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SNB im Entspannungsmodus

Die jüngste geldpolitische Einschätzung der Nationalbank zeigt, dass sie gegenwärtig unter deutlich weniger Druck steht als auch schon. Für eine Entwarnung ist es dennoch zu früh.

Kann sich zwischenzeitlich etwas entspannen: Das Präsidium der Schweizerischen Nationalbank mit Fritz Zurbrügg (l), Präsident Thomas Jordan (M) und Andréa Maechler (r).
Kann sich zwischenzeitlich etwas entspannen: Das Präsidium der Schweizerischen Nationalbank mit Fritz Zurbrügg (l), Präsident Thomas Jordan (M) und Andréa Maechler (r).
Keystone

Das Präsidium der Schweizerischen Nationalbank kann vorderhand etwas durchatmen. Anders als in den letzten Jahren steht es momentan nicht unter einem grossen Druck. Diese Botschaft lässt sich aus der heute Morgen publizierten geldpolitischen Einschätzung lesen.

Wie nicht anders erwartet, hat sie die Zinsen selbst unverändert belassen. Der Einlagesatz für die Banken auf SNB-Konten (ab einer gewissen Schwelle) bleibt bei weltweit rekordtiefen –0,75 Prozent, das Zielband für den Leitzins (3-Monats-Libor) bei –1,25 bis –0,25 Prozent. Faktisch befindet auch er sich bei –0,75 Prozent, was ebenfalls ein weltweiter Tiefenrekord darstellt.

Druck auf die Nationalbank zu einer weiteren Senkung der Sätze noch tiefer in den negativen Bereich würde entstehen, wenn auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Negativzins von gegenwärtig –0,4 Prozent für Einlagen der Banken auf ihren Konten weiter senken würde. Denn dann würde der Zinsabstand zu Europa verkleinert, was Anlagen in Franken attraktiver machen würde. Eine stärkere Nachfrage nach Franken würde aber zu einem erneuten Aufwertungsdruck der Schweizer Währung führen.

Vorerst Ruhe von der EZB

Doch eine weitere Zinssenkung durch die EZB ist weitgehend ausgeschlossen. Die öffentliche Kritik an den Negativzinsen ist auch in Europa sehr stark, vor allem in Deutschland. Aber auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Notenbank vor einem solchen Schritt gewarnt, weil das gefährliche Konsequenzen für den darunter schon jetzt leidenden Finanzsektor haben könnte. Wahrscheinlicher ist dagegen, dass die EZB ihr Aufkaufprogramm von Anleihen ausweitet oder verlängert. Aber selbst hier hat sich die Notenbank entgegen den Erwartungen auf den Kapitalmärkten bisher zurückgehalten.

Entlastet werden dürfte die Nationalbank auch durch die andere grosse Zentralbank der Welt, die US-Notenbank Fed. Auch wenn die Frage noch immer heiss diskutiert wird, wann denn nun das Fed die Zinsen weiter erhöht, so ist ein solcher Schritt früher oder später ziemlich sicher.

Zwar schreibt die SNB in ihrer heutigen Mitteilung wie in allen bisherigen, der Franken sei nach wie vor deutlich überbewertet. Tatsächlich muss ihr aber auch das gegenwärtig weniger Sorgen bereiten als auch schon. Die Schweizer Wirtschaft wächst trotzdem stärker als erwartet. Für das Gesamtjahr geht die Nationalbank von einem Zuwachs um 1,5 Prozent aus. So sieht keine Krise aus. Ausserdem bewegt sich der Preis des Euro in jüngster Zeit relativ stabil über der Marke von 1.09 Franken.

Geringerer Druck am Immobilienmarkt

Selbst zum Immobilienmarkt geben sich die Schweizer Notenbanker relativ gelassen und sprechen von einer leichten Abschwächung des Preisanstiegs. Auch das Wachstum der Hypothekarkredite sei im Vergleich zum Vorquartal praktisch unverändert geblieben.

Die momentane Ruhe für die SNB bedeutet aber keineswegs, dass ihre Probleme gelöst sind und keine Risiken mehr bestehen. Einen Hinweis darauf liefert allein ihre aktuelle Inflationsprognose, die erneut gefallen ist. Noch im laufenden Jahr rechnet die SNB mit einem Preisniveaurückgang von 0,4 Prozent. Selbst wenn die Geldpolitik so expansiv wie jetzt bleibt, soll sie sich selbst 2018 erst auf 0,9 Prozent belaufen und damit noch immer deutlich unter ihren eigenen Zielwert von 2 Prozent zu liegen kommen, der faktisch einer Preisstabilität entspricht.

Dazu kommt, dass vor allem von der internationalen Entwicklung her noch immer Risiken drohen. Die Entwicklung der Weltwirtschaft verläuft noch immer schwach. Selbst die SNB schreibt hier von «erheblichen» Risiken. Sollte sich vor allem in Europa die Lage nicht verbessern und etwa die EZB in ihrer Geldpolitik doch noch deutlich weitergehen, dann hat die Nationalbank dem nicht viel entgegenzuhalten, ohne grosse Risiken einzugehen – wie etwa eine Senkung der Zinssätze noch tiefer in den negativen Bereich.

Und selbst im Fall einer (momentan unwahrscheinlichen) nachhaltigen Normalisierung wäre die Notenbank gefordert. Denn wie Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg bereits im Sommer festhielt, würde ein dann selbst immer möglicher starker Zinsanstieg Banken und Immobilienkäufer deutlich unter Druck setzen. Auch deshalb hält die SNB in ihrer heutigen Mitteilung wie bisher fest, dass sie die Entwicklungen auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt weiterhin aufmerksam beobachte und regelmässig prüfe, ob der antizyklische Kapitalpuffer (für Banken) weiter angepasst (also angehoben) werden müsse. Damit gerechnet werden muss aber zumindest vorerst nicht.

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