Exporte schieben die Schweizer Wirtschaft an

Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal unerwartet stark gewachsen. Vor allem die Industrie befindet sich auf der Überholspur.

Den bedeutendsten Wachstumsimpuls steuerte die Industrie bei: Ein Arbeiter bei der Fertigung einer Kaffeemaschine in einer Metallwarenfabrik im Kanton Glarus. (Archivbild) Bild: Alessandro della Valle/Keystone

Den bedeutendsten Wachstumsimpuls steuerte die Industrie bei: Ein Arbeiter bei der Fertigung einer Kaffeemaschine in einer Metallwarenfabrik im Kanton Glarus. (Archivbild) Bild: Alessandro della Valle/Keystone

Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg gegenüber dem Vorquartal um 0,7 Prozent, gegenüber dem Vorjahr waren es gar plus 3,4 Prozent. Die vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnerstag vorgelegten Zahlen lagen über den Erwartungen von Ökonomen.

Das BIP habe damit das fünfte Quartal in Folge überdurchschnittlich expandiert und die Schweiz sei erneut stärker gewachsen als der Euroraum, resümierte das Seco. Allerdings hat die Dynamik im bisherigen Jahresverlauf etwas nachgelassen. Denn für das erste Quartal wurde die Wachstumsrate auf 1,0 Prozent von bisher 0,6 Prozent nach oben revidiert.

Rückenwind von Fussball-WM

Nach Ansicht von Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco, ist die Schweizer Wirtschaft damit aber nicht in eine Bremsphase eingetreten. «Wir sprechen vielmehr von einer nachlassenden Dynamik auf einem sehr hohen Niveau», sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Das sei ein normaler Effekt.

Bereinigt um die in diesem Jahr durchgeführte Fussball-WM wäre die Schweizer Wirtschaft übrigens nur um 0,5 Prozent gewachsen, sagte Scheidegger. Die Schweiz beheimatet den Weltfussballverband Fifa sowie das Internationale Olympische Komitee, wobei die Wertschöpfung aus internationalen Sportgrossanlässen in die BIP-Berechnung mit einfliesst.

Der jüngsten Abschwächungstendenz zum Trotz fühlt sich Scheidegger mit seiner jüngsten BIP-Schätzung von 2,4 Prozent für das Jahr 2018 wohl. «Das ist ein sehr realistischer Wert», sagte er zu AWP.

Auslandnachfrage stützt Industrie

Vor allem die Schweizer Industrie befand sich im zweiten Quartal 2018 auf der Überholspur. Der Sektor expandierte um 1,5 Prozent und knüpfte an die positive Entwicklung der vergangenen Quartale an. Scheidegger sprach von einem «eindrücklichen» Wachstum. Der Industriesektor habe jetzt damit wohl seinen Zenit erreicht, fügte der Seco-Direktor an.

Gestützt wurde die Industrie gemäss Seco von der robusten Auslandsnachfrage und einem günstigen Wechselkurs. Entsprechend wuchsen die Warenexporte nach zwei schwächeren Quartalen wieder um deutliche 2,6 Prozent. «Vom internationalen Handelsdisput sind bislang kaum Auswirkungen zu spüren», stellte das Seco denn auch fest.

Verhaltene Konsumentenstimmung

Der private Konsum wuchs auf der anderen Seite um lediglich 0,3 Prozent. «Der Konsum war in der Tat nicht besonders beeindruckend», erklärte Scheidegger. Dieser erklärt sich die verhaltene Konsumentenstimmung mit der bescheidenen Nominallohnentwicklung bei einer gleichzeitig anziehenden Teuerung. Die als Ergebnis nur sehr verhalten steigenden Reallöhne würden nicht zu grösseren Anschaffungen verleiten.

Risiken vorhanden

Der Blick nach vorne war für die Seco-Ökonomen auch schon einfacher. Ein ganzes Potpourri an Risikofaktoren erschwert die BIP-Prognosen für die Zeit nach 2018: Die weitere Verlauf der bisher sehr günstigen internationalen Konjunktur, die Handelsstreitigkeiten, Anspannungen in der Eurozone und die laufende Normalisierung der Geldpolitik durch die US-Notenbank. «Es sind einige Risiken vorhanden», fasste Seco-Chef Scheidegger zusammen.

Aktuell prognostiziert das Seco für 2019 mit einem BIP-Wachstum von 2,0 eine etwas weniger grosse Dynamik. Die nächste Revision ihrer Schätzungen werden die Ökonomen des Bundes in knapp zwei Wochen vornehmen.

oli/sda

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