Das grosse Zittern vor dem Banker-Hearing

Ab 15 Uhr muss der geschasste Barclays-Chef Bob Diamond in Sachen Liborgate vor einem Parlamentsausschuss Red und Antwort stehen. Zündet er eine Bombe über «the city»? baz.ch/Newsnet berichtet live.

Was sagt er heute Nachmittag den Parlamentariern zum Liborskandal? Ex-Barclays-Chef Bob Diamond. (Archiv, 8. Juni 2011)

Was sagt er heute Nachmittag den Parlamentariern zum Liborskandal? Ex-Barclays-Chef Bob Diamond. (Archiv, 8. Juni 2011)

(Bild: Reuters)

Matthias Chapman@matthiaschapman

In London gibt es seit Tagen nur ein grosses Thema, die Affäre um die manipulierten Liborkurse. Nachdem eine der Hauptbeschuldigten, die britische Barclays, bereits mit knapp einer halben Milliarde Dollar gebüsst wurde, geht bei anderen Grossbanken das grosse Zittern los. Wer war wie tief in die Machenschaften verstrickt? Wer wird noch zur Verantwortung gezogen? Und wie hoch fallen die Bussen für weitere Institute aus?

Anhaltspunkte zur Beantwortung dieser Fragen dafür könnte der Buhmann der Stunde, der geschasste Barclays-Chef Bob Diamond, heute Nachmittag geben. Dann nämlich, wenn er ab 14 Uhr persönlich vor einem Parlamentsausschuss Red und Antwort stehen muss.

Nick Leeson schaltet sich ein

«Die Diamond-Anhörung könnte grossen Schaden über die ‹City› bringen», sagte heute Morgen der frühere Skandal-Banker Nick Leeson in der Sendung «BBC Breakfast». «Hope so», twitterte kurzerhand ein Kenner der Branche.

Zwar sorgte die Tatsache, dass die altehrwürdige BBC ausgerechnet den Banker eingeladen hatte, der für einen der grössten Skandale in der britischen Finanzwirtschaft verantwortlich ist, für hämische Kommentare. «Nick Leeson hat keine Berechtigung, über moralische Aspekte des Banking zu debattieren. Dieser Mann hat selber eine Bank in den Abgrund geführt», lautete die prompte Reaktion eines Twitterers. Tatsächlich verursachte Leeson in den 90er-Jahren mit riskanten Spekulationsgeschäften den Untergang der ältesten britischen Investmentbank Barings.

Regulationsbehörde in der Kritik

Gerade wegen seines Wissens in betrügerischen Machenschaften aber schien Leeson für die BBC der richtige Gesprächspartner. «Keiner kennt die Risiken besser als ein Wilderer, der sich zum Wildhüter gewandelt hat», lautet denn auch ein Kommentar.

In der BBC-Debatte kritisiert der Ex-Banker die britische Regulationsbehörde. Statt proaktiv zu agieren, reagiere diese nur. Und: Kriminelle Machenschaften in der Finanzbranche sollten viel intensiver verfolgt und geahndet werden. Hier spricht einer, der die Gefängniszelle von innen kennt. Leeson wurde wegen Urkundenfälschung, Untreue und Betrug zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, vier davon sass er ab.

Schwarz-Peter-Spiel

In Kritik gerät überdies nicht nur die Regulationsbehörde. Der angeschuldigte Diamond hat im Vorfeld der heutigen Anhörung auch gegen die Bank of England geschossen. Die britische Notenbank hat ihm zufolge von den Zinsmanipulationen bei der Bank gewusst. Es sieht ganz danach aus, als ob das Schwarz-Peter-Spiel gerade eben erst begonnen hat. Was wohl Diamond heute Nachmittag für Karten zückt?

* baz.ch/Newsnet berichtet vom Diamond-Hearing ab 15 Uhr live.

baz.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt