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Deutschland braucht sechs Millionen Gastarbeiter

Demografiebedingt fehlen Deutschland gemäss einem Regierungsbericht bis 2025 Millionen Arbeitskräfte. Das Land brauche eine bessere «Willkommenskultur». Die Bevölkerung zeigt sich wenig begeistert.

Arbeiter laden in Berlin ein Wahlplakat des ehemaligen deutschen Aussenministers und Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf einen Wagen. (28. September 2009)
Arbeiter laden in Berlin ein Wahlplakat des ehemaligen deutschen Aussenministers und Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf einen Wagen. (28. September 2009)
Reuters

Die deutsche Regierung sieht auf Deutschland eine alarmierende Fachkräftelücke zukommen und will die Zuwanderung deshalb vorantreiben. Das geht aus der Demografiestrategie der Bundesregierung hervor, deren Entwurf dem Nachrichtenmagazin «Focus» laut Vorabbericht vorliegt.

Demnach könnten Deutschland demografiebedingt bis 2025 sechs Millionen Arbeitskräfte fehlen, wenn nicht aktiv gegengesteuert wird. «Die verstärkte Aktivierung der inländischen Fachkräftepotenziale allein» werde «nicht ausreichen, um den Fachkräftebedarf in Deutschland zu decken», heisst es dem Bericht zufolge in dem Entwurf.

«Bemühungen um eine Willkommenskultur»

Um dieselbe Anziehungskraft auf ausländische Fachkräfte, Studierende oder Auszubildende wie klassische Einwanderungsländer auszuüben, müsse sich Deutschland «noch stärker als attraktiver Arbeits- und Lebensstandort profilieren und seine Bemühungen um eine Willkommenskultur verstärken», heisst es in dem Entwurf weiter. Die Demografiestrategie soll am 14. Mai im Mittelpunkt des zweiten Demografiegipfels der Bundesregierung stehen.

Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage für den «Focus» indes mässig. 26 Prozent der Befragten stimmen zu, dass Deutschland mehr ausländische Fachkräfte benötigt. 38 Prozent der Befragten sagten dagegen, es sollten weniger sein. Für die Umfrage wurden vom 30. April bis 2. Mai 1004 Personen befragt.

Warnung vor dramatischem Wohlstandsverlust

Der neue Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, warnte ebenfalls vor den Folgen des demografischen Wandels. «Wenn wir nicht gegensteuern, droht uns ein dramatischer Wohlstandsverlust», sagte Schweitzer. Um die Lücke zu schliessen, plädierte er für mehr Zuwanderung. Pro Jahr würden etwa 120'000 zusätzliche Fachkräfte aus dem Ausland benötigt. Mit Blick auf mögliche Ressentiments seitens der Bevölkerung ergänzte Schweitzer, «im Boot ist viel Platz».

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, kündigte in dem Magazin an, das Thema von mehr Migranten für den öffentlichen Dienst werde ein Schwerpunkt des nächsten Integrationsgipfels sein. Sie kritisierte zugleich, dass junge Menschen mit türkischem Hintergrund noch immer geringere Chancen bei der Ausbildung hätten.

Neben der Zuwanderung sieht die Demografiestrategie dem Bericht zufolge bei Frauen und arbeitslosen Jugendlichen zwei weitere Potenziale, um die Arbeitskräfte-Lücke zu schliessen. Um junge Leute ohne Berufsabschluss zu motivieren, will die Bundesregierung demnach Geldprämien beim Bestehen von Prüfungen testen.

AFP/rub

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