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Berlusconi lässt Anleger erzittern – Börsen fallen ins Minus

Die Unruhen um die Zukunft der italienischen Regierung sorgt die Anleger. Die Börsen fallen europaweit ins Minus.

Nach der Rücktrittsankündigung des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti sind die europäischen Börsen heute mit Verlusten in die Handelswoche gestartet. Der deutsche Leitindex DAX gab am Morgen 0,48 Prozent auf 7.481,80 Punkte nach, der britische FTSE 100 verlor 0,1 Prozent auf 5.910,28 Zähler. Der französische CAC-40 sank um 0,3 Prozent auf 3.594,14 Punkte. Montis Ankündigung vom Samstag «hat ein weiteres Element der Unsicherheit in den europäischen Mahlstrom geworfen», schrieb der leitende Marktanalyst des Finanzdienstleisters CMC Markets, Michael Hewson, am Montag in einer E-Mail. Der SMI hat bis zum Mittag um 0,3 Prozent abgegeben.

Anleger fürchten, dass Italien vom Sparkurs abkehren könnte, nachdem Ministerpräsident Mario Monti am Wochenende überraschend seinen Rücktritt angekündigt hatte. Sein Vorgänger Silvio Berlusconi erklärte nahezu zeitgleich, bei der voraussichtlich im Februar anstehenden Wahl erneut für das Amt des Regierungschefs kandidieren zu wollen.

Die Märkte sind irritiert

Robert Halver von der Baader Bank Halver: «Die Märkte sind etwas irritiert, etwas derangiert. Sollte Berlusconi wiederkommen, wäre das keine gute Nachricht.» Italien brauche klare Verhältnisse, einen klaren Reformkurs. Und so mancher an der Börse habe den Eindruck, es gehe ihm nicht um Bella Italia, sondern um Bello Berlusconi, so Halver.

Berlusconi stehe für die Probleme, die Italien immer noch habe, sagte Halver. Italien dürfe durch die jüngsten Wendungen nicht zum neuen Sorgenkind werden.

Verschärfung der Eurokrise droht

Nach dem angekündigten Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti wachsen in der EU auch die Sorgen um eine Verschärfung der Euro-Krise. Der Chef der Euro-Rettungsfonds ESM und EFSF, Klaus Regling, sagte der «Süddeutschen Zeitung»: «Italien hat im vergangenen Jahr wichtige Reformen angeschoben. Das haben die Märkte bislang honoriert, allerdings haben sie auf die aktuellen Entwicklungen Ende vergangener Woche beunruhigt reagiert.» Für Italien wie für die gesamte Währungsunion sei es wichtig, dass der Reformprozess fortgesetzt werde.

Skepsis im deutschen Volk

Regling räumte ein, dass der Kurs der Euro-Staaten im Kampf gegen die Krise gerade in der deutschen Bevölkerung auf grosse Skepsis stosse. Er nehme die Sorgen der Menschen ernst, halte sie aber für unbegründet. «Weder verteilen wir Geschenke, noch wird die Politik der Europäischen Zentralbank zu Inflation führen», sagte der frühere Spitzenbeamte des Bundesfinanzministeriums.

Regling fügte hinzu, noch vor ein paar Monaten sei die Mehrheit der grossen Kapitalanleger überzeugt gewesen, dass der Euro nicht überleben werde. Jetzt habe sich die Stimmung völlig gedreht. «Das muss nicht so bleiben, aber die Investoren haben sehr wohl registriert, dass einige grosse Hedgefonds sich mit ihren Wetten auf ein Scheitern der Währungsunion heftig verspekuliert und viele Milliarden Euro verloren haben», sagte Regling. «So etwas beeindruckt die Märkte mehr als Brüsseler Beschlüsse.»

Warnung von Westerwelle

Auch Bundesaussenminister Guido Westerwelle (FDP) hat Italien eindringlich davor gewarnt, den eingeschlagenen Reformkurs wieder abzubrechen. «Die Reformpolitik muss fortgesetzt werden, denn sonst ist die Gefahr gross, dass Italien, aber auch Europa insgesamt wieder in einen Strudel hineingeraten können», sagte Westerwelle am Montag am Rande eines Treffens der EU-Aussenminister in Brüssel.

dapd/mrs

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