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Juncker erwägt Einbeziehung von Privatgläubigern

Um Griechenland vor dem Kollaps zu retten, schliesst Jean-Claude Juncker die Beteiligung von Privatgläubigern nicht mehr aus. Das Euro-Rettungspaket für Portugal wurde derweil von der EU gebilligt.

Unzufrieden mit den wirtschaftlichen Bedingungen im Land: Griechische Demonstranten in der Nähe von Athen. (Archivbild)
Unzufrieden mit den wirtschaftlichen Bedingungen im Land: Griechische Demonstranten in der Nähe von Athen. (Archivbild)
Keystone

Die Eurogruppe schliesst eine freiwillige Einbeziehung des Privatsektors in der griechischen Schuldenkrise nicht länger aus. Zwar sei eine «grosse Umstrukturierung» weiterhin keine Option, sagte der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker am Montagabend in Brüssel. Aber ein behutsames Reprofiling, also eine freiwillige Verlängerung der Kreditlaufzeiten der privaten Investoren, könnten erwogen werden, sagte Juncker zum Abschluss eines Eurogruppen-Finanzministertreffens.

Portugal wird mit Notkrediten in Höhe von 78 Milliarden Euro vor der Pleite gerettet: Die EU-Finanzminister einigten sich heute im Grundsatz auf das Hilfspaket, wie aus Diplomatenkreisen verlautete. Im Gegenzug verpflichet sich Lissabon zu einem harten Reform- und Sparprogramm. Die Unterstützung wird zwischen einem EU-Topf, dem befristeten Eurorettungsfonds EFSF sowie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu je 26 Milliarden Euro gedrittelt.

Deutschland zahlt am meisten

Deutschland schultert den Löwenanteil und haftet - alle drei Töpfe zusammen genommen - mit rund 14 Milliarden Euro. Davon entfallen mehr als sieben Milliarden Euro an Garantien für den Fonds EFSF. Für die Notkredite der Europartner muss Lissabon einen Zins von 5,7 Prozent zahlen. Portugal ist nach Griechenland und Irland der dritte Staat am Euro-Tropf.

Die EU warnte vor Panikstimmung. «Die Kontinuität beim Internationalen Währungsfonds ist gesichert, daran gibt es keinen Zweifel», sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. Die Affäre um IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn wirke sich nicht auf die laufenden Hilfsprogramme in Irland und Griechenland und die geplante Entscheidung zu Portugal aus.

Shafik ersetzt Strauss-Kahn

Die Finanzmärkte zeigten sich denn auch wenig beeindruckt von dem Skandal um den IWF-Chef. Zum Dollar konnte der Euro nach einer Schwächephase am Morgen wieder zulegen. Zum Franken sank die Gemeinschaftswährung dagegen leicht auf noch gut 1.25 Franken.

Statt Strauss-Kahn nimmt seine Vertreterin an der IWF-Spitze, die Ägypterin Nemat Shafik, an dem Treffen in Brüssel teil, wie EU- Diplomaten berichteten. Strauss-Kahn war am Wochenende in New York festgenommen worden, weil er versucht haben soll, ein Zimmermädchen in einem Hotel zu vergewaltigen.

Weitere Themen der EU-Kassenhüter sind die Nachfolge von Jean-Claude Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) und die zugespitze Schuldenkrise in Griechenland. Für die Nachfolge von Trichet gibt es ausser dem Italiener Mario Draghi keinen weiteren Kandidaten.

Dritte Nothilfe

Griechenland waren im Frühjahr 2010 als erstem Euroland internationale Hilfen in Höhe von 110 Milliarden Euro zugesagt worden - etwa die Hälfte ist bisher ausgezahlt. Später wurden Irland 85 Milliarden Euro bewilligt. Portugal ist nun das dritte Euroland, dass auf Nothilfen seiner EU-Partner angewiesen ist.

Im Falle Griechenlands wurde spekuliert, dass weitere Hilfen von 30 bis 60 Milliarden Euro nötig sein könnten. Die Finanzchefs sollen von EU-Kommission, IWF und EZB zu Griechenland informiert werden. Diese drei Institutionen haben gerade die Kassen-Bücher in Athen kontrolliert.

SDA/mrs

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