Chef der Basler Kantonalbank tritt zurück

Machenschaften des Vermögensverwalters ASE könnten rund 500 Anleger 300 Millionen Franken gekostet haben. Bei der BKB, die mit der ASE geschäftete, hat das Konsequenzen. Auch in Zürich rollen Köpfe.

Nimmt den Hut: Hans Rudolf Matter.

Nimmt den Hut: Hans Rudolf Matter.

Der mutmassliche Anlagebetrugsfall ASE Investment AG kostet den CEO der Basler Kantonalbank (BKB), Hans Rudolf Matter, den Job. Alleine bei Kunden der Fricktaler ASE mit BKB-Konten seien Verluste von über 100 Millionen Franken entstanden, teilt die BKB mit.

Matter begründe seinen Rücktritt mit seiner Gesamtverantwortung für das operative Geschäft. Er will sich vorzeitig pensionieren lassen. Der Bankrat wertet den Rücktritt laut Mitteilung als «konsequenten Schritt» und dankt Matter. Interimsnachfolger wird Stellvertreter Guy Lachappelle, bisher Leiter Firmenkunden und Institutionelle.

Systematische Schädigung

Die BKB hatte den Fall ASE im März selber ins Rollen gebracht mit einer Strafanzeige gegen die Firma, nachdem ihr faule Kontoauszüge aufgefallen waren. Jetzt belege der Bericht der danach bestellten externen Untersuchung, dass die ASE Kunden «offenbar systematisch in vertragswidriger und vermutlich strafbarer Weise geschädigt» habe.

Die BKB ist nur eine von mehreren Banken, die in den Fall ASE involviert sind – insgesamt vermutet man derzeit etwa 500 geschädigte Anleger mit Verlusten von 300 Millionen Franken. Bei der BKB hätten ASE-Kunden durch «das Netz von Lügen und Intransparenz» «etwas über 100 Millionen Franken» verloren, plus Gebühren und Kosten.

Weder die ASE noch ihre Organe seien wohl in der Lage, die Verluste zu decken. Die BKB verspricht daher ihrer betroffenen Kundschaft Kulanz: Sie wolle sich über Schadensbeteiligungen gütlich einigen – ohne Haftpflichtanerkennung. Allerdings habe die Kundschaft auch «erhebliche Eigenverantwortung», denn sie habe die ASE gewählt und mandatiert.

Die ASE hatte namentlich bei der Zürcher Private-Banking-Filiale der Basler Kantonalbank für ihre Kunden Konten eröffnet. Gemäss Untersuchungsbericht haben es «einzelne Mitarbeitende der BKB am Standort Zürich» an der «erforderlichen Wachsamkeit fehlen» lassen und der ASE stark vertraut.

Köpferollen in Zürich

Die Leitung der Zürcher Private-Banking-Abteilung der BKB habe ihre interne Aufsichts- und Kontrollverantwortung zu wenig wahrgenommen. Die BKB wolle sich jetzt von drei Mitarbeitenden in Zürich trennen; gegen vier weitere würden schriftliche Verwarnungen ausgesprochen. Für strafbare Handlungen seitens der BKB gebe es keine Anzeichen.

Der Untersuchungsbericht stelle zudem fest, dass 2010 getroffene «Massnahmen zur Steuerung der Rechts- und Reputationsrisiken aus ihrer Geschäftsbeziehung zur ASE aus bankregulatorischer Sicht ungenügend waren.» Dennoch bestehe für ihre bankinterne Organisation «kein Handlungsbedarf», zitiert die BKB den Bericht.

Die BKB habe bereits bei einer Neuausrichtung des Private-Banking-Geschäfts ab 2011 unter anderem ihren Umgang mit externen Vermögensverwaltern geändert. Von einigen habe sie sich seither getrennt. Auch sei am Standort Zürich das Vergütungssystem geändert und ein neuer Private-Banking-Leiter eingesetzt worden. Die BKB informierte heute Morgen an einer Medienkonferenz über den Fall, den Untersuchungsbericht und die Konsequenzen.

ASE-Chef seit April in U-Haft

Der ehemalige Geschäftsführer der ASE Investment AG mit Büro in Frick im Kanton Aargau sitzt seit April in Untersuchungshaft. Dem mutmasslichen Anlagebetrüger wird vorgeworfen, über 500 Personen um viel Geld gebracht zu haben.

Gegen den ehemaligen Geschäftsführer läuft ein Strafverfahren wegen Urkundenfälschung und weiterer Vermögensdelikte. Er soll auf Antrag der Aargauer Staatsanwaltschaft für weitere drei Monate in Untersuchungshaft bleiben. Es besteht gemäss Staatsanwaltschaft Verdunkelungs- und Fluchtgefahr.

Das Zwangsmassnahmengericht werde diese Woche über die beantragte Verlängerung der Untersuchungshaft entscheiden, sagt Elisabeth Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Es würden viele Einvernahmen gemacht. Untersuchungen bei Vermögensdelikten seien immer aufwendig. Auch gegen einen zweiten Verantwortlichen der Firma läuft ein Strafverfahren. Er befindet sich jedoch auf freiem Fuss.

Konkurs eröffnet

Die ASE Investment AG verfügte in Frick über Büroräumlichkeiten. Der Rechtssitz der Aktiengesellschaft ist Engelberg OW. Im Juni eröffneten die Behörden im Kanton Obwalden das Konkursverfahren gegen die ASE Investment AG.

Gemäss verschiedenen Medienberichten könnten die über 500 Geldanleger bis zu 300 Millionen Franken verlieren. Die Firma hatte auf ihrer Website «lukrative Anlagemöglichkeiten» versprochen.

Der mutmassliche Anlagebetrug flog im Frühling auf. Ende März war die Basler Kantonalbank (BKB) von einem Kunden auf Unstimmigkeiten in einzelnen Kontoauszügen hingewiesen worden. Die Bank reichte im Aargau Strafanzeige gegen die Investmentfirma wegen möglicher Urkundenfälschung ein.

Strafanzeige gegen BKB hängig

Bei der Aargauer Staatsanwaltschaft liegt auch eine Strafanzeige gegen die BKB vor. Das Verfahren sei noch nicht eröffnet worden, sagte Strebel. Zuerst würde das Verfahren gegen die Verantwortlichen der ASE Investment vorangetrieben. Weitere Angaben machte die Staatsanwaltschaft nicht.

Auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) wurde aktiv. Sie untersucht wegen unerlaubten Effektenhandels und verbotener Entgegennahme von Publikumseinlagen. Sie nimmt auch das Verhalten von Banken unter die Lupe, auf denen Gelder von ASE Investment deponiert waren.

sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt