Zum Hauptinhalt springen

Deutsche Banken in Schieflage

Stresstests: Einige deutsche Banken brauchen wohl mehr Kapital als bisher gedacht. Die Deutsche Bank denkt über einen Verkauf von Teilen ihrer Vermögensverwaltung nach, bei andern wird Staatshilfe nötig.

Es wird wieder eng: Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main. (4. Dezember 2007)
Es wird wieder eng: Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main. (4. Dezember 2007)
Keystone

Die geforderte Aufstockung der Finanzpolster bis im Juni 2012 bereitet einigen Banken in Deutschland Mühe. Dabei hatte es nach den Ende Oktober veröffentlichten Stresstests der europäischen Bankenaufsicht EBA gut ausgesehen. Banken in der EU fehlten demnach insgesamt 106 Milliarden Euro, wobei nur 5,2 Milliarden Euro auf deutsche Banken entfielen.

Seither hat sich die Situation jedoch verschlechtert und die EBA will den Test laut «Financial Times Deutschland» (FTD) mit den Marktwerten der Staatsanleihen von Ende September statt von Ende Juni wiederholen. Die neu berechnete Finanzlücke könnte sich so auf rund 10 Milliarden Euro fast verdoppeln. Ausserdem könnten neben den vier bisher genannten deutschen Banken weitere Institute dazukommen.

Wenig Hoffnung für Commerzbank

Die Neuberechnung dürfte vor allem für die Commerzbank zum Problem werden. Statt wie zuvor 2,9 Milliarden Euro schätzen Analysten ihren Bedarf an zusätzlichem Kapital neu auf 5 Milliarden. Schuld sind in erster Linie die knapp 8 Milliarden italienischen Staatsanleihen, die das Institut hält, wie die «Welt» schreibt. Analysten der UBS rechnen demnach gar mit einem Kapitalbedarf von 6 Milliarden Euro für die zweitgrösste Bank Deutschlands.

Als gestern erste entsprechende Gerüchte die Runde machten, sackte der Aktienkurs der Commerzbank noch einmal 15 Prozent ab. Die Papiere kosten nur noch etwas mehr als ein Euro. Die ganze Bank wird an der Börse noch mit rund 6,5 Milliarden Euro bewertet.

Staat für Commerzbank – Markt für Deutsche Bank

Der deutsche Staat, der nach einer ersten Rettungsaktion im Zuge der Finanzkrise von 2008 bei der Commerzbank bereits 18 Milliarden Euro eingeschossen hatte und nun 25 Prozent hält, wird damit wohl noch einmal in die Bresche springen müssen. Zwei von FTD und «Welt» zitierte Finanzanalysten glauben nicht, dass die Commerzbank 5 Milliarden auf dem Markt wird finden können. Dabei habe sich das Institut bereits Beschränkungen im Hypotheken-Neugeschäft und bei nicht-deutschen und nicht-polnischen Kunden auferlegt.

Auch die Deutsche Bank könnte nach der Neuberechnung der Stresstests mehr Kapital brauchen als die bisher herumgereichten 1,2 Milliarden Euro. Die grösste Bank Deutschlands überprüft deshalb ihr Asset- und Wealth-Management. Für Teile der Vermögensverwaltung werden ein Verkauf, aber auch Zukäufe, Schliessungen oder die Beibehaltung des aktuellen Geschäfts geprüft. Laut «Financial Times Deutschland» verwalten die betroffenen Bereiche 350 Milliarden Euro für institutionelle Investoren.

Teufelskreis Vertrauenskrise

Die deutschen Banken sind mit ihren Geldsorgen nicht allein. «Es gibt derzeit ein kollektives Misstrauen gegenüber europäischen Staatsanleihen und Banken», sagt ein Finanzmarktexperte gegenüber dem «Spiegel». Dabei schaukeln sich das Banken und das Staatsanleihenproblem gegenseitig hoch. Die Banken werden gemieden, weil sie viele zunehmend als riskant eingestufte Staatspapiere halten. Und die Banken versuchen, im grossen Stil Staatsanleihen los zu werden, um ihre Risikopositionen zu reduzieren. Diese Verkäufe belasten wiederum die Kurse der Anleihen.

«Spiegel» zitiert eine Studie der Investmentbank Goldman Sachs, wonach die 55 grössten Banken aus Europa zwischen Ende Juni und Ende September italienische Anleihen im Wert von 26 Milliarden Euro auf den Markt geworfen haben. Dadurch konnten sie ihre Bestände um fast ein Drittel reduzieren. Dieselben Institute verkauften demnach für 6,8 Milliarden Euro spanische Staatstitel und verkleinerten die entsprechende Position um 29 Prozent.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch