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Am Schluss gewinnt der Geldadel

Werden die Reichen immer reicher? Ein Blick auf die Rangliste zeigt: Das Vermögen der Top 300 hängt kurzfristig stark von den Finanzmärkten ab. Langfristig haben die Superreichen aber die Nase vorn.

Von wegen Krisenstimmung und Wirtschaftsflaute: Bei den Reichsten der Reichen lief es dieses Jahr prächtig. Um ganze 6,5 Prozent wuchs ihr Vermögen im Verlauf des vergangenen Jahres. Dies ermittelte die Zeitschrift «Bilanz» in ihrer aktuellen Ausgabe zu den 300 Reichsten der Schweiz. Gemäss «Bilanz» wuchs deren addierter Besitz von 481 Milliarden Franken im Jahr 2011 auf ganze 512 Milliarden Franken im Jahr 2012 an. «Trotz Krise reicher», titelt das Wirtschaftsheft den Leitartikel zum Thema.

Wer hierzu nach Erklärungen sucht, wird auf den Börsenschirmen schnell fündig. Im Vergleich zum Jahresbeginn machten sämtliche grossen Indizes an Boden gut. Der Dow Jones Index der grössten US-Unternehmen stieg um 7 Prozent an, Englands FTSE 100 um 4 Prozent. Japans Nikkei-Index ging seit dem ersten Januar um 11 Prozent nach oben. Deutschlands DAX schnellte um 23 Prozent empor, der Schweizer SMI um 15 Prozent. Starke Börsen: Für die Unternehmerelite dieser Welt bedeutet das auch immer ein Plus in der persönlichen Rechnung.

Von der Börsenrallye profitiert

Börsenboom – Vermögenszuwachs: Über die letzten Jahre ist der Zusammenhang ziemlich robust. Den Höchststand erzielten die 300 Reichtumskönige der Schweiz im Jahr 2007. Damals lag ihr kombiniertes Vermögen laut «Bilanz» bei 529 Milliarden Franken (siehe Grafik). Die Marke ist nach dem krisenbedingten Taucher noch nicht vollständig erreicht. Auch dem König unter allen Börsenindizes, dem Dow Jones, erging es in diesem Zeitraum ähnlich. Seine historische Höchstmarke von knapp 14'100 Punkten erreichte der Index im Oktober 2007. Inzwischen hat sich der US-Leitindex von der Krise erholt; aktuell steht der Zähler bei 13'020 Punkten.

Wie bei Statistiken üblich blendet der Durchschnitt das Schicksal der Einzelnen aus. Die Reichsten der Schweiz sind grösstenteils Eigentümer, Erben oder Grossaktionäre bestimmter Konzerne. Diese profitierten unterschiedlich von der Bewertung an der Börse. Etwa die Familien Hoffmann und Oeri, die zusammen gegen 50 Prozent des Pharmamultis Roche besitzen. Ihr Vermögen stieg im letzten Jahr um 3 Milliarden auf zwischen 16 und 17 Milliarden Franken an, wie «Bilanz» schreibt. Der Zuwachs basiert im Wesentlichen auf dem Wertanstieg der Roche-Aktie. Er beträgt seit Anfang des Jahres knapp 15 Prozent.

Langfristig gewinnen die Reichen

Ein weiteres Beispiel ist die Familie Brenninkmeijer, deren Reichtum ursprünglich aus dem Textilhandel stammt. Mittlerweile hat sich die familieneigene Holding mit Sitz in Zug zum Gemischtwarenladen mit beträchtlichem Immobilienportfolio entwickelt – was dem Familienvermögen im vergangenen Jahr entsprechende Wertsteigerungen bescherte.

Auch der Reichtum eines der grössten «Verlierer» erklärt sich übrigens aus der Börse: Glencore, Rohstoffhandelskonzern mit Sitz in Baar, erging es wie den meisten Riesen in diesem Geschäft. Das Unternehmen verlor im Jahresverlauf gegen 12 Prozent an Börsenwert in London. Dies widerspiegelt sich im Vermögen des Glencore-Chefs und -Grossaktionärs Ivan Glasenberg: Sein persönliches Konto ist heute um rund eine Milliarde leichter als vor Jahresfrist.

Was sich beim Vergleich der Habenden mit demjenigen der Handelnden allerdings auch zeigt: Auf die Länge schneiden die 300 Reichsten der Schweiz um einiges besser ab als die Börse. In der Grafik haben wir den Stand des SMI im Jahr 1999 – er lag zum Jahresende bei 7570 Punkten – dem damaligen Vermögen der Superreichen angeglichen. Die fortlaufende Entwicklung macht vor allem eines deutlich: Auch in Zeiten, in denen die Börse abstürzt, wissen die Wohlhabenden, ihr Vermögen zu schützen.

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