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Hollandes Sieg drückt Börsen weltweit ins Minus

Die Märkte reagieren äusserst dünnhäutig auf die Wahlen in Frankreich und Griechenland. Die Aktienkurse brechen ein, der Euro rutscht ab. In Washington beobachtet man die Lage besonders angespannt.

Der Ausgang der Wahlen in Griechenland und Frankreich hat die Finanzmärkte am Montag massiv unter Druck gesetzt. Vor allem die sehr schwierige Regierungsbildung in Athen drückte die Aktienkurse in den Keller und belastete den Euro. Der Sieg des Sozialisten François Hollande bei der französischen Präsidentenwahl war hingegen von den Märkten bereits erwartet worden. Insgesamt dürfte der Kampf gegen die Schuldenkrise aber schwieriger werden.

Besonders heftig reagierte der griechische Aktienmarkt auf das Wahlergebnis. Der Leitindex in Athen büsste mehr als 7 Prozent an Wert ein. Der FTSE/ASE 20, der die 20 grössten börsennotierten Unternehmen des Landes umfasst, brach sogar um mehr als 9 Prozent ein. Damit markierte er den tiefsten Stand seit Oktober 2008. Am schlimmsten traf es die griechischen Finanzwerte, die prozentual zweistellige Kursverluste erlitten.

Dax auf Dreimonatstief

In Deutschland sackte der Dax auf ein Dreimonatstief. Der Leitindex erholte sich allerdings im Handelsverlauf etwas von seinen noch deutlicheren Verlusten im frühen Handel. Gegen Mittag sank er um relativ moderate 1,03 Prozent auf 6494 Punkte. Kurz nach Börseneröffnung hatte der Dax mehr als 2,3 Prozent an Wert verloren.

Auch an anderen Finanzplätzen ging es abwärts: Die Wahlergebnisse drückten den EuroStoxx 50 auf den tiefsten Stand seit Ende Dezember. Doch immerhin konnte der Leitindex der Eurozone seine Anfangsverluste etwas eindämmen. Gegen Mittag notierte er noch 0,68 Prozent tiefer bei 2233,03 Punkten und setzte damit den Sinkflug der vergangenen zwei Handelstage mit gebremstem Tempo fort. In Paris ging es für den französischen Leitindex Cac 40 um 0,59 Prozent auf 3143,29 Punkte nach unten. Die Börse in London blieb feiertagsbedingt geschlossen.

Schwache Märkte auch in Asien

Auch in Asien setzten die Aktienmärkte die zuletzt schwache Entwicklung fort: Der MSCI Asia Apex 50, der die Aktienkurse der 50 grössten Unternehmen Asiens exklusive Japan abbildet, büsste mehr als 2 Prozent ein.

An der Börse in Hongkong verlor der Hang-Seng-Index mehr als 2 Prozent. Der Shenzhen CSI 300 Index, der die Aktien der 300 grössten Unternehmen vom chinesischen Festland mit einer Börsennotierung in Shanghai oder Shenzhen enthält, schaffte indes als einer der wenigen Gewinner ein kleines Plus. In Tokio schloss der Leitindex Nikkei 225 nach einer zweitägigen Handelspause jedoch um 2,78 Prozent schwächer bei 9119,14 Punkten. Er sank damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Februar.

Stark unter Druck geriet der Eurokurs. Die Gemeinschaftswährung fiel im asiatischen Handel zeitweise bis auf 1.2962 US-Dollar, nachdem der Kurs am Freitag noch deutlich über der Marke von 1.31 US- Dollar notiert hatte. Zuletzt erholte sich der Euro jedoch etwas und wurde mit 1.3011 Dollar gehandelt.

Gefahr für Obama?

Der Machtwechsel in Paris dürfte sich auch auf Washington auswirken. Denn es ist nicht auszuschliessen, dass die neue französische Regierung unter François Hollande die Rolle Frankreichs in Afghanistan neu definiert und französische Truppen abzieht.

Reagieren die Märkte negativ auf den Wahlsieg des sozialistischen Kandidaten und verschärfen sich dadurch die Turbulenzen in Europa, könnte nur Monate vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen im November die US-Konjunktur neuerlich ins Stottern geraten und die Wiederwahlchancen Barack Obamas erheblich mindern.

Aus dem gleichen Grund wird das Wahlergebnis in Athen in Washington mit Besorgnis registriert: Falls die griechische Einhaltung des Sparpaktes durch das gestrige Wahlergebnis beeinträchtigt würde und Griechenland erneut in die Schlagzeilen geriete, wird womöglich das amerikanische Wirtschaftswachstum in Mitleidenschaft gezogen werden – was auch deshalb bedenklich wäre, weil sich die US-Konjunktur im Sommer und Herbst nach Ansicht amerikanischer Ökonomen eher abschwächen wird.

Tea Party will Schuldenabbau

Obama hat in den vergangenen Monaten bei Gesprächen und Telefonaten mit europäischen Regierungschefs wiederholt ein entschlossenes Vorgehen zur Bekämpfung der Schuldenkrise verlangt. Wenn die Wahlergebnisse dies komplizieren, könnte der US-Präsident zu den Verlierern des europäischen Wahlsonntags zählen.

Sollte der neue französische Präsident tatsächlich wie angekündigt von der Austeritätspolitik abrücken, dürfte er die inneramerikanische Diskussion über Staatsschulden und Wachstum beleben. Vor allem der Tea-Party-Flügel der Republikanischen Partei verlangt durchgreifende Sparmassnahmen zum Abbau der Staatsschulden.

mki/sda/dapd/ami

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