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Italien droht Schuldenkrise – Euro reagiert mit Kurseinbruch

Die Liste der europäischen Sorgenkinder wird immer länger. Nach Griechenland, Irland, Portugal und Spanien droht nun auch Italien in die Schuldenkrise zu geraten. Der Euro reagiert prompt mit einem Abfall.

Die Ratingagentur S&P droht Italien mit einer schlechteren Bonitätsnote und senkt den Ausblick für die drittgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone auf «negativ». Dies lässt Sorgen über eine Ausweitung der Schuldenkrise aufkommen.

Und die Märkte reagierten prompt: Die Risikoaufschläge für zehnjährige italienische und spanische Anleihen gegenüber den deutschen Papieren kletterten zeitweise auf den höchsten Stand seit Januar. Auch die Kreditausfallversicherungen (CDS) für die Länder am Rand der Euro-Zone schnellten in die Höhe.

Euro auf Rekordtief

Der Euro fiel zum ersten Mal seit gut zwei Monaten wieder unter die psychologisch wichtige 1,40-Dollar-Marke. Zum Franken fiel die europäische Gemeinschaftswährung auf ein Rekordtief von 1,2323 Franken. «Die Anleger sehen die ultimative Gefahr, dass die Euro-Zone auseinanderbricht», sagt Unicredit-Analyst Kornelius Purps.

Für Italien kommt der Warnschuss denkbar ungünstig: Bislang war es dem Mittelmeerland gelungen, sich trotz hoher Verschuldung weitgehend aus der Debatte um die Staatsschulden in der Euro-Zone herauszuhalten. Seit dem Hinweis der Ratingexperten kommen sie nun aber nicht mehr darum herum.

Bonitätsnote «A»

Demnach wird das Land Probleme mit seinen Plänen zur Schuldensenkung bekommen, sollte das Wirtschaftswachstum weiter schwach bleiben. S&P senkte den Ausblick für Italien auf «negativ», womit eine Herabstufung des Ratings droht. Noch billigt S&P Italien für langfristige Verbindlichkeiten die fünftbeste Bonitätsnote «A » zu. Laut Analysten ist S&P schon seit jeher gegenüber Italien sehr kritisch.

«Die Frage ist nun, ob italienische Anleihen nun auch in den Sog der hohen Risikoaufschläge für griechische und irische Anleihen geraten», sagte ein Händler. Derzeit rentieren zehnjährige italienische Papiere mit knapp fünf Prozent noch weit unter dem Niveau der griechischen und irischen Pendants. Die beiden Titel werfen derzeit gut 17 respektive 11 Prozent ab und stehen seit Monaten im Fokus.

Italien erhält Rückendeckung

Trotz der hohen Nervosität am Markt rechnet HSBC-Trinkaus-Analyst Rainer Sartoris allerdings nicht damit, dass Italien zum nächsten Wackelkandidaten der Euro-Zone aufsteigen wird. «Die Unruhe mit Blick auf die italienischen Staatsfinanzen sollte eher kurzfristiger Natur sein», sagte der Experte.

«Insgesamt ist Italien besser durch die Finanzkrise gekommen als manch anderes Land in Europa und der Bankensektor relativ stabil.» Zudem liefere die Begründung von S&P keine neuen Informationen. Dass Italien Wachstumsprobleme habe, sei bekannt. Die Konjunkturentwicklung verläuft in dem südeuropäischen Land bereits seit mehr als einem Jahrzehnt nur schleppend.

Rückendeckung erhielt Italien auch von den Ratingagenturen Fitch und Moodys, die im Unterschied zu ihrem Konkurrenten S&P den Ausblick für Italiens Kreditwürdigkeit nicht senken wollen. «Die Regierung ist auf dem Weg, ihre Ziele für 2011 zu erreichen und hat sich 2010 etwas besser geschlagen als erwartet», sagte Fitch-Analyst David Riley.

SDA/mrs/wid

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