Herr Egger ist eine tolle Frau

Philipp Egger ist neues Finma-Mitglied. Eine seltsame Wahl.

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Bruno Schletti@tagesanzeiger

Im besseren Fall hat der Bundesrat seine Aufgabe allzu nonchalant erledigt. Im schlechteren verstösst er gegen das Gesetz. Die Rede ist von der Wahl des ehemaligen Versicherungsmanagers Philippe Egger zum neuen Verwaltungsratsmitglied der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma).

Artikel 9 des Finanzmarktaufsichtsgesetzes hält fest: «Der Bundesrat wählt den Verwaltungsrat. Er achtet dabei auf eine angemessene Vertretung beider Geschlechter.» Heute sitzen im Gremium sieben Männer und eine Frau. Mit Egger sind es neu acht Männer. Die einzige Frau, Anne Héritier Lachat, wird Ende 2015 zurücktreten. Da möchte man doch allzu gern wissen, ob man als Bundesrat Gesetzesparagrafen nach Belieben auf den Kopf stellen darf.

Ferner steht im Gesetz, dass die Verwaltungsräte der Finma «von den Beaufsichtigten unabhängig sind». Philippe Egger – unabhängig? Egger durchlief in seinem Berufsleben die halbe Schweizer Versicherungswelt. Sechs Jahre sass er bei der Basler in der Geschäftsleitung. Zehn Jahre bezog er sein Salär bei der Axa Winterthur, sechs Jahre davon als Konzernchef. Kein Zweifel: Egger kennt das Geschäft, er kennt die Branche, sass im Vorstand des Schweizerischen Versicherungsverbands, wo er sich mit den Chefs sämtlicher Konkurrenten zuprostete. Egger kennt in diesem Metier jeden und jedem, und der Bundesrat will uns weismachen, er habe einen gewählt, der von den zu Beaufsichtigenden unabhängig sei.

Als ob man die Debatte nicht schon mehrfach ­geführt hätte. Paradebeispiel war Ex-UBS-Manager ­Eugen Haltiner, der als Finma-Präsident die UBS zu beaufsichtigen hatte. Vorgeschoben wird stets das ­Argument, es gebe in diesem kleinen Land keine ­branchenfremden Persönlichkeiten mit genug Fachwissen. Es gibt sie, die Frauen und Männer mit ­Know-how und kritischem Blick auf die Finanzbranche. Nur muss man sie auch wollen. Die Branchen­vertreter pochen auf eigene Leute. Und dem Bundesrat mangelt es an Durchsetzungsvermögen. Dem Land bleibt eine Aufsichtsbehörde ohne Biss.

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