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Die Esten zahlen jetzt mit Euro

Die ehemalige Sowjet-Republik Estland hat am Samstag den Euro eingeführt und seine bisherige Währung, die Kronen, aufgegeben. Und trotz der Schuldenkrise in Europa überwiegen Hoffnung und Zuversicht.

Hübsch in der Hand: Die 1-Euro-Münze von Estland.
Hübsch in der Hand: Die 1-Euro-Münze von Estland.
Reuters
... präsentierten Premierminister Andrus Ansip (r.) und Finanzminister Jurgen Ligi die ersten Scheine - frisch aus einem Geldautomaten.
... präsentierten Premierminister Andrus Ansip (r.) und Finanzminister Jurgen Ligi die ersten Scheine - frisch aus einem Geldautomaten.
Reuters
Obwohl die Gegner des Euro immer wieder auf mögliche Risiken hinweisen, ist die Mehrheit der Bevölkerung ...
Obwohl die Gegner des Euro immer wieder auf mögliche Risiken hinweisen, ist die Mehrheit der Bevölkerung ...
Reuters
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Estland ist der 17. Staat, der die europäische Gemeinschaftswährung einführt. Es ist das erste Mal, dass eine ehemalige Sowjet-Republik den Euro einführt. Die Nachbarländer Lettland und Litauen hoffen darauf, ihren Einstieg im Jahr 2014 feiern zu können. Estlands Beitritt gilt angesichts der anhaltenden Krisen in Griechenland und Irland als Vertrauensbeweis für die Gemeinschaftswährung.

Regierungschef Andrus Ansip zog den symbolischen ersten Euro-Schein aus einem Geldautomaten, der eigens dafür vor der Oper in der Hauptstadt Tallinn aufgestellt worden war. Die Einheitswährung tritt an die Stelle der estnischen Krone, die wiederum 1992 den sowjetischen Rubel nach der Unabhängigkeit Estlands ersetzt hatte.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso begrüsste den Beitritt der Esten zum gemeinsamen Währungsgebiet. «Das ist ein starkes Zeichen für die Attraktivität und Stabilität, die der Euro den Mitgliedern der Europäischen Union bringt», erklärte er, «der Euro ist dazu da, das Alltagsleben zu verbessern. Estlands Beitritt bedeutet, dass nun über 330 Millionen Europäer Euro-Scheine und -Münzen in ihren Taschen haben.»

Eine Mehrheit für den Euro

Im Vorfeld der Euro-Einführung hat sich die Regierung in Tallinn trotz vieler negativer Schlagzeilen rund um den Euro hinter die Währung gestellt. Und auch die Esten sprachen sich mehrheitliche für die Ablösung der Krone aus. Die Regierung knüpft grosse Erwartungen an den Beitritt zur Euro-Zone.

Bis zu ein Prozent mehr Wirtschaftswachstum pro Jahr werde der Euro dem Land bringen, sagt der estnische Wirtschaftsminister Juhan Parts unlängst. Er beruft sich dabei auf Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Zuversicht versus Pessimismus

Ministerpräsident Ansip dagegen strich die Stabilität und den Schutz vor Spekulanten hervor, die der Euro-Beitritt mit sich brächten. Ausserdem besteht seiner Ansicht nach die Hoffnung, dass durch den Euro neue ausländische Investoren angelockt werden. Der Wechselkurs der Krone ist bereits seit dem Jahr 2002 an den Euro gekoppelt.

Die Gegner der Euro-Einführung befürchten allerdings, dass Estland durch die Gemeinschaftswährung Schaden nehmen wird. «Wie lange kann ein System, dessen Mitglieder die Stabilitätskriterien nicht einhalten, noch bestehen?», sagt etwa Anti Poolamets, Chef einer estnischen Anti-Euro-Bewegung.

Von der Finanzkrise getroffen

Estland ist nach Slowenien und der Slowakei das dritte osteuropäische Land, das den Euro einführt. Nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 stellte die damalige Regierung radikal von der Plan- auf die Marktwirtschaft um. Das Land erwarb sich dank seines beeindruckenden Wirtschaftswachstums den Ruf des «baltischen Tigers». 2004 trat Estland der EU bei.

Bereits im Jahr 2007 hatte die Regierung in Tallinn den Beitritt zur Euro-Zone versucht. Damals war sie aber gescheitert, weil die boomende Wirtschaft die Inflation seinerzeit zu stark nach oben getrieben hatte.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise erwischte allerdings auch das kleine baltische Land mit 1,3 Millionen Einwohnern kalt: Die Wirtschaftsleistung brach 2009 um 14,1 Prozent ein. Ökonomisch spielt der Einstieg Estlands in die Euro-Zone allerdings kaum eine Rolle: Das Bruttoinlandprodukt des Landes macht gerade einmal 0,2 Prozent der in der Euro-Zone aktuell erwirtschafteten 8,9 Billionen Euro.

SDA/raa

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