Konjunktur-Ängste lassen Börsen abstürzen

Die US-Notenbank sieht Signale für eine Schwächung der Konjunktur. Heute wird bekannt, dass das Ungleichgewicht im US-Aussenhandel immer drastischere Formen annimmt. Die Börsen stürzen weltweit ab.

Hohe Verluste: Der SMI im Tagesverlauf.

Hohe Verluste: Der SMI im Tagesverlauf.

Das Ungleichgewicht im US-Aussenhandel nimmt immer drastischere Formen an. Das Defizit im Juni schnellte im Vergleich zum Vormonat noch einmal um 18,8 Prozent auf 49,9 Milliarden Dollar hoch. Das ist der höchste Stand seit 20 Monaten und hat in seinem Ausmass auch Experten überrascht.

Das US-Handelsbilanzdefizit wird an den Märkten mit grosser Aufmerksamkeit beobachtet. Weil die USA mehr konsumieren als sie produzieren, muss die Lücke durch massive Kapitalzuflüsse aus dem Ausland geschlossen werden.

Gestern verkündete die US-Notenbank Fed ausserdem, dass sie Signale für eine Schwächung der Konjunktur in den USA sieht. Die Erholung in der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt habe sich «in den vergangenen Monaten verlangsamt», erklärte der Offenmarktausschuss der Fed.

UBS verliert fast fünf Prozent

Diese beiden negativen Meldungen gehen an den Börsen nicht spurlos vorüber. Der SMI verliert fast zwei Prozent. Vor allem UBS und ABB müssen bluten. Das Blue-Chips-Barometer SMI schloss mit -2,02 Prozent auf 6'265,84 Zählern. Der breite Swiss Performance Index (SPI) verlor 2,04 Prozent auf 5'536,86 Punkte.

Der Dax fiel bis zum Nachmittag um 1,9 Prozent auf 6167 Zähler. Der Euro-Stoxx50 büsste 2,1 Prozent auf 2741 Punkte ein. Auch die US-Börsen öffneten mit grossen Verlusten, der Dow Jones verliert 1,9 Prozent.

«Mit der nun auslaufenden Berichtssaison wollen die Anleger wissen, wie es in den nächsten Monaten weitergeht - der skeptische Ausblick der Fed hat daher bei vielen für neue Verunsicherung gesorgt», sagt ein Händler in Frankfurt.

Händler sprachen allerdings auch von Gewinnmitnahmen nach den Kursanstiegen der vergangenen Wochen. «Die Bäume wachsen bekanntlich nicht in den Himmel», kommentierte einer. Auch schwache Konjunkturdaten aus China sowie die düstereren Aussichten der Bank of England trugen nicht zur Stimmungsverbesserung bei.

Bei den SMI-Titeln sind die Verluste bei UBS und ABB besonders gross. Die Grossbank verliert 4,5 Prozent, der Technologiekonzern 4,3 Prozent. CS fielen um 3,3 Prozent. Auch Julius Bär schlossen mit 4,3 Prozent im Minus. Aktien der Vontobel-Bank aus dem breiten Markt konnten sich indes nach Zahlen und einem überraschend starken Neugeldzufluss abkoppeln und gewannen 0,7 Prozent.

Einzig Nestlé im Plus

Einzig die Titel von Nestlé hielten sich dank solider Zahlen den Tag über als einziger SMI-Wert im Plus, wurden im späten Handelsverlauf aber auch mit 0,2 Prozent ins Minus gezogen.

Anders erging es Adecco, die trotz starker Quartalszahlen 4,1 Prozent einbüssten. Deutlich abgeschlagen waren auch Nobel Biocare, die mit Verlusten von 10,1 Prozent herbe Verluste einstecken mussten.

Insgesamt mussten konjunktursensible Werte aufgrund der Befürchtungen einer sich abschwächenden Wirtschaftserholung Federn lassen. So verloren die Luxusgüterhersteller Swatch 3,3 Prozent, Richemont fielen um 3,8 Prozent. Defensive Werte wie Roche (-1,2%) oder Swisscom (-0,8%) hielten sich noch auf den vorderen Plätzen.

bru

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