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Die Maschinen laufen mit Obama besser

Barack Obamas Stärke ist seine Coolness. Das ist für die labile Lage der Weltwirtschaft besser als ein riskantes Romney-Experiment. Aber auf den Präsidenten warten delikate Aufgaben.

Blick ins Räderwerk, das die Weltwirtschaft antreibt: Obama beim Besuch einer Turbinenproduktion von General Electric bei New York.
Blick ins Räderwerk, das die Weltwirtschaft antreibt: Obama beim Besuch einer Turbinenproduktion von General Electric bei New York.
Reuters
Die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur ist ein heisser Lauf: Obama im Werk des Aluminiumherstellers Skana im US-Staat Wisconsin.
Die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur ist ein heisser Lauf: Obama im Werk des Aluminiumherstellers Skana im US-Staat Wisconsin.
Reuters
Blick in die Zukunft? Barack Obama im GE-Werk Schenectady bei New York.
Blick in die Zukunft? Barack Obama im GE-Werk Schenectady bei New York.
Reuters
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Die Republikaner haben mit grossem Aufwand versucht, Barack Obama als Feind der Wirtschaft darzustellen. Die Fundamentalisten der Tea Party verunglimpften ihn gar als Sozialisten. Darauf sind die Amerikanerinnen und Amerikaner nicht hereingefallen. Sie haben sich mit der Wiederwahl von Obama für die sichere Option entschieden. Das freut nicht nur eine grosse Mehrheit der Menschen in Europa – Obama ist auf dem alten Kontinent sehr beliebt –, das ist auch gut für die Weltwirtschaft.

Die Wirtschaftspolitik des Weissen Hauses in den letzten vier Jahren mag die hohen Erwartungen nicht immer erfüllt haben, aber sie war sehr viel besser als ihr Ruf. Das heisst konkret:

  • Obama hat mit seinem umstrittenen 800-Milliarden-Dollar-Stimulus verhindert, dass die US-Wirtschaft in eine Depression abgeglitten ist. Heute ist gar ein Grossteil der Ökonomen der Meinung, dass das Konjunkturprogramm nicht nur nötig gewesen sei, sondern sogar zu klein ausgefallen sei. Nur eingefleischte Neoliberale halten dieses Programm heute noch für einen Fehler.
  • Ebenso war das Bail-out von GM und Chrysler richtig, ja, es ist aus heutiger Sicht die wirtschaftspolitische Meisterleistung der Obama-Administration und wohl der Grund, warum der Präsident die Wiederwahl geschafft hat. «Osama Bin Laden ist tot, und GM lebt», erklärte der Vize Joe Biden im Wahlkampf. Dem hatte Mitt Romney bis zum Schluss nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.

Mitt Romney hat immer wieder seine Wirtschaftskompetenz betont. Er war zweifellos ein sehr erfolgreicher Manager und Unternehmer. Doch Betriebs- und Volkswirtschaft sind zwei sehr unterschiedliche Sportarten, und es kommt selten vor, dass jemand in beiden ein Champion ist. George W. Bush war ebenfalls stolz auf seine persönliche Manager-Vergangenheit und die hohe Management-Kompetenz seiner Regierung. Das hat ihn nicht daran gehindert, ein wirtschaftspolitisches Desaster zu hinterlassen. Auch Romney konnte nur auf seine Erfolge als Unternehmer hinweisen. Seine Karten in der Wirtschaftspolitik wollte er nicht offenlegen, und das wenige, das er zeigte, war nicht eben vertrauenerweckend. Es waren die alten Rezepte der Trickle-down-Ökonomie, die noch nie funktioniert haben. Deshalb wollten die Amerikaner dieses Risiko nicht noch einmal eingehen.

Der Sieg Obamas wird keinen Boom der US-Wirtschaft auslösen, aber die Chancen stehen gut, dass sich die langsame Erholung der letzten Monate fortsetzen wird. Der Immobilienmarkt hat wieder Boden gefunden, die Konsumenten fassen neuen Mut, und die Schäden des Sturmes Sandy werden für heiss begehrte Jobs in der Baubranche sorgen. Das bedeutet keineswegs, dass wirtschaftspolitisch bereits alles in trockenen Tüchern ist. Es gibt drei grosse Gefahren, die den zarten Aufschwung wieder abwürgen könnten. Es handelt sich dabei um:

  • Die viel zitierte Fiscal Cliff. Darunter versteht man das gleichzeitige Auslaufen von Steuervergünstigungen mit dem Einsetzen von harten Sparmassnahmen. Dies war der unselige Kompromiss des Schuldentheaters im letzten Herbst. Weil die Republikaner im Abgeordnetenhaus ihre Mehrheit verteidigen konnten, haben sie nach wie vor die Möglichkeit, sinnvolle Kompromisse zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Wird die Fiscal Cliff jedoch nicht umschifft, dann droht ein Rückfall in die Rezession. Das Bruttoinlandprodukt könnte bis zu vier Prozent schrumpfen.
  • Iran und Israel. Wenn es am Persischen Golf zu einem Krieg kommen sollte, dann werden die Weltwirtschaft und die amerikanische Wirtschaft ins Trudeln kommen. Der Ölpreis wird in die Höhe schiessen, die Finanzmärkte werden verrückt spielen – und alle werden darunter leiden.
  • Die Eurokrise. Bereits jetzt sind die Gewinne der US-Unternehmen wegen der endlosen Krise um den Euro rückläufig. Ein Zusammenbruch der Einheitswährung wäre wie der Kollaps von Lehman Brothers – nur sehr viel schlimmer. Das internationale Finanzsystem wäre blockiert, eine weltweite Depression wohl unvermeidbar.

Obamas grosse Stärke ist seine Coolness. Er verliert auch in brenzligen Situationen nie die Nerven. Demgegenüber hatte Romney schon im Wahlkampf erklärt, er würde am ersten Tag seiner Präsidentschaft den Chinesen den Währungskrieg erklären. Das kann nicht gut gehen.

Obama ist zuzutrauen, dass er diese Herausforderungen meistern kann. Es ist schliesslich kein Zufall, dass die beiden führenden Wirtschaftszeitungen dieser Welt – die «Financial Times» und der «Economist» – ihn zur Wahl empfohlen haben.

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