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Die Börse weckt Erinnerungen an die Dot-Com-Blase

Der IT-Sektor boomt: 2011 werden so viele Technologiefirmen an die Börse gehen, wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Doch es gibt Anzeichen, dass die Anleger vorsichtiger sind als beim letzten Mal.

Die Anleger haben seit dem Jahr 2000 dazugelernt: Ein Nasdaq-Bildschirm zeigt den Apple-Börsenkurs am 24. Mai 2011.
Die Anleger haben seit dem Jahr 2000 dazugelernt: Ein Nasdaq-Bildschirm zeigt den Apple-Börsenkurs am 24. Mai 2011.
Keystone

Da werden Erinnerungen an 1999 wach. Etliche Internetfirmen – einige profitabel, andere nicht – sehen ihre Chance, noch in diesem Jahr an die Börse gehen zu können. Aber es gibt auch Unterschiede zur sogenannten Dot-Com-Blase von der Jahrtausendwende: Noch ist nichts davon zu merken, dass Investoren praktisch blind die Aktien der neuen Unternehmen kaufen. Es scheint so, als ob dieses Mal alle einen kühlen Kopf bewahren.

Dafür sorgt auch das weltwirtschaftliche Umfeld, das sich keineswegs stabil präsentiert, sondern immer wieder Anlass zu Sorgen gibt. Doch Internetfirmen sind gefragt, wie schon einem Jahrzehnt nicht mehr: Von den 74 Börsengängen in den USA in diesem Jahr waren 28 Internet- und Technikfirmen, wie die Beratungsfirma Renaissance Capital mitteilte. Wenn, wie erwartet, weitere 31 Börsengänge von Technologiefirmen bis Jahresende hinzukommen, dann wird das die höchste Zahl in diesem Sektor seit 2000 sein.

Die wieder wachsende Begeisterung für Anbieter von Internet-Dienstleitungen zeigt auch, wie weit sich das Web seit dem Dot-Com-Boom entwickelt hat. Schätzungsweise zwei Milliarden Menschen auf der Welt haben inzwischen Zugang zum Internet, das ist acht Mal so viel wie 2000. Breitbandverbindungen sind Standard, was das Internet nicht nur zur Informations-, sondern auch zu einer Unterhaltungsplattform macht. Mit Mobilgeräten kann man praktisch immer und überall ins Internet gehen.

Geld für einen vielversprechenden Wirtschaftszweig

«Ich seh' da keine Blase», sagte Marc Andreessen, der Gründer des einst wegweisenden Browsers Netscape schon im März der Nachrichtenagentur AP. Er ist inzwischen als Organisator von Risikokapital tätig, der in etliche Firmen investiert hat, deren Umsätze stetig steigen.

Auch das ist etwas, was es im Dot-Com-Boom Ende der 90er-Jahre fast gar nicht gab. Deshalb sei es nur logisch, dass Geld in diesen vielversprechenden Wirtschaftszweig fliesse, sagt Andreessen. «Ich denke, die Menschen verwechseln Erfolg mit einer Blase. Vielleicht funktionieren die Dinge ja auch einfach nur.»

Dagegen spricht, dass einige etablierte Internetfirmen derzeit gar nicht so gefragt sind. Das gilt auch für Google, dessen Kurs trotz eines robusten Wachstums in diesem Jahr um rund 100 Dollar oder 18 Prozent nachgegeben hat.

Aktienkurse verdoppelten sich – zunächst

Ausgelöst hat die Debatte um eine neue Dot-Com-Blase die Netzwerk-Website LinkedIn, deren Kurs sich nach dem Börsengang verdoppelte. Das führte zu einem vorübergehenden Marktwert für das Unternehmen von neun Milliarden Dollar, dem höchsten seit dem Start von Google an der Börse 2004.

Dann kam das Internetradio Pandora Media, dessen Ausgabekurs sich wegen der grossen Nachfrage verdoppelte. Am Ende des ersten Handelstags lag Pandora bei einem Marktwert von 2,8 Milliarden Dollar – und damit über dem Wert von AOL. Das Unternehmen, das wie kaum ein anderes für die Dot-Com-Blase steht, wurde Anfang 2000 mit mehr 160 Milliarden Dollar bewertet.

Schon am zweiten Tag ging es aber für Pandora wieder abwärts, der Kurs sank sogar noch unter den Ausgabewert. Auch LinkedIn verlor inzwischen wieder ein Viertel seines Werts.

Weitere Unternehmen in den Startlöchern

Die Vorsicht könnte kurzlebig sein. Das auf Online-Gutscheine spezialisierte Unternehmen Groupon steht in den Startlöchern und könnte beim Börsengang mehr als 25 Milliarden wert sein – mehr als Google bei seinem Start. Der Umsatz bei Groupon wächst zwar rasant, aber im Gegensatz zu Google macht das Unternehmen Verlust: 413 Millionen Dollar waren es im vergangenen Jahr.

Zu den weiteren mit Spannung erwarteten Börsengängen gehört Zynga, ein Hersteller von populären Online-Games. Und dann ist da natürlich noch Facebook, dessen Wert schon jetzt von privaten Investoren auf 85 Milliarden geschätzt wird. Facebooks Börsengang könnte im nächsten Frühjahr sein.

dapd/ssc

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