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Fünf Fragen zum Rekordgewinn der SNB

Was das Ergebnis der Nationalbank bedeutet und wer davon profitiert.

Am 15. Januar ist es genau drei Jahre her, seit SNB-Präsident Thomas Jordan die zuvor verteidigte Untergrenze eines Kurses von 1.20 Franken pro Euro aufgegeben hat. Foto: Urs Jaudas
Am 15. Januar ist es genau drei Jahre her, seit SNB-Präsident Thomas Jordan die zuvor verteidigte Untergrenze eines Kurses von 1.20 Franken pro Euro aufgegeben hat. Foto: Urs Jaudas

Die SNB erzielte 2017 einen rekordhohen Jahresgewinn von 54 Milliarden Franken. Das wirft eine Reihe von Fragen auf, hier die Antworten auf die fünf wichtigsten davon:

1. Warum schreibt die Nationalbank einen derart hohen Gewinn?

Der wichtigste Grund sind die gigantischen Währungsreserven der Notenbank. Diese beliefen sich per Ende November 2017 umgerechnet auf rund 784 Milliarden Franken. Sie machen 94 Prozent der rund 837 Milliarden umfassenden Bilanz der SNB aus. Ändern nun die von der SNB gekauften Währungen oder die Anlagen (Aktien oder Anleihen), die die SNB mit diesen Devisen gekauft hat, ihren Kurs, dann schlägt sich das auf das Ergebnis nieder. Eine Aufwertung der Fremdwährungen oder ein Kursgewinn der mit den Devisen gekauften ausländischen Anlagen führt zu einem Gewinn; eine Abwertung bzw. ein Kursverlust zu einem Verlust für die SNB. Angesichts des Umfangs der Reserven schlagen sich schon geringe Kursänderungen in hohen Gewinnen oder eben Verlusten nieder.

Die enorme Aufwertung des Euros in Franken ist der wichtigste Treiber des SNB-Gewinns.

Die dramatische Abwertung des Frankens vor allem gegenüber dem Euro über den vergangenen Sommer respektive die sich darin spiegelbildlich zeigende enorme Aufwertung des Euros in Franken ist der wichtigste Treiber des SNB-Gewinns. Ein anderer ist der starke Aufwärtstrend an den internationalen Börsen, auch davon hat die SNB stark profitiert. Beide Effekte haben sich schon im Resultat für das dritte Quartal gezeigt, als die SNB bereits einen Gewinn von 33,7 Milliarden Franken für die ersten neun Monate des Jahres 2017 auswies. Alleine für das dritte Quartal, das die Entwicklung über den Sommer zeigte, wies die Notenbank einen Gewinn von 32,53 Milliarden aus. Der Umstand, dass die Abschwächung des Frankens (und damit die Wertsteigerung der Devisen) seither weiterging und die Börsen weiter zugelegt haben, liess den Jahresgewinn per Ende Jahr auf 54 Milliarden Franken ansteigen.

2. Wieso erhält die öffentliche Hand dennoch nur 2 Milliarden Franken?

Trotz des grossen Gewinns bleibt der Anteil, der zu einem Drittel an den Bund und zu zwei Dritteln an die Kantone verteilt wird, auf 2 Milliarden Franken beschränkt. Dieses Maximum entspricht den Regeln der Gewinnverteilung der SNB, die auch mit dem Finanzdepartement abgesprochen wurden. Entsprechend diesen Regeln erhält die öffentliche Hand eine Milliarde nach Abzug einer Rückstellung für Währungsreserven und nach Abzug der Dividenden, wenn dann die verbleibende sogenannte Ausschüttungsreserve nicht negativ wird.

Die Ausschüttungsreserve ergibt sich aus dem verbleibenden Gewinn nach den genannten Abzügen und dem unverteilten Gewinn des Vorjahres. Letzterer beläuft sich auf 20 Milliarden Franken. Beläuft sich die so berechnete Ausschüttungsreserve sogar auf über 20 Milliarden Franken – für 2017 sind es 69 Milliarden Franken –, werden 2 Milliarden Franken ausbezahlt. Die Zurückhaltung bei der Gewinnverteilung liegt an der hohen Schwankungsanfälligkeit der Gewinne. Die Nationalbank befürchtet, mit geringeren Reserven sonst in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt zu werden, und will ihr Eigenkapital angesichts der Risiken durch ihre grosse Bilanz weiter ausbauen.

3. Ist die Gewinnverteilung in Stein gemeisselt?

Keinesfalls. Die Regeln, die stets nur für eine befristete Zeit von fünf Jahren gelten, können auch wieder geändert werden. Die aktuelle Vereinbarung zwischen der SNB und dem Finanzdepartement läuft im Jahr 2020 aus. Es bestehen schon jetzt Forderungen für einen anderen Zweck der Gewinne. So fordern der emeritierte Wirtschaftsprofessor Franz Jäger und der UBS-Chefökonom der Schweiz, Daniel Kalt, etwa, dass das Geld in einen Staatsfonds einbezahlt wird. Ähnliche Ideen werden vonseiten der Sozialdemokratischen Partei gewälzt. Die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Änderung der Ausschüttungspolitik ist dennoch gering – vor allem, weil hierzu weder die öffentliche Hand noch die SNB bereit sein werden.

Hohe Devisenreserven: Die Nationalbank in Bern. (Bild: Peter Klaunzer)
Hohe Devisenreserven: Die Nationalbank in Bern. (Bild: Peter Klaunzer)

4. Welche Gewinnentwicklung ist für die Zukunft zu erwarten?

Der zukünftige Gewinn hängt vor allem von der Entwicklung des Aussenwerts des Frankens ab, die grundsätzlich nicht vorhersehbar ist. Dass der Jahresgewinn auch für 2018 wieder ein Ausmass wie im laufenden Jahr erreicht, ist aber unwahrscheinlich, da eine weitere Abschwächung des Frankens wie 2017 nicht zu erwarten ist. Das Gleiche gilt für die Börsengewinne. Da im angelaufenen Jahr angesichts der erwarteten Normalisierung der Geldpolitik weltweit eher mit höheren Zinsen gerechnet wird, dürften Anleihen im Portfolio der SNB sogar an Wert verlieren. Höhere Zinsen bedeuten höhere Anleihenrenditen und tiefere Anleihenkurse. Dieser Effekt würde daher auf den SNB-Gewinn drücken.

5. Zeugt die Höhe der Währungsreserven von einer falschen Politik?

Grundlage des hohen SNB-Gewinns sind wie erwähnt die hohen Devisenreserven, die aber auch zu sehr hohen Verlusten führen können. Bis heute wird in der Politik, der Öffentlichkeit und unter Ökonomen die Frage debattiert, wie sinnvoll die Politik der Nationalbank war, die letztlich zu dieser Anhäufung von Devisenreserven und der damit verbundenen Aufblähung der Bilanz geführt hat. Am 15. Januar ist es genau drei Jahre her, seit SNB-Präsident Thomas Jordan die zuvor verteidigte Untergrenze eines Kurses von 1.20 pro Euro aufgegeben hat. Die Folge war ein dramatischer Kurszerfall beziehungsweise eine entsprechende Aufwertung des Frankens. Der Kurs hat sich in der Folge bis zum vergangenen Sommer bei Werten um 1.08 Franken pro Euro eingependelt.

Bilder: SNB hebt Euromindestkurs auf

Stürmische Lage: Mit ihrem Entscheid, den Euromindestkurs aufzuheben, sorgt die Schweizerische Nationalbank für Kursstürze an den Börsen. (15. Januar 2015)
Stürmische Lage: Mit ihrem Entscheid, den Euromindestkurs aufzuheben, sorgt die Schweizerische Nationalbank für Kursstürze an den Börsen. (15. Januar 2015)
Dominique Meienberg
Der Swiss-Market-Index (SMI) fällt am Tag der Aufhebung des Euromindestkurses um 8,7 Prozent. (15. Januar 2015)
Der Swiss-Market-Index (SMI) fällt am Tag der Aufhebung des Euromindestkurses um 8,7 Prozent. (15. Januar 2015)
Walter Bieri, Keystone
Die alten Regeln sind Geschichte: Die Aufhebung des Mindestkurses lässt den Euro deutlich unter 1.20 fallen. (6. September 2011)
Die alten Regeln sind Geschichte: Die Aufhebung des Mindestkurses lässt den Euro deutlich unter 1.20 fallen. (6. September 2011)
Laurent Gillieron, Keystone
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Berechnungen zum Effekt dieses Aufwertungsschocks gehen bis zu 100'000 Stellen, die vor allem dem Industriesektor verloren gegangen sein sollen. Umstritten ist die Frage, welche Alternativen der SNB geblieben wären. Die Bank selber hat damit argumentiert, dass sie ohne die Aufhebung durch weitere Devisenkäufe zur Verteidigung der Untergrenze die Bilanz in einem gefährlichen Ausmass weiter hätte aufblähen müssen. Um sich gegen eine weitere Frankenaufwertung zu stemmen, musste die SNB allerdings ohnehin weiter zukaufen, wie die Zunahme der Devisenanlagen um fast 280 Milliarden seit dem Januar 2015 zeigt. In dieser Zahl enthalten ist allerdings auch die Aufwertung der zugekauften ausländischen Währungen.

Nicht absehbar bleibt, wohin sich der Franken entwickelt.

Mit Blick auf die Entwicklung damals ist es tatsächlich wahrscheinlich, dass die Devisenkäufe noch sehr viel höher ausgefallen wären. Wegen der enormen Zuflüsse in den sicheren Hafen Franken hat die SNB in jenen Tagen auch die Negativzinsen eingeführt. Wie die Entwicklung der Einlagen der Banken bei der SNB zeigt (die Giroguthaben), hat die Nationalbank seit der Abschwächung des Frankens seit dem vergangenen Sommer keine Devisenkäufe mehr vorgenommen.

Je nachdem, wie man die Notwendigkeit, das erwartbare Ausmass, die Gefahren und die ökonomischen Kosten von Devisenkäufen einerseits und die Entwicklung im Industriesektor andererseits einschätzt – zum Beispiel die Frage, wie viele Stellen wegen des strukturellen und technologischen Wandels in der Industrie ohnehin verloren gegangen wären –, beurteilt man heute auch die Politik der SNB. Nicht absehbar war damals jedenfalls, wohin sich der Franken entwickelt – und das gilt nach wie vor.

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