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«Griechenland braucht einen Marshallplan»

Die wirtschaftliche Misere Griechenlands wird mit Notkrediten und Sparzwängen nicht behoben, sagen führende Ökonomen und fordern ein radikales Umdenken.

In der Misere: Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou.
In der Misere: Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou.
Keystone
Angela Merkel wartet mit der Auszahlung der sechsten Tranche des Rettungskredits noch ab.
Angela Merkel wartet mit der Auszahlung der sechsten Tranche des Rettungskredits noch ab.
Keystone
Springt China ein? Präsident Hu Jintao gibt sich zurückhaltend.
Springt China ein? Präsident Hu Jintao gibt sich zurückhaltend.
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Griechenland rettet sich von der einen zur nächsten Kredittranche des Nothilfepakets der Eurozone. Inzwischen steht die sechste Hilfszahlung über 8 Milliarden Euro an, doch diese lässt wegen der politischen Querelen in Griechenland auf sich warten.

Obwohl sich der Nebel über Athen langsam lichtet, will die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Auszahlung abwarten. «Für uns zählen Taten, nichts anderes», warnt sie am G-20-Gipfel in Cannes. Das hochverschuldete Griechenland müsse zu seinen Verpflichtungen stehen. Das bedeutet nichts anderes, als weiter zu sparen.

Dass sich Griechenland mit dieser Art der Nothilfe und dem angekündigten Schuldenschnitt aus dem Tal der Rezession wirklich befreien kann, wird von führenden Ökonomen inzwischen öffentlich in Zweifel gezogen. Hans-Joachim Voth von der Universität Pompeu Fabra in Barcelona zieht im Gespräch mit der «Financial Times Deutschland» gar einen Vergleich mit der verheerenden Austeritätspolitik Deutschlands Anfang der 1930er-Jahre. Für Voth ist die Annahme, dass Konsolidierung gleichzeitig das Wachstum fördere, schlichtweg falsch.

Investitionen statt Sparen

Seit Griechenland am Geldtropf der EU-Staaten hängt und unter Druck der Geldgeber sparen muss, ist die Wirtschaftsleistung des Landes im Vergleich zu 2008 um über 13 Prozent eingebrochen. Dies vor dem Hintergrund, dass Griechenland noch weiter Federn lassen wird. Die sozialen Spannungen sind bereits jetzt schon an einem Siedepunkt angelangt. Der Sparkurs kommt an seine Grenzen.

Hans-Joachim Voth fordert daher ein radikales Umdenken im Umgang mit dem Pleitestaat. Die einzige wirtschaftliche Lösung sei «ein unbegrenzter Check an die Griechen». Dabei erhält er prominente Unterstützung vom Harvard-Ökonomen Philippe Aghion, der in der «Financial Times Deutschland» einen Marshallplan für Griechenland fordert. Nur so könne das Wirtschaftswachstum angekurbelt und dem Land eine glaubhafte Perspektive gegeben werden.

Keine Hilfe aus den USA

Dabei stellt sich nur die Frage, woher diese gigantischen Investitionen kommen sollen. Der Marshallplan von 1948 war eine amerikanische Erfindung. Doch aus Washington, selbst von Sparzwängen und politischen Querelen geplagt, ist dieses Mal keine Hilfe zu erwarten. So kommt nur noch China mit seinen Währungsreserven über 3,2 Billionen Dollar infrage. Noch aber sträubt sich Peking und der Widerstand von europäischen Politikern ist vorprogrammiert.

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