlussgong standen UBS 1,4 Prozent im Minus und Credit Suisse büssten 0,7 Prozent ein. Die Versicherer vermochten sich dem Sog nach unten nicht zu entziehen, allen voran Swiss Re büssten 3,0 Prozent ein. Die im Golf von Mexiko gesunkene Bohrinsel schüre die Befürchtung einer hohen Schadensbelastung, hiess es im Handel.

Demgegenüber weise der Rückversicherer im Vergleich mit Mitbewerbern nur geringfügige Engagements in griechischen Staatsanleihen auf, sagten Analysten. ZFS gingen um 1,4 Prozent zurück.

Gestützt wurde der Aktienmarkt auch von den Avancen in den defensiven Pharmawerten von Novartis (+0,1 Prozent). Roche sanken hingegen um 0,7 Prozent und in Nestlé (-2,2 Prozent) wurden in grösserem Stil Gewinnmitnahmen realisiert.

Wichtiges Signal

Nach dem hoch verschuldeten Griechenland gilt Spanien neben Portugal schon einige Zeit als weiterer finanzpolitischer Wackelkandidat der Euro-Zone.

Gestern hatte die Ratingagentur bereits die Kreditwürdigkeit von Griechenland und Spanien herabgestuft und damit besonders die finanzpolitischen Handlungsmöglichkeiten der Regierung in Athen weiter eingeschränkt.

Wie andere Wertpapiere werden auch Staatsanleihen von den Ratingagenturen bewertet. Ihre Empfehlungen sind ein wichtiges Signal für die Kreditwürdigkeit eines Landes. Bei unsoliden Finanzen verlangen die Märkte von den Staaten höhere Zinsen für die Kredite - sozusagen als Preis für das erhöhte Ausfallrisiko. Das Schuldenmachen ist für den betroffenen Staat dann teurer.

AFP/ddp/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch