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Kreuzfahrtanbieter profitieren von Krisen in Touristenregionen

Die Unruhen an Ferienzielen wie Ägypten und Tunesien haben noch mehr Touristen auf die Kreuzfahrtschiffe gelockt. Statt Ferien an unsicheren Stränden buchen Schweizer Touristen lieber Schiffsreisen auf hoher See.

Lieber auf dem Schiff als am Strand: Gäste geniessen auf der «Oasis of the Seas» in Kalifornien das süsse Nichtstun.
Lieber auf dem Schiff als am Strand: Gäste geniessen auf der «Oasis of the Seas» in Kalifornien das süsse Nichtstun.
Keystone

«Die Unruhen haben zum Einstieg in die Kreuzfahrt motiviert», sagt Alexander Esslinger, Chef von e-hoi.ch, einer Onlineplattform für Kreuzfahrtreisen. Das schwimmende Hotel bietet sich offenbar an als sicherere Alternative zu Badestränden in Ländern mit politischen Krisen.

«Wir erhalten im Moment tatsächlich sehr viele Anrufe aus dieser Überlegung heraus», sagt Esslinger. Ähnlich tönt es beim grössten Schweizer Reiseveranstalter Kuoni. «Die Nachfrage ist im letzten Monat gestiegen», erklärt Mediensprecher Peter Brun. Genaue Zahlen gebe es nicht, aber viele Touristen hätten ihre Badeferien in Ägypten gegen eine Kreuzfahrt umgebucht.

«Gerade in Zeiten mit unsicheren Badeferienzielen werden Schiffsreisen überdurchschnittlich profitieren», wagt Kuoni-Sprecher Brun einen Blick in die Zukunft Das gestiegene Sicherheitsbedürfnis spiele den Anbietern von Schiffsreisen in die Hand. «Schiffe gelten in Bezug auf Naturkatastrophen, politische Unruhen und Terror als weitgehend sicher.»

Ausbau des Angebots geplant

Zugute kommt den Kreuzfahrten auch den Imagewandel in den letzten Jahren. Buchten früher vor allem Rentner eine Schiffsfahrt, zieht es heute auch Jüngere auf hohe See. Ein Grund dafür ist die Verbreiterung des Angebots.

«Schiffe bieten heute ein umfangreiches Programm an Aktivitäten für alle Zielgruppen», sagt Roland Schmid, Mediensprecher vom Reiseanbieter Tui. Für Junge stechen Partyschiffe in See, Luxusdampfer fahren für die Gutbetuchten und die Abenteuerlustigen buchen eine Expeditionsreise.

So unterschiedlich die Angebote - so unterschiedlich die Preise. Eine Woche Mittelmeer mit Vollpension ist im Reisebüro ab rund 750 Franken erhältlich. Wer online bucht, kann mit viel Glück sogar schon für unter 100 Franken eine Kreuzfahrt buchen. Gegen oben kennen die Preise keine Grenze.

Überdurchschnittliches Wachstum

Die steigende Nachfrage schlägt sich auch in den Geschäftszahlen der Reiseanbieter nieder. «Schiffsfahrten gehören zu dem Segment mit überdurchschnittlichen Wachstum», sagt Tui-Sprecher Schmid. Kuoni spricht von einem Wachstum im zweistelligen Prozentbereich.

Ähnlich tönt es bei Hotelplan, der Nummer zwei der Branche. «Die Nachfrage ist sehr gross. Kreuzfahrten werden von Jahr zu Jahr beliebter», sagt Mediensprecherin Prisca Huguenin.

Bald 100'000 Schweizer an Bord

Das belegen auch die Zahlen der europäischen Schifffahrtsorganisation (ECC). 2008 buchten 65'000 Schweizer eine Kreuzfahrt. 2009 waren bereits 76'000 Schweizer Passagiere an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Für 2010 geht die Branche davon aus, dass in der Schweiz die 100'000-er-Marke geknackt wurde.

Umsatzzahlen für den Schweizer Markt gibt es nicht, in Österreich - einem vergleichbar grossen Markt - wurde mit Kreuzfahrtbuchungen im letzten Jahr ein Umsatz von 103,5 Millionen Euro erzielt, wie der dortige Branchenverband vor wenigen Tagen mitteilte. In der Schweiz dürfte der Markt, dank höherer Kaufkraft, noch höher liegen.

SDA/pbe

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