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Märkte misstrauen der spanischen Schrumpfkur

Das Euro-Sorgenkind Spanien kündigt Sparrunde um Sparrunde an. Dennoch trauen die Anleger Madrid nicht über den Weg – oder genau deswegen?

ami
Angespannte Stimmung: Premierminister Mariano Rajoy verweigerte nach einer Parlamentssitzung jeglichen Kommentar zu den in die Höhe geschnellten Zinsen auf Spaniens Staatsanleihen. (10. April 2012)
Angespannte Stimmung: Premierminister Mariano Rajoy verweigerte nach einer Parlamentssitzung jeglichen Kommentar zu den in die Höhe geschnellten Zinsen auf Spaniens Staatsanleihen. (10. April 2012)
Keystone
Mehr als Spanien müssen nur Griechenland und Portugal für frisches Geld bezahlen: Zwei Händler diskutieren in der Börse von Madrid vor einem Bildschirm, der den Abwärtskurs zeigt. (10. April 2012)
Mehr als Spanien müssen nur Griechenland und Portugal für frisches Geld bezahlen: Zwei Händler diskutieren in der Börse von Madrid vor einem Bildschirm, der den Abwärtskurs zeigt. (10. April 2012)
Reuters
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Nach einem freundlichen Frühlingsbeginn ziehen an den globalen Aktienmärkten wieder dunkle Wolken auf. Die Wallstreet schloss gestern deutlich im Minus, der Dow Jones verlor 1,7 Prozent. Auch die Schweizer Börse erwischte gestern einen rabenschwarzen Start in die kurze Woche: Der SMI büsste 1,66 Prozent ein und schloss auf dem Tagestief. Auch der Swiss Performance Index (SPI) verlor 1,66 Prozent.

Analysten machten unter anderem die enttäuschende Entwicklung im US-Arbeitsmarkt für den Kurssturz verantwortlich. Doch es sind vor allem die wieder aufkeimenden Ängste um die Euro-Sorgenkinder, die die Stimmung der Anleger trüben. Diese fürchten, dass sich auch Spanien – immerhin die viertgrösste Euro-Volkswirtschaft – schon bald unter den Rettungsschirm flüchten muss.

Niemand glaubt daran

Erst am Ostermontag hatte die Regierung in Madrid angekündigt, die Staatsausgaben um weitere 10 Milliarden Euro kürzen zu wollen. Vor wenigen Wochen hatte Premierminister Rajoy sein Budget für 2012 vorgestellt, das bereits Einsparungen in der Höhe von 27 Milliarden Euro vorsieht. Zudem betonen spanische Offizielle bei jeder Gelegenheit – im Chor mit Stimmen aus Brüssel –, das Land werde unter keinen Umständen zu einem Fall für den Rettungsschirm werden.

So richtig mag daran aber niemand glauben. Das Misstrauen spiegelt sich darin, wie viel Madrid für neues Geld an den Märkten bezahlen muss. Die Zinsen für zehnjährige spanische Staatsanleihen kletterten gestern über 6 Prozent – der höchste Wert, seit die Europäische Zentralbank um die Jahreswechsel die Märkte mit billigem Geld flutete. Derzeit liegt der Wert wieder knapp darunter – mehr als Spanien müssen nur noch Griechenland und Portugal für frisches Geld bezahlen.

Auch Italien muss neues Kapital wieder zu höheren Zinsen aufnehmen: 5,68 Prozent betrug der Satz gestern. «Es herrscht grosse Nervosität betreffend Spanien und Italien und darüber, ob die beiden Länder ihre Budgetziele erreichen und ihre stagnierenden Wirtschaften ankurbeln können. Es kann sein, dass Spanien am Ende EU-Hilfe benötigt», fasst ein Analyst des Vermögensverwalters Barings gegenüber der «Financial Times» zusammen.

Fatales Sparen in Spanien

Es sind gerade die drastischen Sparmassnahmen, die Ökonomen und Analysten an Spanien zweifeln lassen. Denn so nötig Reformen und Budgetkürzungen sind – zuallererst würgen sie die Kaufkraft und den Binnenmarkt ab.

Im Fall von Spanien ist das fatal: Die Exporte wachsen zwar beständig, zuletzt um 9,5 Prozent. Sie tragen derzeit aber gerade einmal 1,1 Prozent zum BIP bei (zum Vergleich: Die Schweiz generiert 35 Prozent ihres BIP mit Exporten). Für Spanien gilt deshalb: «Drastisches Sparen und eine rasche wirtschaftliche Erholung sind wirklich nicht kompatibel», wie ein Ökonom aus Barcelona der «Financial Times» sagt.

«Es geht nicht auf»

Ein Vermögensberater der US-Grossbank J. P. Morgan sagt gegenüber dem «Wall Street Journal», die Leute würden jetzt damit beginnen, die Fundamentaldaten zu betrachten und einfache Rechnungen anzustellen. Das Resultat, so der Banker, sei eindeutig: «Es geht nicht auf.»

Madrids Notenbankchef warnt bereits davor, Spaniens Banken könnten in Kapitalnot geraten: «Sollte sich die Lage stärker als erwartet verschlechtern, werden wir mehr Kapital zur Verfügung stellen müssen», zitiert ihn die Agentur Reuters. In derselben Meldung kommt ein Investment Manager zu Wort: «Ich denke, spanische Banken werden uns Investoren in Zukunft viel höhere Zinsen bezahlen müssen, um Kapital aufzunehmen», sagt er. «Ich weiss nicht, wie die das schaffen wollen, wenn erst einmal die EZB-Kredite (von Ende 2011, Anm. d. Red.) fällig sind.»

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