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Fast-Food-Mitarbeiter streiken für höheren Lohn

In keiner anderen Branche klafft die Lohnschere in den USA soweit auseinander wie im Fast-Food-Geschäft. In 150 Städten des Landes forderten die Beschäftigten nun einen Stundenlohn von knapp 14 Franken.

Einkommen ungleich verteilt: Demonstranten in Los Angeles protestieren gegen tiefe Löhne. (4. September 2014)
Einkommen ungleich verteilt: Demonstranten in Los Angeles protestieren gegen tiefe Löhne. (4. September 2014)
Keystone

Tausende Mitarbeiter von Fast-Food-Ketten haben in den USA bei einem landesweiten Streik mehr Lohn gefordert. Nach Angaben der Initiative «Fight for 15» verhaftete die Polizei nach Sitzstreiks bei McDonald's, Burger King, Wendy's und anderen Unternehmen fast 500 Protestierende.

Die Bewegung «Fight for 15» fordert einen Stundenlohn von 15 Dollar (13.85 Fr.) und ging dafür gestern in 150 US-Städten auf die Strasse. Derzeit liegt der in den einzelnen US-Staaten abweichende Mindestlohn im landesweiten Schnitt bei etwa 7.50 Dollar (6.90 Fr.). Neben der Lohnerhöhung wollen die Fast-Food-Mitarbeiter auch eine Gewerkschaft gründen.

In New York blockierten Hunderte Unterstützer die Flaggschiff-Filiale von McDonald's auf dem Times Square. Die Polizei nahm etwa 20 Protestierende in Gewahrsam, die eine Sitzblockade starteten. Die Demonstranten hätten den Verkehr behindert, sagte ein Polizeisprecher.

Insgesamt versammelten sich hunderte unzufriedene Fastfood-Angestellte auf dem berühmten Platz mitten in Manhattan. An anderer Stelle in der Stadt nahmen die Beamten Polizeiangaben zufolge später weitere 15 Demonstranten fest.

In Los Angeles führte die Polizei zehn Personen ab, die sich geweigert hatten, ihre Demonstration aufzulösen. Eine Demonstration in der Region Saint-Louis im Bundesstaat Missouri wurde nach Angaben der Organisatoren wegen der Ausschreitungen in der Stadt Ferguson abgesagt. Sie berücksichtigten damit den Wunsch nach «Frieden» in der Gemeinde. Auch in Los Angeles, Detroit, Boston und anderen Städten kam es zu Festnahmen.

Hohe gesellschaftliche Kosten wegen Tiefstlöhnen

Der Frust ist nachvollziehbar, in keiner anderen Branche klafft die Lohnschere soweit auseinander wie im Fast-Food-Geschäft. Laut Studien verdienen die Chefs dort mehr als tausendmal so viel wie die durchschnittlichen Angestellten.

Während die CEOs ihre Gehälter seit der Jahrtausendwende mehr als vervierfachen konnten und pro Jahr im Schnitt 23,8 Millionen Dollar einstreichen, bieten sie ihren einfachen Angestellten die am schlechtesten bezahlten Jobs der ganzen US-Wirtschaft. Pro Stunde gibt es in der Regel etwa 9 Dollar.

Arbeitsmarktforscher der kalifornischen Berkeley-Universität haben berechnet, dass die niedrigen Löhne in der Branche die amerikanische Steuerkasse teuer zu stehen kommen. Demnach braucht mehr als die Hälfte der Familien der Mitarbeiter Sozialhilfe. Im Rest des Landes seien es nur 25 Prozent.

Insgesamt verursache dies dem Staat jährlich Kosten von 7 Milliarden Dollar. Mehr als eine Milliarde Dollar an Unterstützung erhalten ausgerechnet die Fast-Food-Mitarbeiter in Form von Essensmarken.

Dem aber nicht genug: Die amerikanischen Fast-Food-Unternehmen versuchen sich mit ausgeklügelten Steuertricks aus der Verantwortung zu stehlen.

Burger King etwa versucht seine Steuerlast zu senken. Erst kürzlich kaufte das Unternehmen die kanadische Kaffee- und Donut-Kette Tim Hortons. Im Zuge des Zusammenschlusses soll der Firmensitz des weltweit tätigen US-Fast-Food-Anbieters von Miami in die kanadische Provinz verlegt werden. Experten mutmassen, dass damit die ohnehin schon vergleichsweise niedrige Steuerquote weiter gedrückt werden soll.

Grosse Einkommensunterschiede

Die Situation in der Branche steht stellvertretend für den Trend in ganz Amerika. In keinem Land der Welt sind die Einkommen ungleicher verteilt. Und sie driften immer weiter auseinander.

Der US-Notenbank Fed zufolge haben nur die reichsten Amerikaner von der wirtschaftlichen Erholung nach der grossen Rezession profitiert. Während die wohlhabendsten zehn Prozent der Bevölkerung von 2010 bis 2013 ihre Einkommen um zehn Prozent steigerten, mussten die untersten 60 Prozent Abstriche machen.

Bei Ökonomen lassen die immer massiveren Vermögensunterschiede die Alarmglocken schrillen. Der auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum, dem Treffen der globalen Managerelite im Schweizer Davos, vorgestellte «Global Risk Report» sieht darin sogar die grösste Gefahr für die Weltwirtschaft. Die Einkommensungleichheit lässt den sozialen Kitt bröckeln und kann zum gesellschaftlichen Sprengstoff werden, so das Fazit der 700 an der Studie beteiligten Experten.

Nachdem der französische Ökonom Thomas Piketty mit einem Bestseller über soziale Ungleichheit die öffentliche Debatte in den USA aufgemischt hat, sorgen die Proteste in der Fast-Food-Branche nun für neue Aufmerksamkeit.

Präsident Barack Obama gefällt das. Er fordert vom Kongress ohnehin eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns und kann sich so als Anwalt der Arbeiter hervortun: «Die simple Wahrheit kann nicht abgestritten werden: Amerika verdient eine (Lohn-)Anhebung.»

SDA/ajk

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