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Gewinnsalat bei der Credit Suisse

Die Grossbank Credit Suisse hat die Analysten enttäuscht – und mit den Journalisten ein Versteckspiel getrieben. Die CS-Aktie gibt nach Börsenstart deutlich nach.

Der Zahlenreigen der Credit Suisse kam ziemlich luftig daher: Fahnen der Grossbank in Zürich.
Der Zahlenreigen der Credit Suisse kam ziemlich luftig daher: Fahnen der Grossbank in Zürich.
Keystone
Hin und her oder auf und ab? Die Interpretation des Jahresergebnisses 2013 der CS gab einiges zu tun (Bild: Uetlihof in Zürich).
Hin und her oder auf und ab? Die Interpretation des Jahresergebnisses 2013 der CS gab einiges zu tun (Bild: Uetlihof in Zürich).
Alessandro Della Bella, Keystone
Im Fokus der Auguren: Mitarbeiter der Credit Suisse im Zürcher World Trade Center.
Im Fokus der Auguren: Mitarbeiter der Credit Suisse im Zürcher World Trade Center.
Alessandro Della Bella, Keystone
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Schaut man sich das Jahresergebnis an, das die Credit Suisse heute publiziert hat, fällt die grosse Auswahl an Gewinnzahlen auf, die für den exakt gleichen Zeitraum ausgewiesen werden. So finden sich sowohl zum Jahresgewinn wie zum Gewinn für das vierte Quartal 2013 gleich drei Gewinnzahlen.

Die wichtigste Gewinnzahl, die heute interessiert hat, ist der Gewinn des vierten Quartals. Diejenigen der anderen Quartale wurden bereits publiziert. Gemäss der hier ausgewiesenen Zahl von 267 Millionen Franken hat die Bank die Erwartungen der Analysten enttäuscht, die im Durchschnitt mehr als 400 Millionen erwartet haben. Die Aktie der Bank hat nach Börseneröffnung zeitweise bei -2,9 Prozent notiert.

Doch die 267 Millionen sind erst auf der dritten Seite der Pressemitteilung mit der Zusammenfassung der wichtigsten Resultate der Bank in einer Tabelle aufgeführt. Sie zeigen den Gewinn, der den Aktionären zuteilbar ist. Damit ist das die «reinste» und um gar nichts bereinigte Gewinnzahl. Weit mehr Betonung haben in der Verlautbarung der Credit Suisse die Gewinnzahlen vor Steuern. Hier hat die Bank im vierten Quartal 428 Millionen Franken verdient. Die Gewinnzahl vor Steuern ist immerhin noch eine von allen Instituten verwendete Unterscheidung vom Endgewinn, weil die Steuern wenig mit der operativen Leistung zu tun haben.

Strategisch, nicht strategisch und auch noch bereinigt

Aber für das gleiche vierte Quartal weist die Credit Suisse auch einen Gewinn nach Steuern von 939 Millionen Franken aus – mehr als dreimal so viel wie die erwähnte «reine» Zahl von 267 Millionen Franken. Jetzt ist vom sogenannt bereinigten Ergebnis die Rede. Den grössten Anteil daran haben Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten.

Doch damit nicht genug. Die Bank weist auch noch eine dritte Gewinnzahl aus, diesmal ist es das strategische Resultat, dieses beträgt 1,07 Milliarden Franken und ist noch etwas höher. Der Unterschied von 803 Millionen zum «reinen» Resultat von 267 Millionen erklärt sich auch hier zu einem grossen Teil mit den Rückstellungen für die Rechtsstreitigkeiten. Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um den Handel mit Hypothekenpapieren in den USA hat die Bank 339 Millionen Franken zurückgestellt und 175 Millionen im Zusammenhang mit dem US-Steuerstreit – wobei es hier nur um die Untersuchung geht, welche die US-Börsenaufsicht SEC eingeleitet hat, und nicht um diejenige des Justizdepartements.

Der Grund für das Durcheinander bei den Gewinnzahlen liegt in einer Neuerung, die die Bank in ihrer Berichterstattung eingeführt hat und die sie schon bei der Präsentation der Zahlen zum dritten Quartal 2013 angekündigt hat: Sie hat in ihren beiden Divisionen Vermögensverwaltung und Investmentbanking sowie im sogenannten Corporate Center eine Art «Bad Bank» geschaffen – die CS spricht von «nicht strategischen Einheiten». Dort werden alle Rechtsfälle gebündelt und ebenso die Geschäfte, die sie abwickeln will. Durch den Ausweis der strategischen Resultate kann sie zeigen, wie gut ihr eigentliches Geschäft im engeren Sinn und dasjenige, das sie fortführen will, gedeiht. Ein zentraler Grund für diesen Schritt liegt auch darin, die Bilanz zu kürzen, um den regulatorischen Anforderungen an den Eigenkapitalanteil besser nachzukommen. Die Bank hat bereits im Januar auch die Zahlen für die Vergangenheit publiziert, um die Vergleichbarkeit mit dem neuen System zu erleichtern.

Leider führt sie aber auch ihre alte Unterscheidung zwischen ausgewiesenen und bereinigten Ergebnissen fort. Sie soll erst im Laufe des Jahres auslaufen. Bei den bereinigten Ergebnissen schliesst die Bank – allerdings nur auf Gesamtebene – wiederum Zahlen aus, die wenig über ihre operative Stärke sagen wie etwa Kosten für Rechtsfälle und Verluste, die sich durch eine höhere Bonität ergeben und die damit den Wert ihrer ausstehenden Schulden erhöhen.

In jeder Betrachtung fällt das Investmentbanking ab

Die neu eingeführte Unterscheidung zwischen strategischen und nicht strategischen Einheiten wirkt sich besonders deutlich im Investmentbanking aus: Vor Steuern weist die Bank für das gesamte Jahr 2013 einen Gewinn von 2,2 Milliarden Franken aus. Im vierten Quartal dagegen muss sie einen Verlust von 40 Millionen Franken verbuchen, nach einem Gewinn von 229 Millionen im Vorquartal und 268 Millionen im Vorjahresquartal. Schaut man sich das Ergebnis der strategischen Einheit an, hat die Investmentbank im vierten Quartal einen Gewinn von 485 Millionen erwirtschaftet, der allerdings ebenfalls tiefer ist als im Vorquartal (671 Millionen Franken) und im Vorjahresquartal (750 Millionen Franken). Hier ist es vor allem die Rückstellung von 339 Millionen Franken für Rechtsfälle im Zusammenhang mit Hypothekenpapieren, die zu Buche schlägt. Dieser Posten wird in der nicht strategischen Einheit erfasst.

Deutlich besser als das Investmentbanking abgeschlossen hat das Vermögensverwaltungsgeschäft (Private Banking & Wealth Management) der Bank mit 870 Millionen Franken vor Steuern im vierten Quartal und 3,7 Milliarden Franken im ganzen Jahr. Aber auch hier liegt das Quartalsergebnis unter dem Strich unter demjenigen des Vorquartals (1,01 Milliarden Franken) und demjenigen des Vorjahresquartals (911 Millionen Franken). Mit Blick auf die strategische Einheit hat die Bank in dieser Division im vierten Quartal allerdings leicht bessere Zahlen mit 1,06 Milliarden Franken vor Steuern präsentiert als im Vorquartal (808 Millionen) und im Vorjahresquartal (1,03 Milliarden Franken). Auch hier wurde das Ergebnis vor allem durch die erwähnte Rückstellung im Zusammenhang mit dem Steuerstreit mit den USA von 175 Millionen belastet.

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