Die Zuversicht der Seco-Ökonomen

Laut dem Seco hat die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative die Wirtschaft nicht gedämpft. Noch nicht? Auffällig ist der Optimismus der Bundesökonomen für die weitere Entwicklung.

Wirtschaftsboom trotz gedrosselter Zuwanderung: Pendler am Badischen Bahnhof in Basel.

Wirtschaftsboom trotz gedrosselter Zuwanderung: Pendler am Badischen Bahnhof in Basel.

(Bild: Keystone)

Simon Schmid@schmid_simon

Kurz nach Annahme der SVP-Initiative schreckte die Credit Suisse mit einer Warnung auf: Wegen Planungsunsicherheiten und der sich abzeichnenden Verringerung der Zuwanderungszahlen werde die Wirtschaft einen Gang zurückschalten, das Stellenwachstum der kommenden Jahre werde dadurch um 80'000 Arbeitsplätze geringer ausfallen. Mittelfristig würde die geringere Dynamik auf dem Arbeitsmarkt rund 0,3 Prozent an jährlichem Wachstum kosten, schätzten die CS-Ökonomen damals.

In ihrer heutigen Publikation bleiben die Forscher bei dieser Aussage. Das positive Bild habe Kratzer erlitten, schreibt die Credit Suisse. «Langfristig dürften Wachstumsraten von zwei Prozent wohl der Vergangenheit angehören.» Entsprechend verhalten fällt bereits die Prognose für die kommenden zwei Jahre aus. Um 2,0 Prozent dürfte das BIP in der Schweiz gemäss der CS im Jahr 2014 wachsen, um 1,8 Prozent im Jahr 2015. Diese Werte liegen deutlich unter dem Konsens von 2,1 Prozent für 2014 und 2,3 Prozent für 2015, den das KOF zum Monatsbeginn in einer Umfrage ermittelt hatte.

Als wäre die gesamte Stadt Zug auf Stellensuche

Auf der anderen Seite des Spektrums findet sich das Seco wieder. Die Bundesökonomen rechnen fürs Jahr 2014 mit einem Wachstum von 2,2 Prozent, 2015 soll diese Grösse bis auf 2,7 Prozent ansteigen. Augenfällig ist die unterschiedliche Einschätzung vor allem fürs kommende Jahr: Im Gegensatz zur Credit Suisse etwa rechnet das Seco 2015 mit 0,9 Prozent mehr Wirtschaftswachstum. Laut dem Seco sinkt die Arbeitslosigkeit 2015 bis auf 2,8 Prozent, laut der Credit Suisse steigt sie bis auf 3,2 Prozent.

Die paar Zehntelprozentpunkte sind durchaus relevant. Ein Unterschied von 0,4 Prozentpunkten bei der Arbeitslosenquote entspricht knapp 18'000 beschäftigten Personen – oder anders ausgedrückt, der Beschäftigung einer gesamten Stadt wie Zug (dort leben inklusive Kindern und Pensionären gut 26'000 Menschen). Auch ein Unterschied in der Wachstumsrate von fast einem Prozent ist keine Lappalie. Über die Jahre kumuliert wirkt sich eine solche Differenz spürbar auf den Wohlstand aus.

Risiken schlagen sich noch nicht in Prognosen nieder

Mehrere Gründe führen zu diesen unterschiedlichen Einschätzungen. So geht das Seco etwa von einer deutlicheren Beschleunigung des Wachstums in der Eurozone und in den USA aus als etwa die CS. Weiter rechnen die Bundesökonomen mit einem längeren Anhalten des Konsumbooms in der Schweiz. «Der Aufschwung in der Schweiz dürfte 2014 und 2015 sowohl an Stärke als auch an Breite – Aussen- und Binnenwirtschaft tragen bei – gewinnen», schreibt das Seco. Mit einer verbesserten Entwicklung der Exportwirtschaft rechnet auch die Credit Suisse.

Der augenfälligste Unterschied betrifft jedoch die Beurteilung der im Februar angenommenen SVP-Initiative. Zwar spricht das Seco hier von einem «potenziellen Risiko für die konjunkturelle Entwicklung in den kommenden Quartalen». Sogleich wird aber relativiert. Die wirtschaftlichen Konsequenzen seien noch kaum abschätzbar, Unternehmensumfragen seit dem Februar würden keinen Stimmungsumschwung anzeigen. «Ihre weitere Entwicklung in den kommenden Monaten gilt es jedoch, aufmerksam zu verfolgen», schreibt das Seco dazu. Damit halten sich die optimistischen Bundesökonomen für ihre kommenden Einschätzungen immerhin ein Hintertürchen offen.

baz.ch/Newsnet

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