Zum Hauptinhalt springen

Luxemburg und Slowenien wehren sich

Kaum war Zypern gerettet, gerieten weitere kleine Länder mit grossen Finanzsektoren in die Kritik. Das lassen die nicht auf sich sitzen. Dabei tadelt der ehemalige Eurogruppenchef Juncker auch seinen Nachfolger.

«Andere Finanzplätze in Europa kennen diese Probleme nicht»: Der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (r.) und der neue Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem. (21. Januar 2013)
«Andere Finanzplätze in Europa kennen diese Probleme nicht»: Der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (r.) und der neue Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem. (21. Januar 2013)
AFP

Die Finanzplätze in Luxemburg, Slowenien und Malta sollten ähnlich zurechtgestutzt werden wie der Zypriotische, forderten Kritiker in den letzten Tagen. Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker hat sich nun aber jeglichen Vergleich zwischen Zypern und Luxemburg verbeten. «Es gibt keine Parallelen zwischen Zypern und Luxemburg, und wir lassen uns auch keine Parallelen aufzwingen», sagte Juncker am Mittwochabend im ZDF.

Der Finanzplatz Luxemburg sei völlig anders aufgestellt als der Finanzplatz Zypern, Luxemburgs Banken hätten zudem eine wesentlich höhere Eigenkapitalquote als die zypriotischen.

Ärger über Nachfolger

Verärgert reagierte der frühere Vorsitzende der Eurogruppe auf Äusserungen seines Nachfolgers Jeroen Dijsselbloem. «Es stört mich, wenn man so tut, als ob die Art und Weise, wie das Zypern-Problem zu lösen versucht wurde, als Blaupause für zukünftige Rettungspläne gilt», sagte Juncker im «heute-journal» des ZDF. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, «dass Spareinlagen in Europa nicht sicher wären».

Zypern sei ein Sonderfall, sagte Juncker. Die dortigen Probleme und Herausforderungen seien riesengross, «andere Finanzplätze in Europa und andere Länder kennen diese Probleme nicht».

Slowenien nicht der nächste Kandidat sein

Das Euro-Land Slowenien sieht sich nicht als nächsten Krisenkandidaten. «Slowenien ist in der Lage, die Dinge in Ordnung zu bringen. Panik ist nicht notwendig», sagte Regierungschefin Alenka Bratusek am Mittwoch im Parlament in Ljubljana. Die Sanierung des maroden Bankensektors stehe ganz oben auf der Prioritätenliste ihrer Regierung, die vor zehn Tagen ihr Amt angetreten hatte.

An den Finanzmärkte wächst jedoch die Skepsis. Die Renditen für slowenische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit sprangen am Mittwochvormittag auf 6,74 Prozent, wie die Nachrichtenagentur STA berichtete. Damit hatten diese Papiere allein seit Montag um 1,5 Prozentpunkte zugelegt. 2012 waren die Zehnjahres-Anleihen kurzfristig auf über 7 Prozent gestiegen, dann aber auf unter 5 Prozent zurückgegangen.

«Nicht mit Zypern vergleichbar»

Analysten der deutschen Commerzbank gaben am Mittwoch jedoch Entwarnung: «Die Probleme in Slowenien sind nicht vergleichbar mit jenen in Griechenland oder Zypern.» Das Bankensystem sei mit einer Bilanzsumme von 140 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) deutlich kleiner als in Zypern, wo dieser Wert 700 Prozent ausmache.

Die Staatsschuldenquote Zyperns werde von geschätzten knapp 87 Prozent des BIP Ende 2012 auf 150 Prozent steigen. Demgegenüber betrug die Schuldenlast Sloweniens Ende vergangenen Jahres 54 Prozent, wie Regierungschefin Bratusek am Mittwoch im Parlament sagte.

Viele faule Kredite

Experten des Internationalen Währungsfonds hatten kürzlich Slowenien besucht. Sie bezifferten die faulen Kredite der Banken auf rund 20 Prozent des BIP. Das sind mehr als sieben Milliarden Euro.

Den Rekapitalisierungsbedarf der Banken schätzte der IWF im laufenden Jahr auf etwa eine Milliarde Euro. Der Refinanzierungsbedarf der gesamten Wirtschaft liege 2013 bei schätzungsweise drei Milliarden Euro. Die Kosten für die beschlossene Bad Bank seien darin aber nicht enthalten.

AFP/sda/rub

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch

Mehr zum thema