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Eine Kurve für SNB-Jordan

Und plötzlich wieder über 1.08: Warum der Euro zum Franken in den letzten Tagen deutlich zulegte.

Kämpfte in den letzten Wochen mit Milliarden gegen den starken Franken: SNB-Präsident Thomas Jordan.
Kämpfte in den letzten Wochen mit Milliarden gegen den starken Franken: SNB-Präsident Thomas Jordan.
Urs Jaudas

Der Franken hat am Montag zum Euro den tiefsten Wert seit mehr als drei Monaten erreicht. Die Gemeinschaftswährung legte im Gegenzug auf bis zu 1,0825 Franken zu. Das ist der höchste Kurs seit Anfang Dezember.

Einen deutlichen Sprung nach oben: Der Euro-Franken-Kurs der letzten Tage.
Einen deutlichen Sprung nach oben: Der Euro-Franken-Kurs der letzten Tage.

Experten führten den starken Euro auch auf Eingriffe der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zurück, die die Währung mit Interventionen schwächt. «Die SNB scheint gewillt, im Vorfeld der niederländischen Wahlen, einen möglichst hohen Kurslevel anzupeilen. Kurse in Richtung 1,0850 sind nun durchaus wieder drin», hiess es bei der Thurgauer Kantonalbank. Zudem dürfte der wieder steigende Dollar angesichts der bevorstehenden Zinserhöhung in den USA auf dem Franken lasten.

Wetten auf eine nahende Zinserhöhung

Die SNB wollte sich nicht dazu äussern. Sie veröffentlicht am Donnerstag ihre vierteljährliche Lagebeurteilung. In den vergangenen Wochen hatte der Franken an Wert gewonnen. Er gilt bei vielen Investoren als sicherer Hafen und ist daher angesichts der Unsicherheit durch die bevorstehenden Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich gefragt.

Der Euro stieg am Montagmorgen auch gegenüber dem Dollar auf den höchsten Stand seit mehr als vier Wochen. Die Gemeinschaftswährung legte bis auf 1,0710 US-Dollar zu. Auftrieb gaben dem Euro zunehmende Wetten auf eine nahende Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB).

Berichte nährten Spekulationen

Genährt wurden die Spekulationen von Berichten der Agenturen Reuters und Bloomberg vom Freitag. Insidern zufolge hat der EZB-Rat bei seiner jüngsten Sitzung kurz über eine Zinserhöhung vor dem Auslaufen des aktuellen Anleihe-Ankaufprogramms gesprochen.

Ein EZB-Führungsmitglied wies hingegen Spekulationen über eine bald anstehende Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik zurück. Die Aussagen nach der Zinssitzung am Donnerstag seien noch kein Signal dafür gewesen, sagte Ratsmitglied Jan Smets dem «Wall Street Journal» (Montagausgabe).

Fokus auf Inflation

«Das spiegelt eine einfache Einschätzung einer etwas geänderten Realität wider, nicht mehr als das», sagte der belgische Notenbankchef. Smets stellte fest, dass es zwar bei den Kerninflationsdaten ohne die schwankungsreichen Energie- und Lebensmittelpreise marginale Verbesserungen gegeben habe und die Gesamtinflation gestiegen sei. Man müsse sich aber die mittelfristigen Aussichten anschauen.

An der Pressekonferenz vom letzten Donnerstag zum Zinsentscheid der EZB legte deren Präsident Mario Draghi den Fokus auf die Inflation. Trotz steigender Preise wolle die Europäische Zentralbank die Inflation weiter anheizen. Es sei noch immer ein «sehr wesentlicher» geldpolitischer Impuls der Notenbank nötig. Wirtschaftsexperten und Analysten sagten dazu:

CLEMENS FUEST, IFO-PRÄSIDENT «Es wäre besser, die Anleihenkäufe ab Mai weiter zu senken. Wir erwarten für 2017 eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent in Deutschland und im Euroraum. Das spricht dafür, dass die Europäische Zentralbank jetzt den Ausstieg aus ihrer expansiven Geldpolitik in Europa beginnt. Sie sollte nun den Fuss vom Gaspedal nehmen und ihre Anleihekäufe um monatlich zehn Milliarden Euro verringern. Das bedeutet, sie im Mai auf 50 Milliarden zu senken, im Juni auf 40 Milliarden und so weiter. Die EZB kauft ab April für 60 Milliarden Euro Anleihen im Monat, um die Inflation in Richtung zwei Prozent anzukurbeln. Die EZB sollte ihre Geldflut eindämmen, sonst besteht die Gefahr, dass sie über ihr Ziel hinausschiesst. Die Unternehmensbefragungen des Ifo-Instituts zeigen, dass immer mehr Firmen die Absicht haben, in den kommenden Monaten ihre Preise anzuheben. Die Ergebnisse deuten auf eine deutsche Kerninflationsrate von rund eineinhalb Prozent im laufenden Jahr. Hinzu kommt noch der Effekt der Energiepreise. Die Inflation kommt nach Deutschland und Europa zurück, denn auch in der Eurozone insgesamt steigen die Preiserwartungen der Unternehmen.»

ISABEL SCHNABEL, WIRTSCHAFTSWEISE «Die EZB hat erneut die Chance verpasst, den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik einzuleiten. Die Anleihekäufe waren eine Reaktion auf die Sorge, dass die Eurozone in eine Deflation rutschen könnte ? davon sind wir inzwischen aber weit entfernt. Trotz der deutlichen Erhöhung der Inflation hat die EZB keinerlei Änderung ihrer Strategie oder Einschätzung bekanntgegeben. Mario Draghi hat erneut auf die vergleichsweise niedrige Kerninflation verwiesen. In der Vergangenheit hat die EZB aber sehr stark auf die fallenden Energiepreise reagiert. Bei steigenden Energiepreisen sieht sie hingegen keinen Handlungsbedarf. Eine derart asymmetrische Reaktion gefährdet die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik. Selbst ohne die jüngsten Inflationsdaten spricht vieles für einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ? vor allem die zunehmenden Risiken für die Finanzstabilität. Zudem wird der Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik immer schwieriger, je länger man an ihr festhält.»

DIHK-AUSSENWIRTSCHAFTSCHEF VOLKER TREIER: «Die EZB hat es heute leider verpasst, die Korrektur ihrer bislang äusserst lockeren Geldpolitik einzuleiten. Zwar ist es noch kein Alarmzeichen, dass die Inflation in Deutschland und Europa wieder zurückgekehrt ist. Die EZB sollte aber lieber früher als später einen Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik einleiten. Ansonsten drohen umso härtere geldpolitische Einschnitte mit erheblichen Bremsspuren für die Finanzmärkte und die Konjunktur im Laufe der nächsten Jahre.»

ULRICH WORTBERG, HELABA: «EZB-Präsident Draghi verfolgt eine Geldpolitik der ruhigen Hand und hält trotz zunehmender Kritik an der sehr expansiven Ausrichtung fest. Draghi betonte, dass die Abwärtsrisiken für das Wachstum etwas abgenommen hätten, sie allerdings weiterhin vorhanden seien. Insofern ist eine graduelle Anpassung des Wordings zu konstatieren. Gleichwohl sei ein hohes Mass an akkommodierender Geldpolitik weiterhin notwendig. Eine selbsttragende, von der Geldpolitik unabhängige Entwicklung der Inflation sei bislang nicht zu sehen. Tapering wurde auf der noch andauernden Pressekonferenz bislang nicht thematisiert.»

FRIEDRICH HEINEMANN, ZEW-INSTITUT: «Es ist richtig, dass die EZB die Märkte nicht durch hektisches Umsteuern in Unruhe versetzt. Die bis Jahresende angekündigten Anleihekäufe müssen jetzt auch zu Ende geführt werden, alles andere würde verunsichern. Dringend nötig wäre aber eine klare Perspektive für 2018 mit einer realistischen Strategie zum Auslaufen der Anleihekäufe. Wie bei jedem Ausstieg aus einer Droge ist mit Entzugserscheinungen an den Anleihemärkten zu rechnen, auch Panikattacken sind denkbar. Daher muss die EZB nun ein sorgfältiges Erwartungsmanagement betreiben. In diesem Punkt sind Draghis Äusserungen aber viel zu vage geblieben. Kritisch zu bewerten ist ausserdem eine auffällige Asymmetrie: In Zeiten fallender Ölpreise hat die EZB die zu niedrige Inflationsrate kaum mit Blick auf fallende Energiepreise relativiert. Jetzt wird plötzlich die Ölpreis-Karte gezogen, um den Inflationsanstieg klein zu reden und die eigene Unentschlossenheit zu rechtfertigen. Diese Argumentation kostet die EZB Reputation, denn sie nährt den Eindruck, dass die EZB grössere Toleranz bei Zielverfehlungen nach oben als nach unten hat.»

sda/afp/ta

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