Wundersame Aufblähung des Rettungsschirms

Die Schlagkraft des Euro-Rettungsmechanismus EFSF könnte mehr als verfünffacht werden. Niemand müsste mehr Garantien sprechen – dennoch würden aus 440 Milliarden Euro 2500 Milliarden.

Komplexe Finanzinstrumente zur Erhöhung des Rettungsschirms: Das Eurosymbol vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main.

Komplexe Finanzinstrumente zur Erhöhung des Rettungsschirms: Das Eurosymbol vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main.

(Bild: Keystone)

In der Eurozone wird EU-Kreisen zufolge daran gearbeitet, die Mittel des Euro-Rettungsschirms (EFSF) um das bis zu Fünffache zu erhöhen – ohne dass die Euroländer neue Garantien geben müssen. Demnach könnte das Volumen durch einen finanztechnischen «Hebel» auf bis zu 2,5 Billionen Euro erhöht werden, sagten EU-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP in Brüssel.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte vor dem Europaparlament in Brüssel gefordert, die «Feuerkraft» des EFSF zu erhöhen, ohne dass die Mitgliedstaaten mehr Geld beisteuern müssten als bisher.

Eine Art Teilkaskoversicherung

Nach Angaben eines EU-Vertreters haben Experten eine Möglichkeit erarbeitet, um einen finanziellen «Hebeleffekt» zu erzeugen. Eine Option sieht demnach vor, Besitzer von Schuldscheinen in angeschlagenen Ländern mit dem Rettungsschirm zu versichern und damit die Schlagkraft des EFSF um das Drei- bis Fünffache zu erhöhen. Der EFSF würde dem Modell zufolge einen Teil des Risikos absichern, falls ein Staat zahlungsunfähig sein sollte. Die Rede ist von 15 bis 20 Prozent.

Der EFSF würde damit zu einer Art Teilkaskoversicherung. Der Vorschlag geht dahin, dass der Fonds Investoren zum Kauf von Staatsanleihen von Ländern aus der Eurozone ermutigt, indem er mit seinen Mitteln im Falle der Zahlungsunfähigkeit eines Staates einen Teil der Verluste des Investors übernimmt. So müsste der Fonds die Staatsanleihen nicht selber kaufen und könnte mit seinen Mitteln auf dem Markt für Staatsanleihen eine höhere Wirkung erzielen, weil er im Notfall immer nur einen Teil des Werts einer Anleihe garantiert.

Politische Widerstände umgehen

Bislang kann der Fonds 250 Milliarden Euro aus staatlichen Garantien zur Absicherung des Euro einsetzen. Diese Summe soll auf 440 Milliarden erhöht werden, wenn als letztes Euroland die Slowakei dieser Ausweitung zugestimmt hat. Das soll voraussichtlich bis Freitag geschehen.

Die Euroländer geben Garantien für die Mittel aus, die dem Euro-Rettungsfonds zur Verfügung stehen. Die Übernahme weiterer Risiken ist in Deutschland und anderen Ländern inzwischen heftig umstritten. Deswegen wird nach Wegen gesucht, die Wirkung des Rettungsfonds zu erhöhen, ohne dass die Euroländer weitere Garantien übernehmen müssen.

rub/AFP

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