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IWF warnt vor neuer Kreditklemme in Europa

Es sei im schlimmsten Fall möglich, dass Bilanzverkürzungen bei den Banken die Kreditvergabe um 4,5 Prozent sinken lassen. Laut Internationalem Währungsfonds könnte das der Eurozone deutlich zusetzen.

Besorgt um die Eurozone: IWF berät sich in Tokyo. (10. Oktober 2012)
Besorgt um die Eurozone: IWF berät sich in Tokyo. (10. Oktober 2012)
Keystone

Der zögerliche Kampf der europäischen Regierungen gegen die Schuldenkrise führt die globalen Finanzmärkte an den Rand des Zusammenbruchs, befürchtet der Internationale Währungsfonds. Das Vertrauen in das Weltfinanzsystem sei «sehr brüchig» geworden, warnt der IWF in einer neuen Analyse.

Das geringe Tempo bei der Stabilisierung des Bankensektors und den nötigen Reformen habe eine gefährliche Kapitalflucht aus Europas Krisenstaaten begünstigt. «Es droht eine böse Abwärtspirale», sagte der Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung, José Viñals, bei der Vorstellung des Berichts in Tokio.

Investoren sind verängstigt

Ende dieser Woche findet in der japanischen Hauptstadt die Jahrestagung des IWF statt. Im Vorfeld würdigte die Institution zwar wichtige Fortschritte der europäischen Gesetzgeber in der Schuldenkrise. Doch ist «die Agenda entscheidend unvollständig», wie es im Globalen Finanzstabilitätsreport des IWF heisst.

Dies verängstige Investoren und fördere die Angst vor dem Zerfall der Währungsunion und einen Rückgang der Wirtschaftsleistung. Allein aus Spanien hätten Anleger bis Juni binnen eines Jahres fast 300 Milliarden Euro abgezogen und aus Italien mehr als 230 Milliarden Euro. Das Geld fliesse in stabilere europäische Länder und in vermeintlich sichere Häfen wie den USA und Japan.

Angst vor Kreditklemme

Konsequent sei die finanzielle und ökonomische Spaltung zwischen den armen und reichen Ländern der Eurozone, sagte Viñals. Diese sei extrem ungewöhnlich für eine Währungsunion. Die Entwicklung kann nach Ansicht des IWF zu einer neuen Kreditklemme in Europa mit globalen Folgen führen.

Im schlimmsten Fall müssten die Grossbanken der Eurozone ihre Bilanzen insgesamt um 2,8 bis 4,5 Billionen Dollar stutzen. Die Kreditvergabe in den Krisenländern könnte dadurch bis Ende 2013 um 18 Prozent sinken und dort massive Einbrüche der Konjunktur auslösen - mit Risiken für das Weltfinanzsystem und das globale Wachstum.

Der IWF rief die Europäer eindringlich auf, die Lösung der Krise noch entschiedener voranzutreiben. Der Finanzsektor müsse weiter saniert werden, neue Sicherungsinstrumente wie der Euro-Krisenfonds ESM auch wirklich genutzt und die europäische Bankenunion mit einer gemeinsamen Einlagensicherung möglichst bald geschaffen werden.

«Die Wahl besteht heute darin, die nötigen aber harten Entscheidungen zu treffen, oder sie noch einmal in der falschen Hoffnung zu verzögern, dass die Zeit auf unserer Seite ist», so Viñals.

Wink an andere Länder

Zugleich warnte der Währungsfonds auch die USA und Japan, sich wegen der Kapitalzuflüsse durch Privatinvestoren und niedriger Zinsen in falscher Sicherheit zu wähnen – und deswegen die gleichen Fehler zu machen wie Europa. Beide Länder müssten ihre überbordenden Staatsschulden schnell in den Griff bekommen und Ungleichgewichte im Finanzsektor reduzieren.

Auch die eigentlich gut aufgestellten Schwellen- und Entwicklungsländer sollten sich noch besser gegen Schocks im globalen Finanzsystem wappnen. «Niemand ist immun gegen den Druck, der aus Europa und den USA kommt», sagte Viñals.

SDA/chk

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