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Spanische Anleihen steigen auf Jahreshöchststand

Die Stimmung um Spanien verdüstert sich: Die Staatsanleihen stiegen heute auf den höchsten Stand seit letztem November. Den Geldinstituten des Landes weiterhin ein Kollaps. Sie müssen weitere Reserven bilden.

An den Anleihemärkten der Euro-Krisenländer Spanien und Italien hat sich die Stimmung zur Wochenmitte deutlich eingetrübt. In der viertgrössten Euro-Wirtschaft Spanien stieg die Rendite für zehnjährige Staatspapiere am Mittwoch erstmals seit Mitte April wieder über 6 Prozent. Unter Druck standen auch italienische Staatstitel. (Siehe Info-Box)

Als ausschlaggebend gilt zum einen die politisch vertrackte Lage beim grössten Sorgenkind Griechenland und die zusehends unter Druck stehenden Banken Spaniens. So wird es immer wahrscheinlicher, dass der spanische Staat dem Bankensektor, der immer stärker unter der 2008 geplatzten Immobilienblase leidet, unter die Arme greifen muss.

In Spanien stieg die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen im Vormittagshandel auf bis zu 6,02 Prozent. Das ist der höchste Stand seit Ende November 2011 – also noch bevor die Europäische Zentralbank (EZB) die Lage mit zwei gewaltigen Geldspritzen sichtlich beruhigen konnte. Noch stärker standen in Spanien kurz laufende Staatstitel unter Druck.

Banken müssen weitere Milliarden-Vorsorge treffen

Zur Sanierung des spanischen Finanzsektors verordnet die Regierung eine bittere Medizin: Weitere 35 Milliarden Euro sollen die heimischen Banken beiseitelegen, um sich gegen Ausfälle von Immobilien-Krediten zu wappnen. Ziel ist es, die Geldhäuser krisenfest zu machen für den Fall einer noch tieferen Rezession. Dann nämlich könnten auch bislang unproblematische Darlehen die Bilanzen vergiften, wie es am Mittwoch aus Finanzkreisen hiess.

Die neuen Auflagen sind Teil eines mit grosser Spannung erwarteten Gesamtpakets zur Stabilisierung der Bankenbranche, das auf der wöchentlichen Kabinettssitzung am Freitag beschlossen werden soll. Dazu dürften nun doch auch neue Milliarden-Hilfen gehören. Nachdem der Staat bereits 18 Milliarden Euro in den Sektor gesteckt hat, schloss die konservative Regierung monatelang weitere Geldspritzen aus.

Aber Ministerpräsident Mariano Rajoy signalisierte am Montag, dass er im äussersten Notfall wieder zu diesem Mittel greifen werde. Es wird erwartet, dass bis zu zehn Milliarden Euro in den schwer angeschlagenen Sparkassen-Konzern Bankia gepumpt werden. Denn auf internationale Unterstützung will die Regierung in Madrid tunlichst verzichten, um ihre Kreditwürdigkeit zu behalten.

Hohe Altlasten und offene Fragen

Die neuen Rückstellungsauflagen bedeuten für die Institute zusätzliche Bürden. Die Regierung hat sie bereits zu Abschreibungen auf faule Immobilienkredite in Höhe von 54 Milliarden Euro gezwungen. Nun sollen sie sich auch für künftig drohende Ausfälle rüsten. Wie es in den Finanzkreisen am Dienstag hiess, sollen die Rückstellungen nun einen deutlich höheren Anteil am Volumen der Immobilienkredite abdecken als bisher.

In ihren Büchern haben die spanischen Banken Darlehen an Wohnungs- und Hausbauer in Höhe von insgesamt 298 Milliarden Euro stehen, das entspricht etwa 30 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Die Hälfte dieser Kredite ist bereits im Verzug, und bei einer weiteren Verschärfung der Wirtschaftskrise drohen noch mehr Ausfälle. Analystenschätzungen zufolge könnte der zusätzliche Rückstellungsbedarf sogar auf bis zu 100 Milliarden Euro steigen.

SDA/mrs

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