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«Das führt zum totalen Zusammenbruch»

Der US-Wirtschaftswissenschaftler Nouriel Roubini warnt vor dem Ende der Eurozone. Noch beunruhigender: IWF-Chefin Christine Lagarde sagt, es bleiben nur noch drei Monate zur Lösung der Krise.

«Ich denke, dass die Steuerzahler ihren Verpflichtungen nachkommen, ist ein wichtiges Mittel zur Verbesserung der Situation eines jeden Landes»: Christine Lagarde.
«Ich denke, dass die Steuerzahler ihren Verpflichtungen nachkommen, ist ein wichtiges Mittel zur Verbesserung der Situation eines jeden Landes»: Christine Lagarde.
Reuters
«Für Deutschlands Steuerzahler billiger, als die Eurozone kaputtgehen zu lassen»: Nouriel Roubini.
«Für Deutschlands Steuerzahler billiger, als die Eurozone kaputtgehen zu lassen»: Nouriel Roubini.
Reuters
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Dr. Doom lautet sein Spitzname. Seit er damals vor versammelter Wirtschaftswelt für 2004 vor einem Platzen der Immobilienblase warnte und später die Wirtschaftskrise voraussah, horcht die Finanzwelt auf, wenn der Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini sich zu Wort meldet. In Interviews mit der deutschen «Bild»-Zeitung und dem Nachrichtenmagazin «Spiegel» hat Dr. Doom seinem Namen wieder einmal alle Ehre gemacht.

Kurz vor der schicksalshaften Parlamentswahl in Griechenland am 17. Juni warnt er nun eindringlich davor, Griechenland die Unterstützung aufzukündigen: «Wer den Griechen den Stecker zieht, provoziert den totalen Zusammenbruch der Eurozone», sagte Roubini der «Bild» (Artikel online nicht verfügbar).

«Kann nicht im deutschen Interesse sein»

Auch wenn die Radikallinke Allianz Syriza die Wahl gewinnen sollte, also jene Partei, welche die EU-Sparmassnahmen nicht einhalten will: Die EU müsse Griechenland entweder in der Eurozone halten oder dem Land einen geregelten Ausstieg ermöglichen. Athen solle also auch bei einer Rückkehr zur Drachme finanziell unterstützt werden. «Beides ist für Deutschlands Steuerzahler billiger, als die Eurozone kaputtgehen zu lassen.» Kollabiere Griechenland, würden viele Anleger in Panik geraten, sagte Roubini der Zeitung. «Dann gibt es einen Run auf die Banken in Portugal, Spanien und Italien», führte er aus.

Der Wohlstand Deutschlands hänge eng mit der Währungsunion zusammen, da der Euro den deutschen Exporteuren Wettbewerbsvorteile biete. «Die Hälfte dieses Markts in eine Rezession zu befördern, kann nicht im deutschen Interesse sein», sagte Roubini gegenüber dem «Spiegel».

Lagarde: Noch drei Monate Zeit

Noch beunruhigender ist, dass nicht nur Dr. Doom warnt, sondern auch IWF-Chefin Christine Lagarde. Es brauche Eurorettungsmassnahmen und zwar «innerhalb von drei Monaten», sagte sie im Interview mit CNN. Die Französin bestätigte damit eine Äusserung der Wall-Street-Legende George Soros, welcher Europa nur noch drei Monate zur Lösung der Krise gab. Über die Zukunft Griechenlands in der Währungsunion gab Lagarde keine Prognose ab. «Es wird eine Frage der Entschlossenheit und des Schwungs sein.»

Abermals bekräftigte Christine Lagarde ihre Forderung zur Notwendigkeit von Steuerzahlungen in Griechenland. «Ich denke, dass die Steuerzahler ihren Verpflichtungen nachkommen, ist ein wichtiges Mittel zur Verbesserung der Situation eines jeden Landes – in Griechenland, wie in anderen Ländern.» Die IWF-Chefin hatte die Steuerhinterziehung in Griechenland wiederholt als eines der grössten Probleme des Landes bezeichnet.

Renditen für spanische Anleihen steigen

Bedenken um die noch nicht festgelegten Details der Finanzhilfe von bis zu 100 Milliarden Euro für die spanischen Banken sorgen auf den Kapitalmärkten auch heute weiter für Verunsicherung.

Die Renditen für spanische Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit stiegen auf 6,6 Prozent und damit gefährlich nahe an das Niveau von sieben Prozent, bei dem Griechenland, Irland und Portugal um Rettungspakete hatten ansuchen müssen.

«Schnell, Frau Merkel»

Nach Meinung der italienischen Tageszeitung «Il Sole 24 Ore» handelt Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Eurokrise zu zögerlich: «Schnell, Frau Merkel», titelte das Blatt auf Deutsch unter einem Foto der Kanzlerin. «Frau Merkel, Sie können so nicht weitermachen, Sie kommen nicht weit, wenn Sie weiterhin gleichgültig auf die Wut der Griechen, den verletzten Stolz der Spanier sowie die italienischen und französischen Ängste regieren», schrieb der Journalist Roberto Napoletano. Auch «ein starkes Deutschland» könne «zwischen dem Schutt anderer Länder nicht überleben». «Es braucht eine klare Botschaft an die Märkte: Europa lebt und geht nicht unter, Punkt», schrieb Napoletano weiter.

Nötig seien daher eine Bankenunion mit gemeinsamer Einlagensicherung, direkte Zugänge für Banken zu Finanzhilfen und eine «Vereinheitlichung der europäischen Schulden». Die deutsche Bundesregierung lehnt alle drei Forderungen bislang ab. «Kann man, mit etwas gesundem Menschenverstand, behaupten, dass Europa lebt, wenn man den Märkten erlaubt, straflos ein Land nach dem anderen anzugreifen?», fragte Napoletano daher an die Adresse Merkels.

Barroso fordert Bankenunion

Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat seine Forderung nach einer europäischen Bankenunion bekräftigt. Die Banken der Europäischen Union sollten von einer grenzüberschreitenden Behörde beaufsichtigt werden, sagte Barroso der in London erscheinenden Zeitung «Financial Times». Der Plan könne bereits bis zum kommenden Jahr realisiert werden, ohne dass dafür bestehende Verträge geändert werden müssten. «Unter den EU-Mitgliedsstaaten gibt es jetzt ein viel klareres Bewusstsein über die Notwendigkeit, in Sachen Integration weiter zu gehen, insbesondere im Bereich des Euros», sagte Barroso dem Blatt. Dies sei eine «Lehre aus der Krise».

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