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«Auch reiche Länder werden nicht verschont»

Die Weltbank sieht das Auf und Ab der europäischen Schuldenkrise als Belastung für die gesamte Weltwirtschaft. Ökonom Hans Timmer warnt gar vor einer globalen Krise wie vor fünf Jahren.

Europa geht es schlecht: Ein Obdachloser in den Strassen von Barcelona (9. Juni 2012)
Europa geht es schlecht: Ein Obdachloser in den Strassen von Barcelona (9. Juni 2012)
Keystone

Jüngste Kursverluste an Börsen und steigende Zinsen für Staatsanleihen zeigten, wie anfällig und nervös die Finanzmärkte überall seien, heisst es im heute veröffentlichten Bericht der Weltbank. Es sei völlig klar: Weder reiche Länder noch aufstrebende Staaten würden verschont, «sollte sich die Situation in Europa deutlich verschlechtern».

Selbst eine globale Krise vom Ausmass derjenigen zwischen 2007 und 2009 sei nicht undenkbar, sagte Weltbank-Ökonom Hans Timmer gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: «Wir glauben, die Wahrscheinlichkeit ist nicht gross, aber zugleich können wir sie nicht ausschliessen.»

Noch zu Jahresbeginn habe es so ausgesehen, als beruhige sich die Lage in Europa. Noch im Januar habe man nicht über einen griechischen Ausstieg aus der Eurozone gesprochen, nun sei dieser «eine der Möglichkeiten», sagte er. Das zeige, wie volatil die Situation sei.

«Albtraum-Szenario»

Ein Albtraum-Szenario wäre, wenn zwei der grösseren Euro-Staaten wegen ihrer Probleme aus dem Kreditmarkt ausgeschlossen würden, sagte Timmer. Derzeit gehe die Weltbank aber nicht davon aus, dass die Lage dermassen ausser Kontrolle gerate. So korrigierte sie ihre Vorhersagen aus dem letzten Bericht vom Januar nur leicht nach unten: Sie erwartet für dieses Jahr weltweit ein Wachstum von 2,5 Prozent und für das kommende 3,0 Prozent.

In der Eurozone wird die Wirtschaft demzufolge in diesem Jahr um 0,3 Prozent schrumpfen und dann 2013 leicht um 0,7 Prozent wachsen. Zum Vergleich: Vor einem Jahr war noch von einem Plus in der Euro-Zone von 1,8 Prozent für 2012 die Rede gewesen. Die Lage in Europa sei letztlich auch eine Spätfolge der globalen Finanzkrise und «es wird noch viele Jahre brauchen, um den Schaden zu beheben», sagte Timmer.

Schwellenländer treiben globales Wachstum an

Die globalen Wachstumslokomotiven blieben derweil die Schwellen- und Entwicklungsländer wie China und Indien, meint die Weltbank. Für diese Staaten erwartet sie für 2012 im Schnitt ein Plus von 5,3 und im nächsten Jahr einen Zuwachs von 5,9 Prozent – beide Werte korrigierte sie leicht nach unten. Dass sich die Konjunktur in den aufstrebenden Staaten etwas abkühle, ist nach Ansicht von Timmer keine besorgniserregende Entwicklung, sondern eine normale Korrektur.

Allerdings rief die Weltbank die Schwellenländer dazu auf, für eine mögliche globale Finanzkrise vorzusorgen. Andrew Burns, der Chefautor des Berichts, forderte, dass diese Länder «kurzfristige Schuldenstände senken, Haushaltsdefizite kürzen und zur einer neutraleren Geldpolitik zurückkehren». Dann hätten sie genügend Spielraum, wenn die die weltweite Wirtschaft tatsächlich abstürzen sollte.

SDA/ses

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