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Drei Gründe für den starken Euro

Der Höhenflug der Einheitswährung ist eine Bestätigung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Doch die Realwirtschaft lahmt und bringt die EZB in neue Schwierigkeiten.

In der Zwickmühle: EZB-Präsident Mario Draghi.
In der Zwickmühle: EZB-Präsident Mario Draghi.
Nicolas Armer, Keystone

Der Höhenflug des Euro geht weiter. Gestern erreichte er auf den Devisenmärkten gegenüber den wichtigsten anderen Währungen den höchsten Stand seit über einem Jahr. Dafür gibt es drei Gründe:

  • Die Europäische Zentralbank (EZB) verkürzt ihre Bilanz, wie es in der Fachsprache heisst. Konkret bedeutet dies Folgendes: Vor einem Jahr hat die EZB den Banken unlimitierte Kredite zu sehr günstigen Konditionen gegeben. Insgesamt hat sie rund eine Billion Euro verteilt. Weil nun viele Banken ihre Bilanzen wieder saniert haben, beginnen sie, diese Kredite zurückzuzahlen. Wie angekündigt, nimmt die EZB dieses Geld wieder aus dem Umlauf. Insgesamt ist die Bilanz der EZB so um rund 13 Milliarden Euro geschrumpft, allein letzte Woche waren es beinahe 3 Milliarden Euro.
  • Die US-Notenbank, die Bank of Japan (BOJ) und die Bank of England machen genau das Gegenteil. Mit dem sogenannten Quantitative Easing weiten sie die Geldmenge nach wie vor aus, in der Absicht, die Wirtschaft anzukurbeln. Die BOJ hat zudem klar die Absicht, den Yen zu schwächen und Japan endlich aus der schwachen Deflation zu führen.
  • Der überraschende Einbruch der US-Wirtschaft im letzten Quartal 2012 hat das Vertrauen in einen raschen Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft gebremst und den Dollar geschwächt.

Taumelnde Eurozone

Die neue Eurostärke ist ein Geschenk, das gemischte Gefühle weckt. Erfreulich ist, dass die Zinsen in den Defizitländern wieder auf verträgliche Niveaus gefallen sind und dass das Kapital wieder in diese Länder zurückfliesst. In den letzten vier Monaten des Jahres 2012 sind insgesamt 93 Milliarden Euro in die Peripherieländer zurückgekehrt. Doch in der realen Wirtschaft hat dies bisher keine Auswirkungen gehabt. Die europäische Einheitszone taumelt nach wie vor am Rande einer Rezession. Eine erschreckend hohe Arbeitslosigkeit ist die Folge davon.

Die nach wie vor schwache Realwirtschaft bringt die EZB in eine Zwickmühle. Ein starker Euro ist das Letzte, was sie derzeit gebrauchen kann. Selbst die deutsche Wirtschaft ist im letzten Quartal eingebrochen und hat deshalb kein Interesse an einem stärker werdenden Euro. Die EZB wird daher dem Beispiel der anderen Notenbanken folgen und versuchen, den Euro wieder zu schwächen, sei es, indem sie die Leitzinsen senkt, sei es, indem sie ebenfalls eine Form von Quantitative Easing betreibt. Doch die Notenbank allein wird es nicht richten können. Für einen Aufschwung der Realwirtschaft kann letztlich nur die Politik mit geeigneten Massnahmen sorgen.

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