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Der Öl-Discounter

Trotz Embargo des Westens: Der Iran versucht, den Ölmarkt mittels tiefer Preise mit seinem wichtigsten Exportgut zu überschwemmen. Geht diese Strategie auf? Die Reaktionen der wichtigsten Kunden.

Den Hahn für den Westen haben die Iraner weitgehend zugedreht. Nun soll mehr Öl dank Tiefstpreisen gegen Osten fliessen: Techniker in der Petrochemieanlage nahe Ahvaz. (Archiv)
Den Hahn für den Westen haben die Iraner weitgehend zugedreht. Nun soll mehr Öl dank Tiefstpreisen gegen Osten fliessen: Techniker in der Petrochemieanlage nahe Ahvaz. (Archiv)
Keystone

Mit vorteilhaften Handelsbedingungen versucht der Iran, sein Öl trotz westlichen Embargos abzusetzen. Dies meldet das Wirtschaftsblatt «Financial Times» unter Berufung auf Vertreter der Ölbranche.

Vor allem in asiatischen Ländern, darunter Indien, hausierten die Iraner mit verlängerten Zahlungsfristen. 180 Tage – rund ein halbes Jahr also – können sich Abnehmer iranischen Öls mit dem Begleichen der Rechnungen Zeit lassen, ohne dass Zinsen erhoben würden. Zum Vergleich: Andere Ölproduzenten im Nahen Osten gewähren 30 Tage Kredit. Der Iran hat besonders guten Kunden wie den Chinesen laut «Financial Times» bisher 60 bis 90 Tage gewährt.

Dennoch stockt der Absatz

Die verlängerten und zinsfreien Zahlungsfristen führten alles in allem zu einem Rabatt von 7,5 Prozent auf das derzeit mit 118 Dollar bewertete Fass Öl. Das bedeutet einen Preisnachlass von rund 8.90 Dollar auf rund 159 Liter Öl.

Doch offenbar stockt der Absatz trotz Discountpreisen. Grosse Abnehmer wie die EU-Länder, die Türkei, Japan, Südkorea und auch China haben angekündigt, die Einfuhr von iranischem Öl drastisch zurückfahren zu wollen. Die USA und die EU sehen die von ihnen vorangetriebenen Sanktionen als wirkungsvollsten Hebel, um im Konflikt um das iranische Atomprogramm auf diplomatische Weise Druck auf Teheran auszuüben.

Bloss keine Schwäche zeigen

Zudem hat der Iran nach Verhängung der Sanktionen den Angriff als Verteidigungsstrategie gewählt. Das Embargo sollte ab Juli in Kraft treten – doch Teheran hat laut Presseberichten bereits gestern sämtliche Ölexporte nach Deutschland eingestellt. Iranische Medien hatten bereits früher Ausfuhrstopps für Frankreich, Grossbritannien, Griechenland und Spanien gemeldet. Von der iranischen Regierung bestätigt ist bisher jedoch einzig der Exportstopp für Griechenland. Schätzungen zufolge gehen rund 18 Prozent der iranischen Ölexporte in die EU. Das Motto der Mullahs scheint zu lauten: Bloss keine Schwäche zeigen.

Die iranische Rabattoffensive kann als Zeichen gewertet werden, dass die Sanktionen des Westens ihre ökonomische Wirkung nicht verfehlen. «Die Fristerstreckung ist für die Iraner der einfachste Weg, um Rabatt zu gewähren», zitiert die «Financial Times» einen europäischen Ölhändler. «Ich denke aber, dass nur wenige in Versuchung kommen.»

Exporte auf Zehnjahrestief

Die Internationale Energiebehörde (IEA) schätzt, dass die Ölausfuhren aus dem Iran im Februar auf einem Zehnjahrestief angekommen sind. Das wirkt sich auf das weltweite Angebot aus – und damit auf die Preise, die seit Dezember um rund 20 Prozent gestiegen sind.

Gefahr der Isolation

Ob die offensichtlich funktionierenden wirtschaftlichen Sanktionen auch die gewünschte politische Wirkung entfalten werden, wird sich zeigen müssen. Die zunehmende Isolation des Landes könnte auch diplomatische Wege verbauen. Laut einem Bericht von «Spiegel online» will Teheran nun Importe von 100 deutschen Unternehmen stoppen.

«Wir haben genügend Währungsreserven», zeigte sich der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad kürzlich gelassen. «Unserem Land wird es gut gehen, auch wenn wir die nächsten zwei oder drei Jahre kein einziges Fass Öl verkaufen.»

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