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Chinas Rohstoffmonopol beunruhigt die Industrienationen

95 Prozent der für die Hightech-Industrie unverzichtbaren «Seltenen Erden» wird in China produziert. Das schürt Ängste. Nun drängt aber ein neuer Grosser auf den Markt.

Das Gold des 21. Jahrhunderts: Chinesische Arbeiter bauen in der Provinz Jiangxi Hightech-Metalle ab.
Das Gold des 21. Jahrhunderts: Chinesische Arbeiter bauen in der Provinz Jiangxi Hightech-Metalle ab.

Der Boom von Technologien wie Solaranlagen, Windrädern, Flachbildschirmen und Internet-Handys ist allgegenwärtig. Doch er bringt auch Probleme mit sich - eines ist die Beschaffung der für die Herstellung nötigen Hightech-Metalle. Wettbewerbsverzerrungen, Ausfuhrzölle und eine drohende Verknappung beunruhigen die wichtigen Industrienationen. Die Angst vor der Monopolstellung Chinas auf dem Markt wächst. Gegen Japan hat die Volksrepublik die Metalle kürzlich bereits als Druckmittel eingesetzt.

Deutschland etwa ist im Rohstoffmarkt importabhängig, bei den metallischen Rohstoffen laut Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sogar zu hundert Prozent. Die nationale Rohstoffstrategie der Bundesregierung beschäftigt sich bereits mit den potenziellen Problemen dieser Abhängigkeit. Laut BDI wächst der Informationsbedarf der Industrie, insbesondere weil sie sich im Rohstoffhandel zunehmend mit Exportbeschränkungen und Wettbewerbsverzerrungen konfrontiert sieht. Beim Handel mit Rohstoffen gebe es demnach derzeit mehr als 450 Exportbeschränkungen.

Es drohen Engpässe

Die am Montag eröffnete Deutsche Rohstoffagentur soll bei der Versorgung der Industrie helfen und sich «ganz besonders» auf Metalle der Seltenen Erde konzentrieren. Die knappen Metalle sind für Zukunftstechnologien unersätzlich. Sie werden etwa für die Herstellung von Smartphones, Flachbildschirmen, Elektromotoren von Hybridfahrzeugen, Leuchtdioden, Photovoltaikanlagen, Windturbinen und Glasfasern benötigt.

Eine Studie kam im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass es in absehbarer Zeit in vielen Bereichen zu ernsthaften Engpässen kommen wird. Die Nachfrage nach dem besonders knappen Metall Indium, das sowohl die Displayindustrie als auch die Photovoltaikhersteller brauchen, wird der Studie zufolge bis zum Jahr 2030 mehr als dreimal so hoch sein wie die derzeitige Produktion.

Die Metalle der Seltenen Erde kommen nicht nur begrenzt vor, ihr Vorkommen ist weltweit auch sehr ungleich verteilt. Mehr als 95 Prozent der Hightech-Metalle werden in der Volksrepublik China abgebaut. Die grössten Abnehmer sind Japan, die USA und Europa. Die Produktion von Neodym etwa, das etwa für den iPod benötigt wird, dominiert China zu 97 Prozent.

China hat grossen Eigenbedarf

Die Abhängigkeit ist gefährlich, weil Chinas Eigenbedarf stark wächst und die Volksrepublik die Ausfuhren beschränkt. Erst im September setzte China seine Monopolstellung als Druckmittel gegen Japan ein, das mehr als 90 Prozent seines Bedarfs an Hightechmetallen von China bezieht. Die chinesische Zollbehörde stoppte Ende des Monats nach einem Streit um einen inhaftierten Kapitän die Exporte der Metalle nach Japan.

Doch ein Konkurrent für China steht bereits in den Startlöchern. In Australien schlummern angeblich 46 Prozent des weltweiten Vorkommens von Hochtechnologie-Metallen. Ein Projekt der australischen Lynas Corporation, das seit acht Jahren in der Vorbereitung ist, will im nächsten Jahr mit seiner Produktion beginnen und innerhalb weniger Jahre zum grössten Lieferanten ausserhalb Chinas aufsteigen. «Wir werden das Saudiarabien der Seltenen Erden sein», sagte ein langfristiger Investor der Nachrichtenagentur AFP. Damit könnte Chinas Monopolstellung sehr bald ins Wanken geraten.

AFP/pbe

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