Schuldenkrise weitet sich aus

Die Staatsdefizite in den 27 EU-Staaten würden 2010 auf den Rekordstand von 7,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen, hiess es in Brüssel. Die Börsen gingen erneut auf Talfahrt.

Was muss der Euro noch alles durchstehen? Am EZB-Sitz in Frankfurt beobachtet man die Lage ganz genau.

Was muss der Euro noch alles durchstehen? Am EZB-Sitz in Frankfurt beobachtet man die Lage ganz genau.

(Bild: Keystone)

Dieser Wert wurde von der EU-Kommission mit der neuen Frühjahrs-Konjunkturprognose publiziert. Es sind gut vier Prozentpunkte über dem EU-Höchstwert von drei Prozent. In den Euro-Ländern wächst das Defizit demnach auf durchschnittlich 6,6 Prozent. Zugleich steigt auch die Gesamtverschuldung deutlich an.

Im kommenden Jahr werde die Neuverschuldung in der Euro-Zone nur wenig sinken und zwar auf 6,1 Prozent des BIP und bleibt damit doppelt so hoch wie nach dem Stabilitätspakt erlaubt. Der Schuldenstand soll 2011 auf 88,5 Prozent klettern und wird sich damit weiter vom Referenzwert 60 Prozent entfernen.

Die Aktienmärkte gingen am Mittwoch erneut auf Talfahrt. Wieder traf es die Bank-Aktien am härtesten. UBS und CS lagen zwischen zwei und drei Prozent im Minus. Dies, nachdem sie schon gestern massiv verloren hatten.

Langsame Konjunkturerholung

Schnelle Stütze kommt auch nicht von der Wirtschaft. Die Konjunktur in Europa erhole sich nur langsam von der schwersten Rezession ihrer Geschichte. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) in der Euro-Zone wird laut der EU-Kommission in diesem Jahr um 0,9 Prozent und 2011 um 1,5 Prozent zulegen.

Der erwartete Zuwachs in der Europäischen Union mit ihren 27 Mitgliedstaaten liegt kaum höher. Im vergangenen Jahr war das BIP in der Euro-Zone und in der EU um jeweils rund vier Prozent geschrumpft - das war das stärkste Minus in der Geschichte der Währungsunion.

Die staatlichen Konjunkturpakete hätten die Rezession gestoppt, erklärte die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. «Nach den ersten Wiederbelebungsanzeichen geht die Erholung jedoch sehr viel langsamer voran als bei früheren Aufschwüngen.»

Dies sei nach dem massiven Einbruch aber auch nicht verwunderlich. «Wir müssen nun dafür sorgen, dass das Wachstum nicht durch Risiken im Zusammenhang mit der Finanzstabilität beeinträchtigt wird», sagte Währungskommissar Olli Rehn. Die neueste Prognose fiel einen Viertel Prozentpunkt besser aus als die Herbstprognose, da die Weltwirtschaft sich bereits kräftiger erholt.

BIP sinkt weiter in Griechenland

Das von einer schweren Schuldenkrise geplagte Griechenland ist das einzige Euro-Land, in dem die Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr noch immer sinkt. Nach einem Minus von drei Prozent in diesem Jahr geht die Kommission von einem BIP-Rückgang um 0,5 Prozent 2011 aus.

Die Inflationsrate bleibt angesichts der schleppenden Erholung nach der Prognose mit rund anderthalb Prozent 2010 und 2011 unter der Toleranzschwelle der Europäischen Zentralbank für Preisstabilität.

cpm/sda

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