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Griechen ziehen täglich bis zu 800 Millionen Euro vom Konto ab

Es brodelt weiter in den Krisenländern der Eurozone. Die Griechen trauen ihren Banken immer weniger. Und die Zinsen für Staatsanleihen Spaniens nähern sich wieder der kritischen Marke von 7 Prozent.

Die Verunsicherung vor den Wahlen ist gross: Zwei Männer an einem Bankomaten in Athen. (Archivbild)
Die Verunsicherung vor den Wahlen ist gross: Zwei Männer an einem Bankomaten in Athen. (Archivbild)
Keystone

Griechische Firmen und Bürger fürchten vor der entscheidenden Wahl am Sonntag um den Verbleib ihres Landes in der Eurozone und bringen deshalb in wachsender Zahl ihr Geld in Sicherheit. Wie zwei ranghohe Banker der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch berichteten, ist der Abfluss von den Sparkonten der grössten Institute des Landes in dieser Woche pro Tag auf 500 bis 800 Millionen Euro angeschwollen.

Am Dienstag hätte dieser Trend noch einmal merklich zugenommen, hiess es. In der Summe seien neben Barabhebungen auch Überweisungen, Investitionen in Geldmarktfonds sowie der Kauf von deutschen und US-Anleihen enthalten. Ein dritter Banker erklärte, der Abfluss sei für die Geldhäuser beherrschbar, da ihnen die Europäische Zentralbank (EZB) entsprechende Summen bereitstelle.

Steigende Zinsen in Spanien

Die Kurse an den europäischen Aktienmärkten blieben heute stabil. Die wichtigsten Indizes notierten vor dem Mittag wenig verändert. Der SMI pendelte um den Vortagesschluss von rund 5920 Punkten. In Deutschland gab der DAX 0,5 Prozent nach, in London stand der FTSE 100 rund 0,2 Prozent im Minus.

Die Zinsen für spanische Staatsanleihen sind am Mittwoch erneut gestiegen. Für Papiere mit zehnjähriger Laufzeit kletterte der Zins auf 6,73 Prozent. Am Vortag war zeitweise ein Rekordwert von 6,81 Prozent erreicht worden, die Papiere schlossen dann bei 6,67 Prozent. Zuvor hatte die Ratingagentur Fitch die Bewertung für 18 spanische Banken gesenkt.

Spanien näherte sich damit dem Zinsniveau, bei dem Griechenland, Irland und Portugal internationale Finanzhilfe in Anspruch nehmen mussten. Die Sieben-Prozent-Marke gilt als kritischer Wert für zehnjährige Anleihen.

Spaniens Konservative gegen Untersuchung zu Bankia

Die regierenden Konservativen haben in Spanien die Einsetzung einer Untersuchungskommission zur Finanzkrise und zur Krisenbank Bankia abgelehnt. Bei der Abstimmung im Parlament am Dienstag erhielt ein entsprechender Antrag der linken Opposition 139 Stimmen, verfehlte jedoch die nötige Mehrheit, da 175 Abgeordnete der konservativen Partido Popular (PP) dagegen votierten. Die PP-Abgeordnete María Arenales Serrano betonte dennoch, ihre Partei teile das Ziel, Transparenz zu schaffen.

Der Vorsitzende der oppositionellen Izquierda Unida, Cayo Lara, dessen Partei den Antrag zur Einsetzung des Untersuchungsausschuss eingebracht hatte, betonte während der Debatte die Notwendigkeit von Ermittlungen zur «Betrugskrise», in die seiner Ansicht nach Banken und Immobilienfirmen verwickelt sind. Seiner Ansicht nach stand diese Krise am Ursprung der Immobilienblase, deren Platzen 2008 das Land in eine tiefe Wirtschaftskrise stürzte.

Untersuchung des Immobiliensektors gefordert

In Spanien fordern immer mehr Menschen eine Untersuchung zu möglichen Betrugsfällen im Immobiliensektor. So unterzeichneten fast 135'000 Menschen eine Petition für die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission, die am Dienstag an Regierungschef Mariano Rajoy geschickt wurde.

Rajoy soll am Mittwoch vor dem Parlament zur Rettung der Banken befragt werden. Die staatliche Unterstützung des angeschlagenen Bankhauses Bankia mit 23,5 Milliarden Euro zwang Madrid am Samstag, Hilfen der Eurozone zu beantragen.

dapd/rub

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