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Euro-Franken-Kurs stürzt erstmals seit Monaten unter 1.08

Heftige Bewegung am Devisenmarkt. Die Schweizer Währung ist gesucht. Experten rechnen mit Euro-Parität im Falle eines Brexit. Auch die Börse gibt heute stark nach.

Absturz am späten Nachmittag: Plötzlich ging es am Dienstag rasch unter die Marke von 1.08.
Absturz am späten Nachmittag: Plötzlich ging es am Dienstag rasch unter die Marke von 1.08.

Eben noch notierte die Gemeinschaftswährung bei über 1.11 Franken pro Euro. Seit aber die britischen Umfragen in den letzten Tagen ein Ja zum Brexit für ein mögliches Szenario zeigen, reagieren die Märkte heftig.

In den letzten Handelstagen gaben sowohl die Aktienmärkte nach und auch Pfund und Euro schwächeln. Für den Franken sind das bad News. Am späten Nachmittag stürzte der Euro zum Franken erstmals seit Monaten unter die Marke von 1.08. An den Börsen sinken die Kurse erneut. Der SMI verliert bis 17 Uhr über 1,5 Prozent. Den grössten Taucher macht die Credit Suisse mit einem Minus von über 3 Prozent. Der aktuelle Kurs von 11.40 Franken bedeutet einen Tiefststand in diesem Jahrtausend.

Roubini sieht schwarz

Auguren erwarten für den Fall eines Brexit, dass der Euro als Währung des wichtigsten Handelspartners der Schweiz gegenüber dem Franken an Wert verlieren wird. In der derzeitigen Situation, in der sich die Schweizer Exportwirtschaft zwar langsam vom Frankenschock des letzten Jahres erholt, der Franken aber immer noch als überbewertet gilt, würden Schweizer Exporte erneut massiv verteuert.

Der amerikanische Ökonom Nouriel Roubini rechnete Anfang Mai nach einem Treffen mit Vertretern der SNB mit einem Anstieg des Frankens zum Euro in Richtung Parität. In einer solchen Situation wäre die SNB gefordert. Um den Franken, vor allem im Verhältnis zum Euro nicht zu stark werden zu lassen, wird die SNB, wie bis anhin, im Wesentlichen auf zwei Werkzeuge zurückgreifen: Interventionen auf dem Devisenmarkt und die Verschärfung des Negativzinses.

Noch tiefere Negativzinsen?

Auf den Devisenmärkten kauft die SNB Fremdwährungen, in erster Linie Euro, um den Franken zu schwächen. Und mit Negativzinsen erhebt die SNB einen Strafzins auf Geld, das bei ihr geparkt wird. Sollte nun also nach einem Brexit-Votum der Briten die SNB handeln müssen, wird sie zuerst versuchen, die Situation mit Interventionen auf dem Devisenmarkt in den Griff zu bekommen.

Sollte das nicht ausreichen, ist eine neuerliche Verschärfung des Negativzinses denkbar. Roubini rechnete mit einer Ausweitung auf minus 1,0 Prozent bis minus 1,25 Prozent. Die SNB lässt sich dazu nicht in die Karten schauen.

SDA/cpm

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