«Das zeigt, dass Gold nicht zwingend mehr Sicherheit bietet»

Hintergrund

Der Preissturz beim Gold brockt der SNB einen Verlust von 7,3 Milliarden Franken ein. Was sind die Folgen? Antworten von drei Ökonomen.

Glänzt nicht immer: Goldbarren im Bestand der SNB.

Glänzt nicht immer: Goldbarren im Bestand der SNB.

(Bild: Keystone)

Andreas Möckli@AndreasMoeckli

Der Preissturz beim Gold hat der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im ersten Halbjahr einen hohen Verlust beschert. Die Nationalbank verbucht auf dem Goldbestand einen Bewertungsverlust von 13,2 Milliarden Franken. Teilweise aufgefangen wurde das Minus durch Gewinne auf Fremdwährungspositionen von 5,8 Milliarden Franken. Unter dem Strich bleibt ein Verlust von 7,3 Milliarden Franken.

Beobachter zeigen sich vom Resultat nicht überrascht. «Angesichts des starken Rückgangs des Goldpreises im zweiten Quartal war dieser Bewertungsverlust zu erwarten», sagt Ökonom Alessandro Bee von der Bank J. Safra Sarasin. Zwischen Ende März und Ende Juni verlor das Edelmetall rund 25 Prozent an Wert. Der Verlust relativiere sich jedoch, wenn man sich den markanten Anstieg des Goldes in den vergangenen Jahren vor Augen halte, sagt Bee.

Gesundes Verhältnis beim Goldbestand

Die Entwicklung zeige, dass auch Gold kein Selbstläufer sei, sagt David Marmet, Leiter Volkswirtschaft bei der Zürcher Kantonalbank. «Man kann nicht davon ausgehen, dass der Kurs stetig steigt.» Marmet spielt damit auch auf die Goldinitiative der SVP an, die der Nationalbank vorschreiben will, mindestens 20 Prozent ihrer Aktiven in Gold zu halten. «Der hohe Bewertungsverlust zeigt, dass Gold nicht zwingend mehr Sicherheit bietet, sondern wie andere Anlagen starken Schwankungen ausgesetzt ist», sagt Marmet.

Trotz des hohen Verlusts sieht Marmet derzeit noch keine Gefahr, dass das Eigenkapital von derzeit 49,5 Milliarden Franken bald negativ werden könnte. Selbst bei einem weiteren Bewertungsverlust auf dem Goldbestand sei ein solches Szenario eher unwahrscheinlich. Auch an der Höhe des Goldbestands würde Marmet nicht rütteln. Er stehe mit einem Anteil von 7,5 Prozent an der gesamten Bilanzsumme in einem gesunden Verhältnis.

SNB-Anlagen «gut gestreut»

Ohnehin ist fraglich, ob die Entwicklung des Goldbestands künftig das dominante Thema bleiben wird. Ökonom Bee etwa rechnet damit, dass angesichts des hohen Währungsbestands vor allem die Entwicklung des Frankens der wichtigste Treiber für die Ergebnisse der Nationalbank sein wird. Die Wechselkurse seien normalerweise stärkeren Ausschlägen ausgesetzt als der Goldpreis. Die vergangenen Monaten seien hier eine Ausnahme gewesen.

«Je nach Entwicklung an den Finanzmärkten kann der Wert der Fremdwährungsbestände allein wegen ihrer immensen Grösse innert kürzester Zeit um mehrere Milliarden Franken sinken oder steigen», sagt UBS-Ökonom Caesar Lack. Die Nationalbank habe in der Vergangenheit auch selber auf die Gefahren der riesigen Bilanz und der damit verbundenen Schwankungen aufmerksam gemacht. Im Vergleich zu vielen anderen Notenbanken seien die Anlagen der SNB gut gestreut. Lack erwähnt etwa den relativ hohen Aktienanteil von 15 Prozent oder die verschiedenen Währungspositionen. «Durch die gegenläufige Entwicklung verschiedener Anlagen heben sich die Bewertungsgewinne und -verluste zumindest teilweise auf.»

Unsichere Entwicklung bis am Jahresende

David Marmet gewinnt den hohen Devisenbeständen auch etwas Positives ab. Dank den üppigen Aktien- und Obligationenanlagen hat die SNB Dividenden und Zinsen von rund 4,4 Milliarden Franken eingenommen. Im Gegensatz zu den Buchverlusten seien das realisierte Gewinne, die real anfallen. «Das ist mittlerweile eine erkleckliche Summe», sagt Marmet.

Was die Ausschüttung an Bund und Kantone anbelangt, so sind Prognosen Mitte des Jahres schwierig. Im aktuellen Zustand wäre die Gewinnausschüttung in Gefahr, sagt Lack. Aber wie sich die Bilanz bis Ende Jahr entwickle, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Je nach Entwicklung der Märkte sei per Ende Jahr auch ein positives Ergebnis denkbar, sagt Marmet. Dies hänge neben dem Goldpreis und den Aktienmärkten vor allem auch von der Entwicklung des Frankens ab.

baz.ch/Newsnet

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