Die Angst vor dem Ölpreisschock

Innerhalb eines Jahres legte der Ölpreis um 50 Prozent zu. Und der Anstieg beschleunigt sich weiter. Nun schauen die Beobachter gebannt nach Saudiarabien und befürchten schon einen Ölpreis bei 200 Dollar.

Das schwarze Schmiermittel für die Weltwirtschaft wird immer teurer: Technische Einrichtungen an einer libyischen Ölanlage.

Das schwarze Schmiermittel für die Weltwirtschaft wird immer teurer: Technische Einrichtungen an einer libyischen Ölanlage.

(Bild: AFP)

Matthias Chapman@matthiaschapman

Mit dem Ölpreis steigt die Nervosität bei den Regierungen rund um die Welt. Die grosse Angst: Steigen die Preise weiter so rasant an wie in den letzten Wochen, würgt das den zaghaften Aufschwung ab. Grossbritanniens Energieminister Chris Hune befürchtet schon Zustände wie damals, als der Ölpreisschock die Weltwirtschaft in die Krise stürzte.

«Sollte sich der Ölpreis verdoppeln – von 80 Dollar im letzten Jahr auf 160 Dollar pro Barrel (159 Liter) – würde das unsere Wirtschaft über die nächsten zwei Jahre 45 Milliarden Pfund kosten. Das ist nicht einfach Spekulation. Es ist ein drohendes Szenario», erklärte Hune gestern. Gleichzeitig warb der Minister für einen möglichst raschen Umbau der britischen Wirtschaft, hin zu weniger Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

Der warnende Professor

Gut möglich, dass sich Hune durch ein Interview des renommierten britischen Historikers Niall Ferguson im «Telegraph» zusätzlich beunruhigen liess. Der in Harvard lehrende Professor und Kenner der Wirtschafts- und Finanzgeschichte, prophezeite einen Anstieg des Ölpreises auf 200 Dollar pro Fass, sollten sich die Unruhen in der arabischen Welt noch weiter ausdehnen.

Die Stossrichtung der Warnungen ist klar: Zentral für die weltweite Ölversorgung ist und bleibt Saudiarabien. Das sieht auch Rolf Hartl von der Schweizerischen Erdölvereinigung so: «Bei einem Übergreifen der Unruhen auf Saudiarabien ist das Ausmass der Preisaufschläge – zumindest kurzfristig – unabsehbar», so Hartl gegenüber baz.ch/Newsnet. Auch er hält bei einem solchen Szenario 200 Dollar pro Fass für möglich.

Die Saudis als Swing-Producer

Die Protestbewegungen im grössten Staat auf der arabischen Halbinsel sind bis anhin eher klein. Zwar gibt es auch dort Demonstrationsaufrufe via Facebook und Twitter. Die Herrscherfamilie versteht es aber offenbar, das Volk bei Laune zu halten. Soeben hat König Abdullah laut verschiedenen Medienberichten ein milliardenschweres Unterstützungspaket für die Bevölkerung angekündigt. Rund 36 Milliarden Dollar sollen demnach via Sozialausgaben die Bewohner des Landes erreichen.

Saudiarabien ist nicht nur der schieren Menge wegen wichtig für den weltweiten Ölmarkt. «Die Saudis sind sogenannte Swing-Producer», erklärt Hartl. Sie hätten als praktisch einziger Grossproduzent die Möglichkeit, Ausfälle anderer Staaten kurzfristig auszugleichen.

Bald Benzinpreis-Aufschlag

Zwar ist die Abhängigkeit der Schweiz von den arabischen Ländern gar nicht so gross. Vielmehr kommt hiesiges Öl zu einem Grossteil aus den kaukasischen Staaten sowie Russland. Aber der Preis wird nun mal an den Weltmärkten gemacht, und dort bezahlt man derzeit eine «happige politische Prämie», wie es Hartl formuliert.

Ein Vorteil sieht Hartl derzeit im Schweizer Ölmarkt. «Der tiefe Dollar dämpft die Preisentwicklung.» Nichtsdestotrotz liege nun eine Preiserhöhung beim Benzin in der Luft. Die Beschaffungskosten bei den Verteilern hätten sich in den letzten Wochen deutlich verteuert. Noch lässt sich Hartl durch die aktuelle Entwicklung wenig beeindrucken. Aber: «Je länger die Krise dauert, desto schwieriger wird die Situation auch auf dem Ölmarkt.»

baz.ch/Newsnet

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