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Schweizer Rüstungsindustrie schwächelt

Nach Rekorden in den letzten Jahren sind die Waffen- und Munitionsverkäufe der Rüstungsfirmen um 12 Prozent zurückgegangen. Das grösste Geschäft des Jahres würde heute nicht mehr bewilligt.

Ausfuhrverbote liessen die Rüstungsverkäufe einbrechen: Ein Mitarbeiter der Pilatus Werke in Stans setzt einen Schubhebel zusammen.
Ausfuhrverbote liessen die Rüstungsverkäufe einbrechen: Ein Mitarbeiter der Pilatus Werke in Stans setzt einen Schubhebel zusammen.
Keystone

Im vergangenen Jahr wurden Kriegsgeräte im Wert von 640,5 Millionen Franken ins Ausland verkauft, wie aus der Statistik der Kriegsmaterialexporte hervorgeht, die das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) heute veröffentlichte. Mit Exporten im Umfang von rund 728 Millionen Franken hatte die Schweiz 2009 noch einen Höchststand erreicht.

Ein einzelner Grund für den Rückgang sei nicht auszumachen, sagte Simon Plüss, der beim Seco für Exportkontrolle und Kriegsmaterial zuständig ist, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Eine Rolle habe gespielt, dass in den letzten Jahren grosse Einzelaufträge die Exporte hätten anschwellen lassen.

Möglicherweise habe die Rezession nun auch die Rüstungsbranche erfasst, die wegen der langwierigen Geschäfte eher langsam reagiere, sagte er. Auch die Frankenstärke oder die seit 2009 gültigen Ausfuhrverbote für Saudiarabien, Pakistan und Ägypten hätten sich vielleicht ausgewirkt.

Weitere Lieferungen nach Saudiarabien

Trotz dem Ausfuhrverbot ging das grösste Einzelgeschäft nach Saudiarabien. Es handelt sich um eine Teillieferung von Fliegerabwehrsystemen im Wert von 132,6 Millionen Franken. Das Geschäft wurde bereits 2006 bewilligt, heute wäre es nicht mehr zulässig. Der grösste Teil des Fliegerabwehrsystems sei nun geliefert worden, sagte Plüss. In den nächsten Jahren dürften die Kriegsmaterialausfuhren nach Saudiarabien deshalb deutlich abnehmen.

Auch die Waffenexporte nach Pakistan, für das neue Ausfuhren ebenfalls nicht mehr bewilligt werden, betrug 14 Millionen Franken. Dabei handelt es sich vor allem um Munition und Ersatzteile für Waffen, die vor dem Ausfuhrverbot geliefert wurden. 2009 waren die Exporte nach Pakistan auf 1,5 Millionen Franken gesunken. Pakistan war einst einer der Hauptkunden von Schweizer Rüstungsmaterial.

Spitzenreiter Deutschland

Grösster Abnehmer von Schweizer Kriegsmaterial war wie in den letzten Jahren Deutschland. Ins Nachbarland wurden Rüstungsgüter im Wert von 134,3 Millionen Franken verkauft, leicht weniger als im Vorjahr (138,2 Millionen Franken). Dazu gehört die Lieferung von gepanzerten Radfahrzeugen für 86,1 Millionen Franken.

Auf den weiteren Plätzen folgen Saudiarabien, Grossbritannien (51,1 Millionen Fr.), Belgien (44,8 Millionen Fr.) und Spanien (32,6 Millionen Franken). Europäische Länder waren Abnehmer von 61,5 Prozent der Exporte, während 29,2 Prozent nach Asien gingen.

Hauptsächlich Munition

Am meisten exportierten die Rüstungsfirmen Munition und Munitionsbestandteile: Mit einem Wert von 202,2 Millionen Franken machten sie fast einen Drittel aller Ausfuhren aus. Rund 161 Millionen Franken entfielen auf gepanzerte Landfahrzeuge sowie 113 Millionen Franken auf Waffen.

Das Seco behandelte 2010 insgesamt 2363 Gesuche. Davon lehnte es sechs ab. Sie betrafen Geschäfte mit vier asiatischen, einem afrikanischen und einem osteuropäischen Land. Es ging dabei vor allem um Kleinwaffen und leichte Waffen sowie deren Munition.

Die Zahl der Gesuche nahm im Vergleich zum Vorjahr ab. Damals waren es 2504, von denen 11 abgelehnt wurden. Die bewilligten Gesuche haben einen Wert von 1,5 Milliarden Franken. Nicht alle Gesuche führen im gleichen Jahr zu Geschäften.

SDA/pbe

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