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«Die Schweiz wird als Vorreiterin angesehen»

Die Stabilität des Finanzsystems sei gefährdet, befürchtet die Finma. Denn die Banken seien einem plötzlichen Anstieg der Zinsen wohl nicht gewachsen. Die Schweiz habe die Finanzkrise aber vorbildlich bekämpft.

Die Banken sollen nach überstanden geglaubter Finanzkrise ihre Risiken nicht aus den Augen verlieren. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) warnt insbesondere vor den schwelenden Gefahren des seit Jahren anhaltenden Tiefzinsumfelds.

Sowohl weiterhin tiefe Zinsen als auch ein starker Anstieg würden die Banken vor grosse Herausforderungen stellen, sagte Finma-Direktor Patrick Raaflaub an der Jahres-Medienkonferenz der Aufsichtsbehörde in Bern.

Es gebe verschiedene Gründe, weshalb bei tiefem Zinsniveau höhere Risiken eingegangen würden: etwa Renditeziele und geringere Preisschwankungen. So weiteten sich die die Hypothekarkredite im vergangenen Jahr in der Schweiz um satte 6,5 Prozent aus, obwohl die Banken ihre Vergabekriterien nicht gelockert haben wollen.

Laut Finma sind die Banken nun fast ausnahmslos gegenüber steigenden Marktzinsen exponiert. Es gebe aber keine besonders gefährdete Kategorie von Banken.

Ein bedeutendes Zinsänderungsrisiko bestehe nicht nur im Hypothekargeschäft, sondern etwa auch bei Lebensversicherungen. Umso wichtiger sei es, dass die Verwaltungsräte dem Zinsrisiko eine stärkere Aufmerksamkeit entgegenbrächten.

Vertiefte Inspektionen

Die Finma analysiere die Annahmen für die Berechnung der Zinsrisiken aufmerksam und ordne punktuell Korrekturen an, sagte Raaflaub. Ergänzend seien im laufenden Jahr mehrere Vor-Ort-Besuche bei Banken geplant. Anders als die europäischen Aufsichtsbehörden plant die Finma aber keinen speziellen Stresstest für Banken, denn deren Risikoanfälligkeit werde halbjährlich routinemässig überprüft.

Die Finma würde eine baldige Rückkehr zu einem durchschnittlichen Zinsniveau begrüssen, weil es dem Finanzsektor eine deutliche Entspannung brächte. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat allerdings vergangene Woche ihren Leitzins erneut auf Rekordtief belassen.

An die Politik richtet die Finma erneut den Appell, die nach der Finanzkrise entworfenen Massnahmen gegen das Problem zu grosser Banken mit einer impliziten Staatsgarantie (too-big-to-fail) rasch umzusetzen.

Die seit Anfang Jahr tätige neue Finma-Präsidentin Anne Héritier Lachat erinnerte daran, dass die im Parlament hängige Vorlage von der Expertenkommission des Bundes, der auch Vertreter der Grossbanken angehörten, einstimmig beschlossen worden sei.

Man sei nie gegen einen Zwischenfall oder eine Krise gefeit, und die gegenwärtige Krise sei noch nicht ausgestanden, warnte Héritier Lachat, die als langjährige Professorin für Bankenrecht sowie SP-Mitglied Eugen Haltiner an der Finma-Spitze ablöste.

Das Modell Schweiz zur Bekämpfung der Finanzkrise könne international Schule machen, sagt Héritier Lachat, Präsidentin der Finanzmarktaufsicht. «Die Schweiz werde international als Vorreiterin gesehen», so Héritier Lachat im Interview mit Keystone (siehe 0ben).

Mehr Eigenmittel

Mark Branson, ebenfalls früherer UBS-Manager und derzeit Leiter des Geschäftsbereichs Banken, betonte die Notwendigkeit für die schärferen Eigenmittelvorschriften nach «Basel III» und wies die stärker werdende Kritik aus Bankkreisen zurück.

Das erforderliche Kapital für Handelsgeschäfte sei bislang viel zu tief, sagte Branson. Die Mindestanforderungen zur Eigenmittelunterlegung für international tätige Grossbanken reiche nicht aus.

Viele heute anerkannte Kapitalinstrumente, etwa hybrides Kapital, erfüllten ihre Aufgabe als Sicherheitspuffer nicht. Die beiden Grossbanken UBS und CS verfügten im Vergleich mit dem Ausland zwar über eine überdurchschnittlich hohe Kapitalausstattung. Das Kapital sei aber nur von unterdurchschnittlicher Qualität.

Seine Botschaft an die Grossbanken sei: sie sollten sich nicht nur Gedanken machen, wie sie die neuen Anforderungen bis zur geplanten Einführung 2019 umsetzen wollten. Entscheidend sei vielmehr ein rascher Kapitalaufbau. Dass sich daraus der Geschäftsmix der Investmentbanken ändern dürfte, ist laut Branson mit Blick auf die Risiken durchaus zu begrüssen.

SDA/miw

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